Vor TV-Duell Ex-ZDF-Chefredakteur Brender wirft Merkel Erpressung vor

Mit vehementen Vorwürfen geht der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender Kanzlerin Merkel an. Das anstehende TV-Duell mit Herausforderer Schulz sei eine "Missgeburt", alles sei auf ihren Wunsch hin auf sie zugeschnitten.

Nikolaus Brender
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Nikolaus Brender


Der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender erhebt Vorwürfe gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU), das TV-Duell am 3. September durch massiven Druck ihrer Vertrauten zu einem reinen Kanzlerformat gemacht zu haben. "Die Einigung ist unter Erpressung durch das Kanzleramt zustande gekommen", sagt Brender in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. "Solche Vereinbarungen nennt man sittenwidrig."

Die Absicht dahinter sei glasklar. "Das Kanzleramt verlangt ein Korsett für die Kanzlerin, in dem sie sich nicht bewegen muss. Und zugleich eines für Schulz, in dem er sich nicht bewegen darf", so Brender: "Als Fernsehformat ist das eine Missgeburt." Merkel mache einen Wahlkampf "im Schlafmodus". Ein Fernsehduell, "das Funken schlägt, würde dabei nur stören".

Auch der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kritisierte Merkel für ihre Strategie. "Machtpolitisch kann ich das nachvollziehen, demokratietheoretisch ist das verheerend", sagte der Sozialdemokrat. "Sie entzieht sich einem direkten Vergleich. Dabei lebt der Wahlkampf vom Wettbewerb der Positionen und Personen."

Das Duell Anfang September ist das einzige direkte Aufeinandertreffen von Merkel und Schulz in diesem Wahlkampf. In den Verhandlungen über die Modalitäten war es nach Ostern zu einem Konflikt zwischen den Sendern, der SPD und Vertretern aus dem Kanzleramt gekommen.

Merkels Vertraute Eva Christiansen und Regierungssprecher Steffen Seibert hatten den Wunsch der Sender nach zwei Duellen sowie andere Vorschläge zur Änderung des Formats abgelehnt und erkennen lassen, notfalls einem Duell fernzubleiben. Die beiden Politiker werden im TV-Studio in Berlin-Adlershof von vier Moderatoren befragt.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte, wie Martin Schulz (SPD) seine Kontrahentin Angela Merkel (CDU) im TV-Duell stellen will.

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GSYBE 26.08.2017
1. unfassbar
Der ganze Vorgang ist ungeheuerlich und liesse sich dergestallt eher in Russland oder Nordkorea denn in der BRD verorten, wenn....ja wenn die BRD nicht eine Kanzlerin namens Merkel hätte. Allerdings kann ich das ZDF auch nicht verstehen: es wäre doch ein Leichtes und für jeden Nachvollziehbares gewesen, einen Programmplatz von 3 Stunden - gerne auch von 2 x 1.5 Stunden - für eine Diskussion der Kanzlerkandidaten freizuhalten mit dem Verweiss " wir laden ein, für Kaffee und Kuchen ist gesorgt, wer kommen möchte...gerne, wer nicht...der erkläre dies dem Bürger". Spontaner Kommentar meiner Frau: das ist ja dann keine Pressefreiheit mehr.
Cascara LF 26.08.2017
2. Es wäre überaus...
...interessant gewesen zu erfahren, mit welchen konkreten Druckmitteln diese "Einigung" zustande gekommen ist. So ist es ein Artikelchen nach dem Motteo: "Psst, ich weiss was, darf es aber nicht verraten." Armselig!
equigen 26.08.2017
3. Ist doch eh egal
Merkel wird gewählt, und selbst wenn Sie schlafend an dieser Diskussion teilnehmen würde. Die Menschen sind mit Problemen die ihr tägliches Leben (Terror, Klimawandel, CO2, NOx usw) real überhaupt nicht betreffen so von den realen Problemen (Altersarmut, Armut von Kindern & Alleinerziehenden, Umverteilung von Unten und der Mitte nach Oben) abgelenkt, dass sie gar nicht merken wie veräppelt sie von dieser Regierung werden.
friedrich_eckard 26.08.2017
4.
Nun ja, wen wundert's... natürlich ist die Kanzlerin einem Diskussionsduell mit gleichen Waffen selbst mit einem Martin Schulz nicht gewachsen - wenn im Bundestag Sahra Wagenknecht - allerdings eine Kontrahentin von anderer Gewichtsklasse - das Wort hat pflegt sie ja auch regelmässig das Panier des Hasen zu ergreifen. Journalisten mit Cojones oder der weiblichen Entsprechung dazu könnten allerdings ein solches "scripted match" ja auch platzen lassen...
Zaunsfeld 26.08.2017
5.
Zitat von GSYBEDer ganze Vorgang ist ungeheuerlich und liesse sich dergestallt eher in Russland oder Nordkorea denn in der BRD verorten, wenn....ja wenn die BRD nicht eine Kanzlerin namens Merkel hätte. Allerdings kann ich das ZDF auch nicht verstehen: es wäre doch ein Leichtes und für jeden Nachvollziehbares gewesen, einen Programmplatz von 3 Stunden - gerne auch von 2 x 1.5 Stunden - für eine Diskussion der Kanzlerkandidaten freizuhalten mit dem Verweiss " wir laden ein, für Kaffee und Kuchen ist gesorgt, wer kommen möchte...gerne, wer nicht...der erkläre dies dem Bürger". Spontaner Kommentar meiner Frau: das ist ja dann keine Pressefreiheit mehr.
Richtig! Und wenn Frau Merkel nicht hätte kommen wollen, dann hätte eben Herr Schuz Sonntagabend zur besten Sendezeit drei Stunden Zeit gehabt, sich und sein Parteiprogramm ausführlich darzustellen. Es wäre dann an Frau Merkel gewesen, der Bevölkerung zu erklären, warum sie sich in eine solche Fragerunde nicht mit hineintraut.
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