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Angela Merkel zum 60.: Die Übermächtige

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Kanzlerin Merkel: Die CDU muss erwachsen werden

Angela Merkel wird 60 Jahre alt. Sie ist die mächtigste Frau Deutschlands und Europas. Mehr noch, sie ist übermächtig. Das Land wird eines Tages sicher auch ohne sie als Kanzlerin auskommen, aber ihre Partei nicht.

Jetzt auch noch Weltmeister. Das wohlige Glücksgefühl einer ganzen Nation, die Jubelbilder mit Götze und Özil, das Lob aus aller Welt, all das wird Angela Merkel einen Popularitätsschub geben. Wieder einmal. Wenn die Kanzlerin an diesem Donnerstag 60 Jahre alt wird, dann lässt sich ohne Zweifel festhalten: Sie ist auf dem Höhepunkt ihrer politischen Karriere, beliebt im Volk, unangefochten in der Partei, unumstritten in der Regierung, die mächtigste Frau der Welt.

Mehr geht nicht, was soll da noch kommen - außer ein langsamer Abstieg? Angela Merkel stellt sich diese Frage angeblich nicht. Standhaft wehrt sie alle Gedankenspiele über einen freiwilligen Rückzug in noch so ferner Zukunft ab. Doch die Menschen im Land, vor allem aber die Mitglieder ihrer Partei, dürfen, ja müssen sich diese Frage stellen, selbst wenn nach mehr als 3000 Tagen Kanzlerschaft von einem Abnutzungseffekt wie einst in den letzten bleiernen Kohl-Jahren kaum etwas zu spüren ist.

Was also kommt nach Merkel? Darauf ist niemand vorbereitet. Das Land wird wohl eines Tages auch ohne sie auskommen können. Aber was wird aus der Partei? Die CDU traut sich nicht, nach Antworten zu suchen. Das ist verständlich, wer will schon die Chefin in Frage stellen, die vor ein paar Monaten 41,5 Prozent für die Partei geholt hat.

Aber genau das ist der Punkt: Merkel hat dieses Ergebnis geholt. Nicht die CDU. Wenn die Parteivorsitzende weg ist, sind auch die 40 Prozent weg. Jetzt wählen die Menschen Merkel, aber wollen sozialdemokratische Politik: Mindestlohn, Rente mit 63, Doppelpass. In ihrem grenzenlosen Pragmatismus hat die Kanzlerin ihre Partei vom konservativen Mief befreit und so wohl auch an der Macht gehalten.

Aber wenn Merkel nicht mehr antritt, vielleicht schon 2017, warum sollten die Wähler der CDU treu bleiben, wenn auch das Original, die SPD, zur Wahl steht, die sich bis dahin in der Großen Koalition womöglich weiter stabilisiert hat? Weil bei den Christdemokraten Ursula von der Leyen übernimmt?

Sie ist Kronprinzessin Nummer eins, auch wenn sie in der Partei viele Feinde hat. Sie ist nicht unbeliebt im Volk, doch das Vertrauen, das Merkel wegen ihrer unprätentiösen, unaufgeregten, mitunter einlullenden Art genießt, werden ihr die Menschen nicht ohne Weiteres schenken. Ursula von der Leyen als verlässliche Krisenmanagerin, als Garant für einen stabilen Euro, als Hüterin deutscher Sparbücher - daran glauben die Leute nicht mal eben so. Merkels Abgang eröffnet ungeahnte Chancen für andere Parteien und Personen: Sigmar Gabriel kann es sicher kaum abwarten, ihr nachzufolgen.

Die CDU wird anfangen müssen, sich darüber Gedanken zu machen. Nicht öffentlich, das erwartet zum jetzigen Zeitpunkt wohl niemand. Aber intern darf die Frage kein Tabu sein, was einmal aus der Union ohne "Mutti" wird - so wird Merkel hinter vorgehaltener Hand bekanntlich gern genannt, und zwar bis in die Partei- und Fraktionsspitze hinein. Ein bisschen frech soll das klingen. Dabei machen sich die, die sie so nennen, nur klein. Denn die Kinder der CDU sind ohne ihre Mutti nichts. Die CDU muss anfangen, erwachsen zu werden.

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Philipp Wittrock ist Redakteur bei SPIEGEL ONLINE im Ressort Politik.

E-Mail: Philipp_Wittrock@spiegel.de

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1. Über 58 Prozent
dwarsdriewer 17.07.2014
wünschen ihr noch viele Jahre im Amt (Stand 6:54 Uhr)... Rückschluss: Verdammt viele CDU-Wähler lesen den SPIEGEL. Liebe SPIEGEL-Redaktion, da würde ich mir aber mal Sorgen drüber machen. Entweder hat sich der SPIEGEL stark verändert, oder die CDU.
2.
johram 17.07.2014
Ich hoffe, dass das Land ohne sie und auch ihre Partei bald auskommen wird
3. Happy Birthday
mitch72 17.07.2014
Zitat von sysopDPADie Kanzlerin wird 60 Jahre alt. Sie ist die mächtigste Frau Deutschlands und Europas. Mehr noch, Angela Merkel ist übermächtig. Das Land wird eines Tages sicher auch ohne sie auskommen, aber ihre Partei nicht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kommentar-zum-merkel-geburtstag-ohne-die-kanzlerin-ist-die-cdu-nichts-a-981341.html
Viel Glück im neuen Jahrzehnt, kann man nur sagen, und keine Scheu vor einem Rücktritt, denn zu Helmut Kohls Zeiten konnte sich auch niemand vorstellen, dass es eine Zeit nach ihm geben würde. Ich fürchte nur, dass nach Ihnen die deutsche Politik international wieder ins bedeutungslose Nichts fällt, weil keine der deutschen Parteien noch eine Leitfigur in sich hat. Aber, heute sollte Frau Merkel Ihren Tag geniessen und sich nicht von den vielen schon Schlange stehenden Nörglern und Schwarzmalern - auch von denen, die sich hier im Forum noch melden werden - beirren lassen.
4. Thema fast nur für Journalisten und Politiker
aberleka 17.07.2014
Das Amtsende der Bundeskanzler ist nicht aktuell. Dieses Thema eignet sich gut als Lücken- oder Zeilenfüller für die Medien.
5. Naja, ob Merkels Bedeutung für das
emil_sinclair73 17.07.2014
CDU Wahlergebnis tatsächlich von so hoher Bedeutung ist, sei mal dahingestellt. 2005 hätte sie es fast noch vermasselt obwohl die CDU in den Umfragen sehr deutlich geführt hat. 2009 hatte sie nochmals Wähler verloren, weil diese in Schaaren zu Westerwelle übergelaufen sind. Nach der katastrophalen Leistung von schwarz-gelb wolten die meisten Deutschen Ruhe und entsprechend die GroKo und damit keiner auf dumme Gedanken kommt und etwas ändert eben auch wieder Merkel. Letztendlich ist sie ein Pressephenomän und das Produkt der Politikverdrossenheit Deutschlands. Keine Änderung, keine Diskussion, keine Reform, Mutti macht das schon, alles wird gut.
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