Wahlkampf Warum Merkel noch nicht gewonnen hat

Die Umfragewerte glänzen, kein Kampf, nirgends, und bald ist der Wahltag da: Immer weniger Wähler zweifeln am Sieg der Kanzlerin am 24. September. Doch auf dem Weg drohen Angela Merkel Gefahren.

CDU-Vorsitzende Merkel
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CDU-Vorsitzende Merkel

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Eigentlich müsste sie jetzt starten, die heiße Phase. Doch in diesem Wahlkampf ist bisher so gar nichts heiß. Exakt 39 Tage noch sind es bis zum Wahltag. Doch die Siegerin scheint festzustehen, der Verlierer auch, und einzig der Kampf um Platz drei verspricht noch Spannung.

Ist das Rennen wirklich schon gelaufen? Kann sich Angela Merkel auf eine vierte Amtszeit als Kanzlerin vorbereiten? Schließlich liegt ihre Union in Umfragen gut 15 Prozentpunkte vor den Sozialdemokraten.

Oder trügt der Schein? Kommt es am Ende vielleicht ganz anders als erwartet?

Martin Schulz jedenfalls müht sich, aber seiner Kampagne fehlt die zündende Idee, der Esprit. Er wirkt eben nicht auf den ersten Blick wie eine echte Alternative zu Merkel. Wahlkämpfe werden aber nun mal von denen gewonnen, die sich als Alternative und nicht als bloße Variante zu verkaufen wissen.

Es ist ja nicht so, dass es Merkels CDU in diesem Wahlkampf so viel besser macht. Auch hier herrscht in Kampagnedingen das politische Biedermeier. Nur: Die Union muss ja auch nicht angreifen.

Merkel-Konkurrent Schulz im Wahlkampf
DPA

Merkel-Konkurrent Schulz im Wahlkampf

So ist die Lage, oberflächlich betrachtet. Schaut man genauer hin, fallen ein paar interessante Details auf, die doch noch Spannung in diesen Wahlkampf bringen könnten: Zum Beispiel, dass die Unionsstrategen einen kleinen Schreck bekamen, als die Kanzlerin vergangene Woche mit einer Umfragedelle aus dem Urlaub zurückkehrte: Laut ARD-"Deutschlandtrend" kommt sie im August zwar noch immer auf 59 Prozent Zustimmung und liegt damit deutlich vor Herausforderer Schulz (33 Prozent), doch hat sie im Vergleich zu Juli zehn Prozentpunkte verloren.

Möglicherweise ist das die Dieseldelle: Schließlich hatte sich Merkel auf dem Regierungsgipfel zum Dieselskandal nicht blicken lassen. Hat das die Wähler irritiert? Gleich zu Wochenbeginn ging Merkel in die Offensive, suchte das Versäumnis wettzumachen: Das Dieselthema soll nun Chefsache werden, beim nächsten Gipfel im Herbst, so Merkel, "werde ich sicherlich dabei sein, wenn ich die Chance habe, im Wahlkampf erfolgreich zu sein".

Die Aufregung um den Diesel zeigt beispielhaft, dass die Wahl noch nicht gelaufen ist. Denn ein dahindümpelnder Wahlkampf mag grundsätzlich der Amtsinhaberin nutzen; doch birgt thematische Windstille auch die Möglichkeit, dass unvorhergesehene Ereignisse plötzlich breitere Aufmerksamkeit erreichen können als unter normalen Umständen.

Damit ist die erste Gefahr für Merkel das plötzliche Auftreten neuer Themen. Die Verwundbarkeit der Kanzlerin belegt auch ein Interview mit der "Super Illu", in dem sie - erstmals - ein generelles Verbot von Autos mit Verbrennungsmotoren als sinnvoll erachtet, ohne allerdings konkrete Ansagen zu machen: "Ich kann jetzt noch keine präzise Jahreszahl nennen, aber der Ansatz ist richtig." Das dürfte nicht nur ihre Parteifreunde verunsichern, sondern auch manchen potenziellen Wähler. Gegenkandidat Schulz erkannte die Brisanz, kritisierte Merkels Aussage prompt als Forderung nach einem "Dieselverbot".

Die zweite Gefahr für Merkel ist die Siegesgewissheit. Sollten zu viele potenzielle Unionswähler den Eindruck gewinnen, die Wahl sei eh schon gelaufen, könnte am Wahltag das böse Erwachen in Folge von Wahlenthaltung drohen. Auffällig, wie Merkel in den letzten Tagen immer wieder gegen diese Gefahr ankämpft. Bei einem Auftritt vor dem CDU-Arbeitnehmerflügel am vergangenen Wochenende wendete sie sich nach dem Ende ihrer Rede noch einmal ans Publikum: Sie habe ganz vergessen zu sagen, "dass die Wahl natürlich noch nicht entschieden ist".

Merkel ist gebranntes Kind in dieser Angelegenheit, vor zwölf Jahren verspielte sie ihren sicher geglaubten Wahlsieg gegen Gerhard Schröder beinahe noch auf den letzten Metern. Zudem treibt sie die Sorge um, dass zu viele ihrer Wähler aufgrund eigener Siegesgewissheit zu den Liberalen abwandern könnten, FDP-Chef Christian Lindner wirbt bereits mit dem Argument der angeblich bereits entschiedenen Kanzlerschaft um die Merkel-Wähler. Die Kanzlerin konterte im Deutschlandfunk: Jeder kämpfe "erst einmal für sich allein". Ob die FDP der "natürliche Partner" der Union sei? "Wenn es einen natürlichen Partner gibt, dann ist es die CSU", so Merkel kühl.

Dritte Gefahr für die Kanzlerin sind die kommenden Fernsehauftritte, insbesondere das TV-Duell mit Martin Schulz am 3. September. Sie wirkt ja bei solchen Auftritten eher hölzern, manchmal unbeholfen. Schulz dagegen wusste schon bei einem TV-Auftritt im Townhall-Format am vergangenen Wochenende seine Bürgernähe auszuspielen.

Die vierte Gefahr schließlich hängt mit der Aussicht auf eine vierte Amtszeit zusammen: Sollte in den eigenen Reihen noch während des Wahlkampfs eine Nachfolgedebatte losbrechen, könnte Merkel den Wählern politisch als lame duck erscheinen - obwohl sie bereits erklärt hat, für volle vier Jahre anzutreten.

Der Auftakt zu einer solchen Debatte jedenfalls ist bereits gemacht, nachdem Schleswig-Holsteins neuer CDU-Ministerpräsident Daniel Günther gerade erklärt hat, die Union sei prima aufgestellt für die Zeit nach Merkel: "Wir sehen, dass sich - historisch untypisch - während einer CDU-Kanzlerschaft eine neue Riege von Ministerpräsidenten aufbaut, die zusammen mit vielen weiteren jüngeren Leuten in Regierungsverantwortung eine Fülle von Potenzial für eine Nach-Merkel-Ära garantieren."

Nun heißt es abwarten, wann genau diese Ära beginnt.



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insgesamt 382 Beiträge
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Seite 1
unixv 16.08.2017
1. Gefahren?
Die Gelbe, die Grüne oder die Rote? Wir haben die Wahl! Frau Merkel mit SPD oder FDP oder den Grünen, TOLL! Es gibt aber Alternativen, Die Linke oder die AFD, beide würden niemals mit der Union oder noch schlimmer der SPD koalieren!
Misi 16.08.2017
2. Ganz einfach
Warum Merkel noch nicht gewonnen hat? Weil die Wahlen noch nicht stattgefunden haben. So einfach ist das. Diese ständigen Umfragen vor Wahlen sind sinnlos, irreführend und verfälschen im schlimmsten Fall das Wahlergebnis.
Watchtower 16.08.2017
3. Realsatire...
oder ernst gemeint? Bitte um Erläuterung...
MeinungVonMir 16.08.2017
4. Das rote Blatt ....
will es immer wieder herbeireden :-) Aber wie genau müht sich Schulz eigentlich? Ich bekomme von ihm außer kruden Ideen auch nichts mit. Von "Abrackern" war sogar die Rede. Für mich ist der genauso unsichtbar wie alle anderen aus allen anderen Parteien. Darüber hinaus: Hat mal einer bewertet, dass der Mann (im Gegensatz zur Kanzlerin und vielen anderen im Wahlkampf), derzeit keinen Job hat, der ihn mit Belanglosigkeiten wie dem Daily Business belastet? Oder für den er Urlaub braucht (der hier der Kanzlerin so oft angekreidet wird - dabei ist es in jedem Job und bei der Last besonders auch in ihrem - mehr als verständlich, dass man mal die Kräfteauffrischen muss)? Wenn ich natürlich seit Monaten keinen wirklichen Job habe, kann ich mich natürlich fokussieren und brauchen auch keinen Urlaub -> Von was auch?
karl-ecker 16.08.2017
5. Gewinnt die?
Armes Deutschland. Diese Kanzlerin haben die Deutschen wirklich nicht noch vier Jahre verdient. Gebt den Migranten Wahlrecht, dann gewinnt sie sicher.
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