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Dementi aus Berlin: "Die Bundeskanzlerin kann sich an einen Anruf beim Papst nicht erinnern"

Kanzlerin Merkel, Papst Franziskus (im Februar 2015): "Sie schätzt jede Begegnung mit ihm außerordentlich" Zur Großansicht
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Kanzlerin Merkel, Papst Franziskus (im Februar 2015): "Sie schätzt jede Begegnung mit ihm außerordentlich"

Angela Merkel soll verärgert den Papst angerufen haben, weil er Europa mit einer unfruchtbaren Frau verglich. So schildert es der italienische "Corriere della Sera". Nun stellt das Kanzleramt die Sache richtig.

Die Geschichte der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" klang gut: Angela Merkel soll Papst Franziskus angerufen haben, weil dieser im November 2014 in einer Rede vor dem Europäischen Parlament den Zustand der EU kritisiert hatte.

"Sie war ein bisschen verärgert, weil ich Europa mit einer unfruchtbaren Frau verglichen habe", zitierte das Blatt den Pontifex. "Sie hat mich gefragt, ob ich tatsächlich der Meinung sei, Europa könne keine Kinder mehr bekommen." Auch SPIEGEL ONLINE griff die Meldung auf.

Doch nach Angaben der Bundesregierung hat es dieses Telefonat niemals gegeben. "Die Bundeskanzlerin kann sich an einen Anruf beim Papst nicht erinnern", sagte Merkels Sprecher Steffen Seibert. "Ansonsten schätzt sie jede Begegnung mit ihm außerordentlich." Zuerst hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" über das Dementi aus dem Kanzleramt berichtet.

Unklar ist, ob es sich bei den von der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" wiedergegebenen Sätzen des Papstes tatsächlich um wörtliche Zitate handelt. Anders als von der Nachrichtenagentur AFP dargestellt, handelte es sich offenbar nicht um ein Wortlaut-Interview mit dem Pontifex, sondern um die Wiedergabe eines Gesprächs und damit einzelner Sätze. Damit ist auch offen, ob diese vom Vatikan autorisiert wurden.

Das Verhältnis zwischen Merkel und Rom war in der Vergangenheit nicht spannungsfrei. So hatte die Kanzlerin 2009 nach der Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson durch den Vatikan den damaligen Papst Benedikt XVI öffentlich zu einer Klarstellung aufgefordert. Dies sorgte in den Reihen der Katholiken in CDU und CSU teilweise für Verwerfungen.

syd/flo/AFP

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