Merkel zum Fall Skripal "Wir nehmen Befunde der britischen Regierung sehr ernst"

Nach dem Angriff auf Ex-Agent Sergej Skripal hat London scharfe Sanktionen gegen Russland verhängt. Nun äußert sich Kanzlerin Merkel zu dem Fall - und warnt vor einem Abbruch der Gespräche.

Ermittler in Großbritannien
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Ermittler in Großbritannien


Der Fall des vergifteten früheren Doppelagenten Sergej Skripal belastet die Beziehungen zwischen London und Moskau schwer. Kanzlerin Angela Merkel plädiert trotz der unterschiedlichen Auffassungen dafür, nicht alle Kontakte abzubrechen: Man müsse mit den russischen Verantwortlichen auch immer wieder sprechen, sagte Merkel in der ARD-Sendung "Farbe bekennen", die am Abend ausgestrahlt werden soll.

In der ARD-Sendung sagte sie aber auch: "Wir nehmen die Befunde der britischen Regierung sehr ernst." Die EU werde eine einheitliche Position beziehen, fügte sie mit Hinweis auf den EU-Gipfel kommende Woche hinzu.

Die britische Regierung beschuldigt Moskau, hinter dem Anschlag auf den früheren Agenten Skripal zu stehen. Russland weist die Vorwürfe vehement zurück.

Außenminister Maas: Britische Vergeltungsmaßnahmen nachvollziehbar

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich in einem kritischen Zustand. Skripal hatte als Offizier des russischen Militärgeheimdienstes GRU für die Briten spioniert. Er wurde deswegen in Russland verurteilt und 2010 bei einem großen Agentenaustausch nach Großbritannien entlassen.

Die britische Premierministerin Theresa May ging am Mittwoch auf offenen Konfrontationskurs zu Russland und verhängte Strafmaßnahmen. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass sie offizielle Vertreter Russlands als Drahtzieher des Giftanschlags betrachtet. 23 Diplomaten mit einem Geheimdienst-Hintergrund müssten binnen einer Woche nach Russland zurückkehren, sagte May im Parlament.

Der neue Bundesaußenminister Heiko Maas äußerte Verständnis für die von Großbritannien verhängten Sanktionen. "Das darf nicht ohne Folgen bleiben", sagte der SPD-Politiker. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden. "Wir können verstehen, dass Großbritannien darauf reagieren musste."

Der Uno-Sicherheitsrat will sich am Abend mit dem Giftangriff befassen. Die Nato-Staaten stellten sich in einer gemeinsamen Erklärung hinter London.

mho/apr/dpa/Reuters/AFP



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