Kritik am Erscheinungsbild der Union Merkel soll enge Mitarbeiter gerüffelt haben

Kanzlerin Merkel ist offenbar unzufrieden mit der Performance ihrer Regierungsmannschaft. Laut einem Zeitungsbericht soll sie deutliche Einzelkritiken ausgesprochen haben - vor allem ein Parteifreund fand demnach ihr Missfallen.

Angela Merkel, Volker Kauder: Offenbar ist die Kanzlerin unzufrieden mit der Arbeit des Unionsfraktionschefs
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Angela Merkel, Volker Kauder: Offenbar ist die Kanzlerin unzufrieden mit der Arbeit des Unionsfraktionschefs


Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel soll mit dem Auftreten ihres Kabinetts hadern. Die Regierungschefin sehe ihre Erfolge durch Streit in der eigenen Partei und durch schwache Minister gefährdet, berichtet die "Bild am Sonntag". Das soll die CDU-Politikerin bei einem Treffen "in kleinem Kreis" gesagt haben. Nähere Quellenangaben macht die Zeitung nicht.

Merkel soll dabei auch einen Vergleich zum schlechten Wahlergebnis der SPD nach ihrer ersten Großen Koalition gezogen haben: Damals hätten die SPD-Politiker die Arbeit der eigenen Regierung schlecht geredet, zitiert das Blatt Merkel. Heute täten dies bei Themen wie Rente und Mindestlohn einige Unionspolitiker - davon profitiere nun die SPD.

Laut "Bild am Sonntag" holte Merkel mit ihrer Kritik noch weiter aus. Konkret äußerte sie Unmut über einzelne Protagonisten der Union. So soll die Kanzlerin den Angaben zufolge mit folgenden Personen unzufrieden sein:

  • Fraktionschef Volker Kauder: Dem Bericht zufolge kritisiert die Kanzlerin, dass Kanzleramtschef Peter Altmaier immer häufiger in die Arbeit von Kauder eingreifen müsse. So sei bei den heiklen Themen Rente und Mindestlohn Altmaier und nicht Kauder Verhandlungspartner der SPD gewesen.

  • Bildungsministerin Johanna Wanka: Merkel soll nach Angaben der Zeitung enttäuscht von Wanka sein, weil diese zu wenig aus der Bildungspolitik und dem Milliardenbudget ihres Haushalts mache.

  • Landwirtschaftsminister Christian Schmidt: Der CSU-Politiker steht dem Bericht zufolge bei der Kanzlerin in der Kritik, weil er zu wenig von sich hören lasse.

Merkel soll bei dem Treffen aber auch positive Worte für einige Kabinettsmitglieder gefunden haben. So soll die Regierungschefin die Arbeit von Gesundheitsminister Hermann Gröhe gelobt haben. Um den Zusammenhalt in der gesamten Koalition zu stärken, plant Merkel nach Angaben der Zeitung noch kurz vor der Sommerpause einen Koalitionsausschuss.

"Die Stimmung ist unter aller Sau"

Kritik ausgesetzt sieht sich auch Innenminister Thomas de Maizière - allerdings nicht von Seiten der Kanzlerin, sondern von Mitarbeitern aus seinem eigenen Haus. So schreibt die "Bild am Sonntag", der Personalrat des Innenministeriums habe den Minister in zwei Mitarbeiterbriefen in ungewöhnlich scharfer Form attackiert: "Wir bedauern, dass es in unserem Haus Übung geworden ist, die Betroffenen vor vollendete Tatsachen zu stellen, statt sie einzubinden oder zumindest als Erste zu informieren." Eine "mitarbeiterfreundliche Kommunikationskultur" sehe anders aus. Der Minister habe "das Vertrauen massiv enttäuscht".

Hintergrund ist demnach ein umfassender Personalumbau im Ministerium. Mitte Mai hatte de Maizière in einer Hausmitteilung eine neue Organisation und personelle Umbesetzungen verkündet. Der Personalrat wie auch die meisten betroffenen Spitzenbeamten wurden davon überrascht. "Ein solches Vorgehen haben wir hier noch nie erlebt", sagte ein Abteilungsleiter. Die Stimmung sei "unter aller Sau".

Mehrere Spitzenbeamte wollen sich gegen ihre Versetzung zur Wehr setzen und drohen mit juristischen Schritten gegen das Ministerium. Sprecher Johannes Dimroth sagte der Zeitung: "Da einige Bereiche des Hauses betroffen sind, werden die Entscheidungen selbstverständlich diskutiert. Neben kritischen Stimmen treffen die Maßnahmen in weiten Teilen auch auf Zustimmung der Mitarbeiter."

Die personellen Veränderungen sollten mit Wirkung zum 2. Juni, also am vergangenen Montag, in Kraft treten. Doch angesichts der Widerstände verschob de Maizière kurzfristig die umstrittene Reform.

jbe

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insgesamt 171 Beiträge
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Seite 1
CONTRAST 08.06.2014
1. Hoffentlich geht das weiter so, bis der letzte..
Zitat von sysoppicture alliance / dpaKanzlerin Merkel ist offenbar unzufrieden mit der Performance ihrer Regierungsmannschaft. Laut einem Zeitungsbericht soll sie deutliche Einzelkritiken ausgesprochen haben - vor allem ein Mitstreiter fand demnach ihr Missfallen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-kanzlerin-rueffelt-minister-und-volker-kauder-a-974035.html
im Bunde begreift, dass die Ära Merkel beendet werden muss! Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Merkel-Schrecken ohne Ende. Diese Chaos-Truppe kann sich Deutschland nicht mehr leisten. Das sollten die Anhänger Merkels "endlich" begreifen. Die gesamte GROKO ist am Ende, war sie schon von Anfang an. Machtgier ist nicht alles! Samuel Richardson schrieb passend: " Jeder liebt mehr oder weniger, die Macht; doch denjenigen, die sich am stärksten danach sehnen, sollte man sie nicht anvertrauen: Sie sind kaum dazu geeignet, sie auszuüben!"
Atheist_Crusader 08.06.2014
2.
Zitat von sysoppicture alliance / dpaKanzlerin Merkel ist offenbar unzufrieden mit der Performance ihrer Regierungsmannschaft. Laut einem Zeitungsbericht soll sie deutliche Einzelkritiken ausgesprochen haben - vor allem ein Mitstreiter fand demnach ihr Missfallen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-kanzlerin-rueffelt-minister-und-volker-kauder-a-974035.html
Glaub mir Angie - die größte Bedrohung für den Ruf der CDU sind NICHT deine Mitarbeiter.
nemensis_01 08.06.2014
3. Ach du lieber Gott,
da werden aber einige CDU Politker gaaaaanz schlechte Pfingsten haben. Sie werden schwitzen und das nicht nur wegen des Wetters. In Ungnade bei der Kanzlerin zu fallen, nicht mehr den Steigbügel halten dürfen, der Platz im Hintern besetzt, gibt es was schlimmeres? Ist ihnen klar was das heisst? Man kann praktisch den Strick nehmen.....
oranier 08.06.2014
4. schlechtes Wahlergebnis?
"Merkel soll dabei auch einen Vergleich zum schlechten Wahlergebnis der SPD nach ihrer ersten Großen Koalition gezogen haben." Was soll denn dieser Unsinn? Nach der ersten Großen Koalition hatte die SPD 1969 mit 42,7 % eins ihrer besten Wahlergebnisse überhaupt, relevant übertroffen nur 1972, nachdem sie vier Jahre den Kanzler gestellt hatte.
Fred Clever 08.06.2014
5. Recht so!
In der Politik geht es halt nicht nur um die Haltungsnoten, sondern auch um die Performance. Wenn man schon eine große Koalition und eine dermaßen schwache Opposition hat, dann sollte man diese komfortable Situation auch nutzen und seine Handlungsspielräume auch ausschöpfen.
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