Kritik an Schmähgedicht Merkel nennt Böhmermann-Verse "bewusst verletzend"

In die Affäre um das gelöschte Erdogan-Video des ZDF-Satirikers Böhmermann schaltet sich die Kanzlerin ein: In einem Telefonat mit dem türkischen Premier Davutoglu übt Angela Merkel deutliche Kritik an dem Beitrag.

Erdogan und Merkel
AFP

Erdogan und Merkel


Klare Ansage von Angela Merkel: Die Kanzlerin hat das im ZDF ausgestrahlte und dann wieder gestrichene Schmähgedicht des Satirikers Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als "bewusst verletzend" kritisiert. Das habe sie in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu am Sonntagabend deutlich gemacht, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin mit.

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Heft 14/2016
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Merkel sei wie Davutoglu der Ansicht, dass es sich um einen "bewusst verletztenden Text handelt". Merkel habe auf die Konsequenzen verwiesen, die der ausstrahlende Sender bereits gezogen habe. Außerdem habe sie den hohen Wert bekräftigt, den die Bundesregierung der Presse- und Meinungsfreiheit beimesse. Diese sei aber nicht schrankenlos.

Das ZDF hatte in der Nacht zu Samstag in der Wiederholungvon Böhmermanns Sendung "Neo Magazin Royale" einen Beitrag gestrichen, der am vorigen Donnerstag auf ZDFneo erstmals ausgestrahlt worden war. Böhmermann hatte das mit "Schmähkritik" überschriebene Gedicht dort vorgelesen und selbst darauf hingewiesen, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei. Die Verse enthalten Formulierungen, die deutlich unter die Gürtellinie zielen.

Video: Regierung übt Kritik an Böhmermann-Versen

Böhmermann nahm mit dem Text Bezug auf das NDR-Fernsehmagazin "Extra 3", das zuvor einen umstrittenen satirischen Beitrag über den türkischen Präsidenten ausgestrahlt hatte. Erdogan hatte wütend darauf reagiert, SPIEGEL ONLINE berichtete daraufhin über die Einbestellung des deutschen Botschafters in Ankara.

Im Video: Politiker kritisieren Erdogan-Reaktion auf "Extra 3"

Extra 3 /NDR

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als/dpa

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creme 04.04.2016
1. war also doch kein Aprilscherz
Ich wette, wenn Böhmermann selbst nix dazu gesagt hätte, dass es verboten ist, dann wäre sicher auch eine ganze Weile nix passiert, weil keiner, von den Eliten diese Sendung schaut. :)))))))))) Gut gemacht Böhmi, self-fulfilling prophecy Part 1 ging schon mal auf!
bluesbrother54 04.04.2016
2. Zu recht
denn der Beitrag ist wirklich unterstes Gossen-Niveau. Das Prekariat wird sich zwar auf die Schenkel geklopft haben, endlich kommen ihre Lieblingsworte auch im Fernsehen. Lachen muss ich immer, wenn es heisst, man muss diesen"Beitrag" im Kontext sehen. Was für ein Kontext denn? Da bastle ich mir einen Kontext und dann kann ich Witze über die Juden, über Auschwitz oder sonst wen machen? Warum distanzieren sich andere Künstler nicht von diesem ekligen Kollegen? Obwohl Böhmermann als Künstler zu bezeichnen, ist ja auch schon abwegig.
leserich 04.04.2016
3.
Böhmermann hat weder Niveau noch Klasse und das Machwerk bei extra-3 war in etwa vergleichbar mit Kalauern beim Provinzkarneval. Dennoch wäre es weise von Merkel gewesen, sich zu dem Thema gar nicht zu äußern. Aber was soll's, von der ist nichts Gutes mehr zu erwarten.
Windukeit 04.04.2016
4. Natürlich...
.... waren die Verse bewusst verletzend. Sie sollten ja gerade deutlich machen, was verletzend wäre.... Oh Mann!
Hammelinda 04.04.2016
5. *schmäh*
da wird ein deutscher spartensender-casper also zum politikum. gut gemacht. es zeigt sich die größe eines mannes eben daran, worüber er sich aufregt. in diesem fall erdogan. merkle muss sich auf seine seite schlagen, denn er droht ja damit, ansonsten die EU unter einer flüchtlingslawine untergehen zu lassen. nur in den USA wäre all das ohnehin unter "free speech" gefallen.
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