Gleichberechtigung in der CDU Merkel sieht Frauenförderung als Existenzfrage

Angela Merkel steht seit 18 Jahren an der Spitze der CDU - und sieht in ihrer Partei enormen Nachholbedarf beim Thema Frauenförderung. Es sei eine "Existenzfrage der Volkspartei", mehr Frauen als Mitglieder zu gewinnen.

Angela Merkel beim 70. Geburtstag der Frauenunion
REUTERS

Angela Merkel beim 70. Geburtstag der Frauenunion


CDU-Chefin Angela Merkel sorgt sich angesichts der männlichen Dominanz unter den Mitgliedern um die Zukunftsfähigkeit ihrer Partei. Auch die Männer müssten die Bedeutung des Themas begreifen, sagte Merkel anlässlich des 70. Geburtstages der Frauenunion. Nur 25 Prozent der CDU-Mitglieder seien Frauen, sagte die Kanzlerin. Damit "genügen wir nicht den Ansprüchen einer Volkspartei". Wenn man künftig Wahlergebnisse der Union von mehr als 40 Prozent wolle, müsse sich eine größere Repräsentanz in der Mitgliedschaft widerspiegeln. "Deshalb ist das nicht irgendeine Frage von Frauen, die gerne Karriere machen wollen, sondern es ist eine Existenzfrage der Volkspartei", sagte Merkel.

"Wenn die Bevölkerung in der Partei nicht repräsentiert ist, wird es natürlich immer schwieriger, die Wünsche einer Mehrheit der Bevölkerung auszudrücken, zu artikulieren und zu erkämpfen", sagte Merkel auch mit Verweis auf den Altersdurchschnitt der CDU-Mitglieder von über 60 Jahren.

Die CDU-Chefin sagte, sie habe bereits mit Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer über parteiinterne Änderungen gesprochen. Die Frauenquote reiche nicht. Merkel ist seit dem Jahr 2000 Vorsitzende der CDU.

Merkel kritisiert Kandidatenaufstellung

Die Vorsitzende der Frauenunion, Annette Widmann-Mauz, forderte, dass bei der Wahlrechtsänderung eine stärkere Berücksichtigung von Frauen festgeschrieben werden müsse. Dies hatte auch CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer gefordert.

Die gemeinsame Kritik gleicht einer Kampfansage der führenden CDU-Frauen an die männlichen Mitglieder. Alle drei Frauen kritisierten, dass der Anteil der Frauen in der Unions-Bundestagsfraktion trotz der Bemühungen um Gleichberechtigung gesunken sei. Dafür gebe es im 21. Jahrhundert keine Entschuldigung mehr, sagte Merkel. Der Rückgang des Frauenanteils in der CDU-Bundestagsfraktion in der laufenden Legislaturperiode von einem Viertel auf ein Fünftel sei keine "Erfolgsgeschichte".

Merkel im Kreise von CDU-Frauen
ARMANDO BABANI/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Merkel im Kreise von CDU-Frauen

Hintergrund ist, dass die meisten Ortsvereine im Bundestagswahlkampf 2017 Männer als Direktkandidaten in den Wahlkreisen aufgestellt hatten. Da die CDU fast alle Wahlkreise direkt gewann, zogen deshalb weniger Kandidaten über die mit einer Frauenquote versehenen Landeslisten der Partei ins Parlament ein. In der CDU gilt seit gut 20 Jahren ein Quorum, nach dem etwa bei Listenaufstellungen mindestens ein Drittel aller Positionen mit Frauen besetzt werden sollen. Da die CDU viele Direktmandate habe, könne dies über die Liste nicht mehr "repariert" werden, sagte Merkel.

Ärger über CDU im Südwesten

Merkel und Widmann-Mauz kritisierten zudem, dass die Quote in der CDU auch heute noch oft unterlaufen werde. Ein negatives Beispiel sei die CDU-Baden-Württemberg. Dort stehen bei der Aufstellung der Listen für die Europawahl vier Männer auf den Top-Positionen. Frauenunion-Chefin Widmann-Mauz bemängelte zudem eine männliche Dominanz im CDU-Landesverband Hamburg.

Bei der Debatte über eine Wahlreform hatten sowohl Widmann-Mauz als auch Kramp-Karrenbauer daran erinnert, dass Frankreich bereits ein sogenanntes Parité-Gesetz habe, das eine unzureichende Aufstellung von Kandidatinnen über die Wahlkampfkosten-Erstattung bestraft.

Die Frauen Union der CDU wurde am 1. Mai 1948 gegründet und hat derzeit 110.000 Mitglieder.

mmq/Reuters/dpa



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
fördeanwohner 05.05.2018
1. -
Man fragt sich schon, ob es für die CDU nicht sinnvoll wäre, eine 50% Quote anzustreben. Ganz ehrlich, die Argumentation, dass es ja nicht genügend qualifizierte Frauen gäbe, ist hier ja wohl vollkommen fehl am Platz. Beide Geschlechter sind gleich gut bzw. schlecht qualifiziert. Interessentinnen scheint es auch genügend zu geben. Vielleicht würden dann tatsächlich mehr Frauen dann CDU wählen?
Watschn 05.05.2018
2. Quoten sind entwicklungs-kontraproduktiv
Starke gute Frauen werden sich so oder so durchsetzen. Das können aber in der Politik von konservativen Parteien (wie die CSU, FDP u. AfD) nur Frauen bzw. Kandidaten (w/m) sein, welche auch die elementare Rechtsordnungen u. Rechtsgefüge eines Staates in ihrer wichtigen Form u. für die existentielle Komplexität des Funktionierens dessen...begreifen u. dies politisch tragen wollen...
soldev 05.05.2018
3. Ist doch vollkommen egal, ob man als Frau oder als Mann...
...von Altersarmut betroffen ist. Ob man seinen Rollator über Schlaglöcher quält oder sich den Arzt nicht mehr leisten kann. DAS sind Themen, die die Leute bewegen - wie hoch der Frauenanteil in der Unchristlichen DU ist, ist vollkommen wumpe.
hankmoody2 05.05.2018
4. Typischer Fall von...
Zitat von fördeanwohnerMan fragt sich schon, ob es für die CDU nicht sinnvoll wäre, eine 50% Quote anzustreben. Ganz ehrlich, die Argumentation, dass es ja nicht genügend qualifizierte Frauen gäbe, ist hier ja wohl vollkommen fehl am Platz. Beide Geschlechter sind gleich gut bzw. schlecht qualifiziert. Interessentinnen scheint es auch genügend zu geben. Vielleicht würden dann tatsächlich mehr Frauen dann CDU wählen?
... Problem nicht verstanden, aber Hauptsache, mal was gesagt. Wobei der Artikel natürlich auch absichtlich suggestiv formuliert ist. Fängt schon mit der Überschrift an: Hier geht's nicht um Gleichberechtigung, sondern um Gleichmacherei - äh, ich meine "Gleichstellung". Die CDU/CSU hatte bei der letzten Bundestagswahl bei den Frauen ein Wahlergebnis von 36%, bei den Männern waren es 30% (die Wahlbeteiligung bei Männern und Frauen war nahezu identisch). Ergo haben sogar bedeutend mehr Frauen als Männer die CDU gewählt. Das Problem sind also nicht die wenigen Wählerinnen, sondern die wenigen weiblichen Parteimitglieder. Und das dürfte kaum etwas mit Diskriminierung zu tun haben (welche besonderen Hürden ergeben sich bitte für eine Frau, in eine Partei einzutreten?), sondern schlicht und ergreifend mit dem - im Durchschnitt - geringeren politischen Interesse von Frauen zu begründen sein. Wenn sich nun in einer Partei 75% Männer aktiv engagieren und nur 25% Frauen, warum sollten dann die Spitzenposten im Verhältnis 50/50 vergeben werden? DAS wäre Diskriminierung!
teloudis 05.05.2018
5. Huch
nach 18 Jahren hat Madame die Frauen entdeckt, unglaublich, das glaube ich nicht. Ist das ein Werbegag für die CDU?
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