SPON-Umfrage AfD verliert nach angekündigtem Merkel-Rückzug

Angela Merkel zieht sich von der CDU-Spitze zurück - und die Union legt in der Wählergunst zu, wie eine SPIEGEL-ONLINE-Umfrage zeigt. Die AfD büßt dagegen deutlich ein.

Jörg Meuthen, Alexander Gauland, Roland Hartwig
DPA

Jörg Meuthen, Alexander Gauland, Roland Hartwig


Angela Merkel wird beim Parteitag im Dezember nicht erneut für das Amt der CDU-Chefin zur Verfügung stehen, nach 2021 will sie sich komplett aus der Politik zurückziehen. Das hat die Kanzlerin vergangenen Montag angekündigt - und damit offenbar Wähler wieder zurück zur Union geholt.

In einer repräsentativen Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL liegen CDU und CSU nun bei knapp 29 Prozent - ein Plus von etwa zwei Prozentpunkten im Vergleich zu Erhebungen vor der Erklärung Merkels.

Einen Verlierer des angekündigten Rückzugs gibt es demnach auch: die AfD. Die Partei droht mit dem Verzicht Merkels auf den CDU-Vorsitz eine Hauptkontrahentin zu verlieren - was sich offenbar schon in der Umfrage niederschlägt. Die AfD liegt jetzt nur noch bei 13 Prozent - ein Minus von drei Prozentpunkten.

Die SPD ist laut der Umfrage mit gut 15 Prozent nur noch drittstärkste Kraft. Die Grünen liegen mit etwa 19 Prozent deutlich vor den Sozialdemokraten, aber auch noch zehn Prozentpunkte hinter der Union. FDP und Linke liegen mit rund zehn beziehungsweise neun Prozent der potenziellen Wählerstimmen fast gleichauf.

Neben dem Merkel-Rückzug könnte auch die Diskussion über eine drohende Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz Wähler abschrecken. Am Freitag war ein internes Gutachten mit Handlungsempfehlungen für die AfD bekannt geworden. Darin hatte ein Gutachter der Partei geraten, auf Begriffe wie "Überfremdung" und "Umvolkung" zu verzichten, um einer geheimdienstlichen Beobachtung zu entgehen.

Der Zeitverlauf zeigt, dass sich die Umfragewerte für die Grünen stetig verbessern. Sie hatten zuletzt bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen deutlich zugelegt. Der Trend setzt sich offenbar auf Bundesebene fort. Weniger positiv verläuft die Kurve für die Sozialdemokraten, wobei diese - anders als die AfD - keinen großen Einbruch hinnehmen müssen.

Nach dem angekündigten Merkel-Rückzug bringen sich nun die Kandidaten für ihre Nachfolge an der CDU-Spitze in Stellung. Neben den Gegnern der Kanzlerin, Friedrich Merz und Jens Spahn, will auch ihre Vertraute Annegret Kramp-Karrenbauer im Dezember beim Parteitag in Hamburg antreten.

Junge Wähler ziehen die potenziellen Merkel-Erben bisher nicht an - im Vergleich zur Vorwoche legte die Union vor allem in den Altersgruppen 50 bis 64 und älter zu. Diese Werte lagen zuvor bei 25 Prozent (50 bis 64 Jahre) beziehungsweise gut 35 Prozent (65 und älter). Die AfD verliert Wähler in allen Altersgruppen, am deutlichsten aber bei den 18- bis 29-Jährigen (minus 4 Prozentpunkte).

Anmerkungen zur Methodik: Die SPON-Umfrage wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 29. Oktober bis 5. November 2018 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 10005 Befragte, der statistische Fehler liegt bei 2,5 Prozent.



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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tempus fugit 05.11.2018
1. Wer ausser....
"Merkel weg und Ausländer raus!" Gegröle nichts zu bieten hat, der hat so schnell wieder fertig wie der braune Geist eine kurze Auferstehung erlebte... Inzwischen weiss (oder kann wissen...) in DE wer diese Geistesbrüder sind und mancher wird verschämt an seine 'Trauermärsche' denken...
ernstmoritzarndt 05.11.2018
2. War vorhersehbar!
Wir wissen aus den Analysen der Wählerwanderung, daß ein sehr großer, vielleicht überwiegender, Teil der AfD - Wähler reine Protestwähler von SPD und CDU/CSU sind. Es mag zwar dämlich sein, dann gerade die AfD und nicht eine ernsthaft demokratische Partei zu wählen (FDP, Grüne vielleicht), aber es wird deutlich, daß das Einverständnis innerhalb der Stammwähler mit dem jeweiligen Führungspersonal der Parteien drastisch gesunken ist. Wie sieht es wohl aus, wenn jetzt noch Herr Merz gewählt wird!?
saprebupad 05.11.2018
3.
Zitat von ernstmoritzarndtWir wissen aus den Analysen der Wählerwanderung, daß ein sehr großer, vielleicht überwiegender, Teil der AfD - Wähler reine Protestwähler von SPD und CDU/CSU sind. Es mag zwar dämlich sein, dann gerade die AfD und nicht eine ernsthaft demokratische Partei zu wählen (FDP, Grüne vielleicht), aber es wird deutlich, daß das Einverständnis innerhalb der Stammwähler mit dem jeweiligen Führungspersonal der Parteien drastisch gesunken ist. Wie sieht es wohl aus, wenn jetzt noch Herr Merz gewählt wird!?
Dies. Die Leute die wie der erste Poster immer nur was von Nazis wählen, wundern sich auch heute noch wo die AfD herkommt. Die ist aber genauso schnell verschwunden wie sie her kam, wenn man endlich die von ihr angesprochenen Probleme behandelt.
butch82 05.11.2018
4. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben,
aber dass dieser Partei irgendwann die Luft mal ausgeht war wohl vorauszusehen. Nur aus der Finanzkrise entsprungen, als es darüber ruhiger wurde wieder bei 5 %. Nur die Flüchtlingsdebatte hat diese Partei am Leben gehalten, sonst würde die Afd heute in einem Atemzug mit den Piraten genannt werden. Gauland, Weidel und Co. hätten doch eigentlich an der Grenze stehen müssen und jedem Flüchtlinge persönlich die Hand geben und sich bedanken müssen.
tempus fugit 05.11.2018
5. Wenn Merz aus Merkel (und der Union...) lernt,....
Zitat von ernstmoritzarndtWir wissen aus den Analysen der Wählerwanderung, daß ein sehr großer, vielleicht überwiegender, Teil der AfD - Wähler reine Protestwähler von SPD und CDU/CSU sind. Es mag zwar dämlich sein, dann gerade die AfD und nicht eine ernsthaft demokratische Partei zu wählen (FDP, Grüne vielleicht), aber es wird deutlich, daß das Einverständnis innerhalb der Stammwähler mit dem jeweiligen Führungspersonal der Parteien drastisch gesunken ist. Wie sieht es wohl aus, wenn jetzt noch Herr Merz gewählt wird!?
....dass Stillstand und Rückwärtgewandtheit der falsche Weg ist, dann kann das vielleicht auch gelingen, vor allem, wenn "DES VOLKES WOHL" Priorität hat und dies glaubhaft und vertrauenswür-dig rüber kommt. Mal gespannt, ob die SPD die Kraft einer Erneuerung aufbringt und ob die Grünen als Korrektiv die Aufgabe meistern. Die Hoffnung stirbt zuletzt!
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