Besuch in Seniorenheim Merkel macht sich für bessere Löhne in der Pflege stark

Beim Besuch einer Pflegeeinrichtung hat sich Angela Merkel ein Bild von den Arbeitsbedingungen der Beschäftigten gemacht. Die Kanzlerin versprach: "Der Beruf muss attraktiver werden."

Angela Merkel und Pfleger Ferdi Cebi
DPA

Angela Merkel und Pfleger Ferdi Cebi


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für eine umfassende Aufwertung der Pflegeberufe ausgesprochen. Dazu plädierte sie auch für eine flächendeckend gute Bezahlung.

Die Ausbildung müsse verbessert und den Pflegekräften eine "vernünftige Vergütung" gezahlt werden, sagte Merkel beim Besuch eines Altenheims in Paderborn. "Der Beruf muss attraktiver werden", fügte die Kanzlerin vor Bewohnern des evangelischen Altenheims St. Johannisstift hinzu.

"Es gibt ganz unterschiedlich getragene Einrichtungen und für alle gilt: Die Menschen, die dort arbeiten, müssen gut bezahlt werden, damit die Menschen, die dort leben, auch gute Pflege bekommen", sagte Merkel.

Merkel verweist auf "Konzertierte Aktion Pflege"

Ob in der Pflege Tariflöhne gezahlt werden oder nicht, hängt oft davon ab, wer die Einrichtung betreibt. "Wenn jemand jeden Tag mit Menschen arbeitet, warum sollte derjenige oder diejenige dann nicht genauso gut verdienen oder etwas mehr wie jemand, der in einer Bank arbeitet oder an einer Maschine arbeitet", sagte Merkel.

Merkel verwies in der Senioreneinrichtung auf das Vorhaben der Bundesregierung, in den kommenden zwölf Monaten ein Maßnahmenpaket zur Beseitigung des Pflegenotstands auf den Weg zu bringen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Familienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) hatten zu diesem Zweck Anfang Juli die "Konzertierte Aktion Pflege" gestartet.

Wahlkampfzusage eingelöst

Angesichts des Personalmangels soll insbesondere der Beruf des Altenpflegers attraktiver werden. Schon jetzt sind in der Alten- und Krankenpflege deutschlandweit mehr als 25.000 Fachkraftstellen nicht besetzt. Zudem fehlen rund 10.000 Hilfskräfte.

Mit dem Besuch im evangelischen Altenheim St. Johannisstift löste die CDU-Vorsitzende eine Wahlkampfzusage ein. In der ZDF-Wahlsendung "Klartext, Frau Merkel" hatte der in dem Heim tätige Altenpfleger Ferdi Cebi die Arbeitsbedingungen in der Pflege kritisiert und die Kanzlerin eingeladen, sich persönlich ein Bild zu machen.

"Ich bin gekommen, um Dank zu sagen und zu lernen, was Sie bewegt", sagte die Regierungschefin bei einem Treffen mit Bewohnern der Senioreneinrichtung und Pflegekräften. In der Einrichtung werden 110 Bewohner von 95 Mitarbeitern betreut.

Bundesgesundheitsminister Spahn mahnte ebenfalls höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche an. Gehälter bis zu 3000 Euro im Monat und damit deutlich mehr als derzeit "sollten möglich sein", sagte Spahn im ZDF-"Morgenmagazin". "Anerkennung drückt sich nicht nur in Worten aus. Es geht auch ums Geld."

brt/dpa/AFP

insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
derhey 16.07.2018
1. Der Beruf
muß attraktiver werden! Heißt das nicht schon seit x Jahren, Frau Kanzlerin auch von Ihnen und was ist passiert? NIX.
eckawol 16.07.2018
2. Der Wert der Befolgung der Einladung
zum Besuch der Pflegeeinrichtung in Paderborn hat Frau Merkel durch die begleitende "Polit-Show mit vielen Verantwortlichen" entwertet. Die Verkündung von Verbesserungen in der Pflege, lange schon proklamiert und nichts nachhaltig passiert, wird nicht durch in Aussichtstellen von besserer Bezahlung, wenn bekannt ist, dass es an geeignete Menschen für Pflegeberufe mangelt. Ausserdem kann garnicht vermieden werden, dass der vorbereitete Besuch von den Betreibern des Stifts so gestaltet wird, dass keine Mängel sichtbar werden. Wahlversprechen also erfüllt, Ergebnis voraussichtlich Null.
marthaimschnee 16.07.2018
3. schon komisch
Wenn die Linken Mißstände thematisieren und Forderungen stellen, dann wird ohne auf das Thema einzugehen sofort de Frage nach der Finanzierung gestellt, womit in der Regel das Thema beendet ist. Merkel und Spahn dürfen hier die abstrusesten Dinge fordern, danach wo das Geld herkommen soll, scheint genausowenig zu interessieren wie die Frage, warum denn das Geld plötzlich fehlt. Herkommen kann das Geld nämlich nur aus Steuern oder den Sozialsystemen. Und da man in der großen Wohlstandskoalition weiterhin keinen Bedarf sieht, die Vermögenden stärker am Allgemeinwohl zu beteiligen, heißt das: Beitragserhöhungen! 43 Millionen svp-Beschäftigte werden überaus dankbar sein, schon wieder weniger Netto vom Brutto zu haben. Und warum das Geld fehlt ist auch ziemlich leicht erklärt: wären die Löhne den Aktienkursen gefolgt, würden die Sozialsysteme im Geld schwimmen. Sind sie nicht, die Pfründe wurden an Besitzer, Vermögende und Investoren verteilt. Denen in die Taschen zu greifen ist die Lösung. Alles andere ist Wahlkampf für die AfD!
steveleader 16.07.2018
4. Herrje die Menschen wollen
einfach nicht mal Anerkennung zollen, dass die Kanzlerin Wort hält. Sie hat mit Ihrem Besuch, einfach nur anerkannt, dass es besser werden muss. Jetzt bin ich erstmal optimistisch das es besser wird. Meckern kann ich immer noch.
spon-48b-9edr 16.07.2018
5. 3000
3000 Euro, bei Wechselschichten und Schichten an den Wochenenden. Viel ist dies eigentlich nicht für einen sehr beschwerlichen Beruf. Immer wieder einspringen müssen wenn andere Krank sind. Pflegeplanungen schreiben und dokumentieren der kleinsten Angelegenheiten. Keine Zeit ist dann mehr für die Bewohner da. Urin und Verdauung weg machen, Sterbende Menschen sehen sie nach ihrem Tod waschen und herrichten für die Angehörigen. Zu wissen das man den Bewohnern nicht die Zeit geben kann die sie brauchen. Den Lifter nicht benutzen weil der Einsatz Zeit raubt und man sich lieber den Rücken schädigt. 3000 Euro Brutto und dann kommt noch die Progression. Was bleibt an Bezahlung und an Menschlichkeit in der Pflege. Zu mir, ich bin selber Altenpfleger.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.