CDU-Vorsitz Das sind die potenziellen Merkel-Nachfolger

Angela Merkel tritt als CDU-Chefin ab - in der Partei werden schon Ansprüche auf die Nachfolge angemeldet. Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz, Jens Spahn - wer hat die besten Aussichten?

Jens Spahn
Getty Images

Jens Spahn


Beim Parteitag Anfang Dezember will Angela Merkel nach 18 Jahren nicht mehr für den CDU-Vorsitz kandidieren. Damit zieht die Kanzlerin einen Tag nach der Landtagswahl in Hessen Konsequenzen - Kanzlerin will sie bis 2021 aber bleiben. Doch wer könnte ihr als Parteichefin folgen?

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Gesundheitsminister Jens Spahn haben nach SPIEGEL-Informationen bereits in den Parteigremien ihre Kandidatur angekündigt. Doch auch andere CDU-Politiker gelten als mögliche Parteivorsitzende. Ein Überblick über die potenziellen Merkel-Nachfolger:

Annegret Kramp-Karrenbauer

Kramp-Karrenbauer, Merkel
Getty Images

Kramp-Karrenbauer, Merkel

Unter allen Nachfolgekandidaten ist Kramp-Karrenbauer Merkel wohl am nächsten: Die 56-Jährige ist seit Februar CDU-Generalsekretärin - gewählt mit fast 99 Prozent der Stimmen. Die Rechts- und Politikwissenschaftlerin machte zunächst in ihrer Heimat, dem Saarland, Karriere. Dort war sie seit dem Jahr 2000 die erste Innenministerin Deutschlands. Später übernahm sie zunächst das Familien- und dann das Arbeitsministerium. 2011 wurde Kramp-Karrenbauer Ministerpräsidentin einer Jamaika-Koalition - die allerdings bald zerbrach.

Nach den vorgezogenen Neuwahlen vereinbarte Kramp-Karrenbauer eine Koalition mit der SPD und regierte vergleichsweise geräuschlos. Im Mai 2017 wurde sie wiedergewählt. Immer wieder wurde Kramp-Karrenbauer aber auch für einen Sprung in die Bundespolitik gehandelt - der dann Anfang dieses Jahres tatsächlich erfolgte. Nach SPIEGEL-Informationen verkündete sie am Montag noch in der laufenden Sitzung ihre Kandidatur für den Parteivorsitz.

Armin Laschet

Laschet
DPA

Laschet

Auch der NRW-Ministerpräsident gilt als Merkel-Vertrauter. 2005 wurde er in Nordrhein-Westfalen Deutschlands erster deutscher Integrationsminister und machte mit vergleichsweise liberalen Aussagen zur Ausländerpolitik auf sich aufmerksam.

Nach der krachenden Niederlage der CDU bei der vorgezogenen NRW-Wahl im Frühjahr 2012 übernahm Laschet schließlich den Landesvorsitz. Seit dem vergangenen Sommer führt er als Ministerpräsident eine schwarz-gelbe Koalition. Bislang hat er keine Ambitionen für den CDU-Vorsitz bekundet. Als NRW-Ministerpräsident gilt er aber fast schon automatisch als einer der potenziellen Anwärter.

Friedrich Merz

Merz
DPA

Merz

Kandidiert er? Zumindest die "Bild"-Zeitung spekuliert darauf. Mit Merz würde ein langjähriger Rivale Merkels ihre Nachfolge antreten. Beide erlangten im Jahr 2000 Bekanntheit, als Wolfgang Schäuble nach der CDU-Spendenaffäre seine Ämter abgeben musste. Merkel übernahm den Parteivorsitz , Merz den der Bundestagsfraktion. Lange Zeit galt er als wirtschaftsliberales Aushängeschild der Union - berühmt wurde seine Idee einer Steuererklärung, die auf den Bierdeckel passt. In der Leitkulturdebatte zeigte er sich betont konservativ.

2002 verdrängte Angela Merkel ihn jedoch vom Fraktionsvorsitz. In den Jahren darauf zog sich Merz zurück und wechselte in die Privatwirtschaft. 2014 berief ihn die CDU in die Parteikommission für Zusammenhalt, sein erstes Parteiamt seit Jahren. Der 62-Jährige ist Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens Köln/Bonn und Mitglied einer internationalen Anwaltskanzlei in Düsseldorf. Ob er selbst wirklich kandidieren möchte, ist bislang offen.

Jens Spahn

Merkel, Spahn
Getty Images

Merkel, Spahn

Auch der Bundesgesundheitsminister gilt als Merkel-Kontrahent. Der 38-jährige Münsterländer ist Hoffnungsträger für viele, die sich eine Verjüngung der CDU wünschen und gleichzeitig auf konservative Positionen setzen. Spahn, der immer wieder mit markigen Sprüchen auffiel, hat in seiner Partei einen rasanten Aufstieg hingelegt. 2002 wurde er als damals jüngster Abgeordneter erstmals direkt in den Bundestag gewählt.

Neben der Gesundheitspolitik hat Spahn auch Erfahrungen in der Finanzpolitik. Schäuble, der selbst lange Zeit als Merkel-Kontrahent galt, machte ihn zeitweise zu seinem Staatssekretär. Ende 2014 gelang Spahn per Kampfkandidatur der Einzug ins CDU-Präsidium. Am Montag erklärte er seine Kandidatur für die Merkel-Nachfolge.

Kanzlerin Merkel mit den CDU-Ministern und Staatssekretären der Bundesregierung
DPA

Kanzlerin Merkel mit den CDU-Ministern und Staatssekretären der Bundesregierung

Daniel Günther

Günther
DPA

Günther

Der 45-Jährige führt seit Juni 2017 eine Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein. Sein Start in den Wahlkampf hatte einen solchen Ausgang nicht vermuten lassen: Erst ein knappes halbes Jahr vor der Landtagswahl wurde er zum CDU-Vorsitzenden in Schleswig-Holstein gewählt, nachdem der bisherige Anwärter angesichts schlechter Umfragewerte plötzlich seinen Rückzug erklärt hatte.

Gesellschaftspolitisch steht Günther für liberale Positionen. In der Innenpolitik setzt aber auch er eher auf einen harten Kurs. Seine Kandidatur für den Parteivorsitz wäre eine Überraschung.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

jpe/dpa/AFP



insgesamt 87 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
khwherrsching 29.10.2018
1. CDU-Vorsitz
Friedrich Merz wäre meine erste Wahl!
willibaldus 29.10.2018
2.
Da Frau Merkel Parteivorsitz und Kanzlerschaft als Einheit sieht, wird sie wohl auch nicht zur nächsten Wahl des Bundeskanzlers kandidieren. Schön, wenn man es frühzeitig weiss.
TardisRocks 29.10.2018
3. Friedrich Merz ist von den genannten...
... der einzig wirklich vernünftige. Er wird es also nicht machen. Mit Jens Spahn an der Spitze bewegt sich die CDU dann immerhin auf Augenhöhe mit Frau Nahles und der SPD. Wieso gibt es keine guten Politiker mehr?
tucson58 29.10.2018
4. Merkels Politischesn Ende angekündigt
Nun dürfte ja eine Jubel durch die Republik gehen, Angela Merkel gibt ihre politische Ämter auf und steht bei der nächsten BTW nicht mehr zur Wahl als Kanzlerin , sie erfüllt noch ihre Amtszeit und dann war es das ! Nun bin ich gespannt was nun kommt , und ob wir einen Kanzler oder Kanzlerin bekommen die Deutschland aus der" Tiefe der Armut und Arbeitslosigkeit" zurück an das Licht des Wohlstandes führt und die Jammerer und Unzufriedenen könne sich freuen Aber am meisten bin ich auf die ewigen "Merkel muss weg" Rufer aus den anderen Parteien gespannt , denn jetzt geht sie definitiv und jetzt müssen diese Rufer Farbe bekennen und Kanzlerkandidaten zur nächsten BTW aufbieten ! Da wird der Wahlkampf nicht mehr gegen Merkel gemacht !
quark2@mailinator.com 29.10.2018
5.
Solange es keine 3-buchstabige Abkürzung a la AKK oder vdL wird ... Seilschaften sind nicht besser, wenn sie weiblich sind und insofern finde ich es schon fast pervers, daß sich eine Frauenunion da hinter AKK stellt. Das ist offene Unterstützung auf Basis des Geschlechts - genau das, was es eben nicht geben soll. Wir haben im Moment mehr Frauen an der Spitze bedeutender Parteien als Männer. Also wenn man schon über die Schiene eine Auswahl treffen wollte, dann sicher nicht, indem man das Ungleichgewicht zementiert. Allerdings wäre es mir viel lieber, man würde die Person und ihre politischen Positionen in den Vordergrund stellen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.