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Begegnung in Schule: Weinendes Flüchtlingsmädchen bringt Merkel durcheinander

Bundesregierung.de

Ein Mädchen aus dem Libanon erzählt der Kanzlerin von ihrer Angst, abgeschoben zu werden - und Angela Merkel dämpft Hoffnungen, dass es in Deutschland bleiben kann. Ein Video der Begegnung löst heftige Reaktionen aus.

Ein ungewöhnlicher Moment während eines Auftritts der Kanzlerin löst gerade eine neue Debatte über die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung aus. Bei einem Gespräch mit Schülern und Schülerinnen in Rostock erklärte Angela Merkel einem geflüchteten Mädchen aus dem Libanon die Gründe, warum es womöglich nicht in Deutschland bleibe könne. Das Mädchen fängt daraufhin vor laufenden Kameras an zu weinen. Die Kanzlerin tröstet sie, ist von der Situation merklich überrascht.

Unter dem Titel "Angela Merkel konfrontiert mit weinendem Flüchtlingsmädchen" geht das Video, als Ausschnitt eines Magazinbeitrags im NDR-Fernsehen, seit Mittwochmorgen viral. Zu sehen ist das vollständige Material auf der Seite der Bundesregierung, denn Merkels Auftritt am Dienstag war Teil ihres sogenannten Bürgerdialogs "Gut Leben". Eine Zusammenfassung der Szene zwischen Merkel und dem Mädchen sehen Sie in diesem Video (1.30 Minuten).

Die Kanzlerin wird von der Begegnung merklich durcheinander gebracht. Sie trifft auf ein palästinensisches Mädchen, das vor vier Jahren aus dem Libanon flüchtete, nun in Rostock lebt - und Angst hat, wieder zurückgehen zu müssen. Es ist keine Situation, in der man nach politischem Drehbuch reagieren kann.

Die Szene hat in sozialen Netzwerken wie Twitter eine Flut an Reaktionen provoziert. "Die ganze Grausamkeit der Flüchtlingspolitik in einem Clip", kommentiert ein Journalist. Kühl und wenig einfühlsam finden manche die Kanzlerin. Andere schreiben, dass Merkel im Grunde richtig reagiert habe - weil sie die Sachlage realistisch dargestellt habe.

Eine ausführliche Fassung der Begegnung zwischen Merkel und dem Flüchtlingsmädchen sehen Sie hier:

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Merkel und das Mädchen sprachen insgesamt mehr als zehn Minuten miteinander. Über gute und schlechte Erfahrungen bei der Integration, darüber, dass die Schülerin, die fließend Deutsch spricht, ihre Familie vermisst. Ihr Vater habe früher als Schweißer gearbeitet, hier könne er wegen einer fehlenden Aufenthaltsgenehmigung keinen Job beginnen. Merkel fragt mehrfach nach, verspricht, dass die Bundesregierung Asylverfahren beschleunigen werde und erklärt Hintergründe zur Flüchtlingspolitik.

Man hat den Eindruck, dass das Mädchen sein Anliegen schon lange loswerden wollte. "Ich habe ja auch Ziele wie jeder andere. Es ist sehr schwer, dabei zuzusehen, wie andere das Leben genießen können. Und man das selber halt nicht mitgenießen kann."

Merkel sucht nach Worten. "Das ist manchmal auch hart, Politik", setzt sie an. "Und dann bist du ja ein unheimlich sympathischer Mensch. Aber du weißt auch, in den palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon gibt es noch Tausende und Tausende. Wenn wir jetzt sagen, ihr könnt alle kommen…das können wir auch nicht schaffen…es werden manche auch wieder zurückgehen müssen." Nach ein paar Minuten fängt das Mädchen an zu weinen. Merkel geht zu ihr, streichelt es und versucht, das Mädchen zu trösten.

amz

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