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Merkel über Kohl: "Dieser Kanzler war ein Segen"

Merkel und Kohl 2011: Zurück zu professionellem Umgang Zur Großansicht
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Merkel und Kohl 2011: Zurück zu professionellem Umgang

Ihr Verhältnis gilt als angespannt, doch zu Helmut Kohls 85. Geburtstag gibt es warme Worte: Angela Merkel würdigt ihren Vorvorgänger fast schon überschwänglich.

Am Freitag feiert Helmut Kohl seinen 85. Geburtstag - Kanzlerin Angela Merkel schickt ihre Glückwunsche schon vorab. Sie würdigt die Verdienste des langjährigen CDU-Vorsitzenden und Altkanzlers, lobt sein Engagement für die deutsche Einheit in der "Bild"-Zeitung:

"Gelungen ist ihm das, weil er wie kein Zweiter über Jahre hinweg Vertrauen aufgebaut hatte, von Washington über Paris, London und Brüssel bis nach Moskau. Dieser Kanzler des Vertrauens war für uns Deutsche ein Segen."

"Wie beglückend muss es für Helmut Kohl sein, unser Land heute vereint als respektierten Teil der Gemeinschaft von 28 europäischen Demokratien zu erleben."

Merkel beendet ihre Glückwünsche mit dem Satz:

"Ich wünsche Helmut Kohl, dass er mit Zufriedenheit auf seine große politische Lebensleistung zurückblickt. Deutschland hat ihm viel zu verdanken."

Kohls Verhältnis zu Merkel ist belastet. Lange galt sie als "Kohls Mädchen" - bis es zum großen Krach kam. 1990 hatte er die Abgeordnete aus dem Osten überraschend zur Ministerin für Frauen und Jugend gemacht, vier Jahre später zur Umweltministerin. Im Dezember 1999 kam es zum großen Streit: Der ehemalige Kanzler Kohl weigerte sich, die Namen der Geldgeber illegaler Parteispenden offenzulegen.

CDU-Generalsekretärin Merkel griff Kohl in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an, dabei war sie dem Ehrenvorsitzenden eigentlich zur Loyalität verpflichtet. Sie schrieb, die CDU müsse "laufen lernen", auch ohne Kohl. "Ein solcher Prozess geht nicht ohne Wunden, ohne Verletzungen."

Eine herbe Verletzung für Kohl, die er ihr lange nicht verzieh. Kurz darauf legte Kohl auf Druck der CDU den Ehrenvorsitz in der Partei nieder. Wie sehr er verletzt war, zeigen Tonbandaufnahmen, die der Journalist Heribert Schwan 2001 und 2002 mit Kohl machte. Da teilte Kohl auch gegen Merkel aus, die da schon CDU-Chefin war: "Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen."

Mittlerweile üben sich beide im professionellen Umgang.

heb

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insgesamt 254 Beiträge
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1. Besondere Bedeutung
Mertrager 02.04.2015
... hat das Verhältnis KohlMerkel, wenn man weiss, wie Kohl die Partei auf Frauenkurs gebracht hat. Das Ergebnis kann man heute sehen. Der durch die Brachialkur verursachte Substanzverlust wird dieser Partei noch lange nachhängen.
2. Professioneller Umgang ...
scooby11568 02.04.2015
ist ein Euphemismus für überschwängliche und unverdiente Lobhudelei. Nach der Weigerung, die Parteispenden zu nennen, wäre Beugehaft professioneller Umgang gewesen.
3. Hört bitte auf mit der Verdrehung von Tatsachen
dschmi87 02.04.2015
Herrn Kohl ist die Wiederverinigung in den Schoß gefallen! Wäre Brandt, Schmidt oder Kiesinger an der Machr gewesen und zugleich so einer wie Gorbatschow hätte jeder von den anderen Kanzlern genauso gehandelt wahrscheinlich sogar noch ein bisschen besser in Sachen kosten... Helmut Kohl war Fiskalpoltisch eine Katastrophe, sozialpolitisch ebenso... 16 jahre Kohl sorgten dafür das Hartz4 eingeführt werden musste... Schröder hat nur einen desasteösen Laden übernommen (er hat auch sehr viel Mist gemacht, von Holzmann bis Riester) aber Hartz4 ist nur eine Folge aus 16 Jahren Kohlschr Stagnation und Schulden... Allein die die Jahre von 1982 - 1990... Was hat der Mann gelogen... Und dann zur Wiederverinigung nochmal... Und er wurde dennoch gewählt! Gott sei Dank gehen Historiker mit der Ära Kohl sehr kritisch um... Den der Mann hinterließ nur Baustellen...
4.
Lebonk 02.04.2015
Diesen Mann zu loben kann nur durch eine rosarote Parteibrille geschehen. Er war mittelmäßig und hat mit der deutschen Einheit historisch Glück gehabt. Wenn ein Kanzler dann noch sein persönliches Ehrenwort über den Amtseid stellt, den er vor dem deutschen Volk geleistet hat, ist Schluss mit jedem Versuch einer positiven Beurteilung. Zu Recht ist er fast völlig in Vergessenheit geraten.
5. Kohl als Kanzler kein Segen
tsaag 02.04.2015
Herr Kohl hat als Kanzler ziemlich wenig für Deutschland getan, für andere Europastaaten sehr viel, er hat sie mit dem Scheckbuch gekauft. Die Schecks waren jedoch alle mit den Steuern der deutschen Steuerzahler gesichert. Die Wende hat er fast verschlafen, dafür hat er jedenfalls nicht getan. Mit seiner Europaduselei hat er den Weg für Griechenland in den Euro vorbereitet, Griechenland musste aus seiner Sicht unbedingt dabei sein. All das als Segen zu bezeichnen kann nur die Mutti im Hosenanzug. Sie hat diesen Weg genauso wieder aufgenommen, Probleme werden versucht so lange wie möglich auszusitzen, wenn's schiefgeht wird mit Milliarden der deutschen Steuerzahler gewedelt und gut ist's. Mit diesem Maßstab gemessen, kann man die Regierungszeit von Herrn Kohl natürlich als Segen empfinden.
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