Merkel und Macron "Den Zauber weggelegt"

Frankreichs Präsident Macron ist in Berlin, um mit Kanzlerin Merkel über die geplanten EU-Reformen zu sprechen. Beide Politiker betonen den Willen zur Zusammenarbeit, machen aber auch Differenzen deutlich.

Angela Merkel und Emmanuel Macron
AFP

Angela Merkel und Emmanuel Macron


"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne": Mit diesem Zitat von Hermann Hesse begrüßte Bundeskanzlerin Angela Merkel Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei dessen Antrittsbesuch in Berlin im vergangenen Jahr. Nun haben sich die beiden Politiker wieder in der deutschen Hauptstadt getroffen - und die CDU-Politikerin sagte mit Blick auf die Verzögerung durch die lange Regierungsbildung in Berlin: "Ich wusste nicht ganz genau, dass die Bildung einer Regierung so lange dauert. Deshalb haben wir den Zauber ein bisschen konserviert und ein paar Monate weggelegt. Aber jetzt kommt er wieder."

Merkel bekräftigte, trotz unterschiedlicher Positionen in einigen Punkten zusammen mit Macron bis Mitte des Jahres einen Kompromiss für die geplanten EU-Reformen zu erarbeiten. "Wir brauchen eine offene Debatte und am Schluss die Fähigkeit zum Kompromiss", sagte sie. Es gelte, zentrale Antworten für die Bürger Europas auf die weltweiten Herausforderungen zu geben. Im Mittelpunkt des Treffens stehen die EU-Reformpläne Macrons. (Hier lesen Sie mehr zu den Hintergründen.)

Merkel mahnte, Europa könne seine Interessen nur gemeinsam durchsetzen. Als Themen, die bei den Reformen angegangen werden sollen, nannte sie:

  • die europäische Asylpolitik,
  • eine gemeinsame Außenpolitik,
  • eine Weiterentwicklung der Wirtschafts- und Währungsunion oder eine Bankenunion.

Gerade in den letzten Punkten liegen die Vorstellungen von Paris und Berlin vor allem bei der Umsetzung aber noch weit auseinander.

Neben der EU-Reform dürften auch die Lage in Syrien und der Umgang mit den USA und Russland eine wesentliche Rolle bei dem Gespräch von Merkel und Macron spielen. Kommende Woche sind beide zu Gast bei US-Präsident Donald Trump in Washington.

"Moment des europäischen Abenteuers"

Vor den politischen Gesprächen am Nachmittag im Kanzleramt empfing Merkel Macron auf der Baustelle des Humboldt Forums im Berliner Stadtschloss. Dort soll nach der für 2019 geplanten Eröffnung in einem internationalen Ideenaustausch nach neuen Erkenntnissen bei Themen wie Migration und Globalisierung gesucht werden.

Europa steht aus Sicht von Macron an einer Wegscheide. "Wir leben in einem Moment des europäischen Abenteuers, das wirklich einzigartig ist", sagte er. Die gemeinsame Souveränität Europas werde von der Weltordnung getestet und auf den Prüfstand gestellt.

Macron nannte Handelsherausforderungen sowie große technologische und klimatische Umbrüche. "Auch innerhalb unserer Staaten entstehen Zweifel und entstehen stark nationalistische Visionen." Der Moment sei absolut entscheidend für die Zukunft Europas.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes wurde Angela Merkel zitiert mit den Worten, man habe den "Zauber vertagt". Tatsächlich sagte die Kanzlerin, man habe den "Zauber weggelegt". Wir haben die Textpassage entsprechend korrigiert und sie ergänzt.

dop/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.