Nachfolge in der CDU Merkels Plan geht nur mit AKK auf

Angela Merkel gibt den CDU-Vorsitz ab. Drei Bewerber haben sich erklärt: Kramp-Karrenbauer, Spahn, Merz. Ein vierter könnte folgen. Unsortierter war die Partei selten, selbst eine Mitgliederbefragung wird diskutiert.

CDU-Plakate (Archivbild)
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Gewissheit gibt es an diesem Dienstag nur für die CDU-Chefin selbst: nämlich darüber, dass sie nach dem Parteitag Anfang Dezember nicht mehr Vorsitzende sein wird. Den Verzicht auf eine erneute Kandidatur hat Angela Merkel zu Wochenbeginn und zur allgemeinen Überraschung angekündigt - und ihre Partei damit kalt erwischt.

So durcheinander hat man die Christdemokraten lange nicht erlebt.

Denn wie es nach Merkel an der Parteispitze weitergeht, ist völlig offen - für die Zukunft der CDU und zunächst wohl auch der Bundesregierung ist das allerdings die entscheidende Frage.

Natürlich, das Mantra der Stunde lautet: Was für große Chancen sich durch den Wechsel an der Parteispitze ergäben, eine neue Dynamik, fehlt nur noch das Wort Aufbruch.

Aber nach 18 Jahren Merkel müssen sich die Christdemokraten jetzt erstmal an den Gedanken gewöhnen, dass da wirklich bald jemand anderes die Partei führen wird - und dass es nach Lage der Dinge vor allem eine Auswahl für die Nachfolge geben wird.

Neben drei ziemlich aussichtslosen Bewerbern aus der Mitte der Partei sind das

  • Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer,
  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
  • und seit Dienstagmittag auch der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz.
  • Dazu könnte noch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet kommen, der im Moment viele Gespräche führt und offenbar seine Rolle eher als Vermittler sieht.

Die Vorsitzendenwahl hängt immer noch an Merkel

Und die Sache wird noch komplizierter, weil die Wahl zum CDU-Vorsitz nicht im politisch luftleeren Raum stattfindet, sondern in gewisser Weise immer noch an Merkel hängt. Was die Noch-Parteichefin in den Gremien am Montagvormittag und anschließend der Öffentlichkeit außerdem mitteilte, war ja: Sie wolle auch ohne CDU-Vorsitz als Kanzlerin weitermachen. In ihren eigenen Worten klang das so: "Für den Rest der Legislaturperiode bin ich bereit, weiter als Bundeskanzlerin zu arbeiten."

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Angela Merkel: 18 Jahre CDU-Chefin - ein Rückblick

Und auch wenn Merkel betonte, sie sei "ein Mensch, der mit ziemlich vielen Menschen sehr, sehr gut zusammenarbeiten kann. Dafür bin ich auch bekannt": Dass Angela Merkel als Kanzlerin mit einem CDU-Vorsitzenden Jens Spahn dauerhaft zusammenarbeitet, der gleichzeitig als Gesundheitsminister in ihrem Kabinett sitzt, ist angesichts des komplizierten Verhältnisses der beiden schwer vorstellbar. Erst recht gilt das für die politische Koexistenz mit einem möglichen CDU-Vorsitzenden Merz, der 2002 als Fraktionschef Merkel weichen musste und sich schließlich komplett aus der Politik zurückzog.

Ohne Merkel wäre allerdings auch die Unions-Koalition mit der SPD Geschichte, weil die Sozialdemokraten im Bundestag Merkel zur Kanzlerin mitgewählt haben - aber dort sicher nicht für Merz oder Spahn stimmen würden.

Damit Merkel Kanzlerin bleibt, müsste AKK gewählt werden

Mit anderen Worten: Damit Merkels Plan fürs erste aufgeht, der ohnehin auch vom zunehmend regierungsunwilligen Koalitionspartner SPD abhängt, müssten die 1001 Delegierten auf dem Hamburger Parteitag schon ihre Vertraute Kramp-Karrenbauer wählen. AKK steht allerdings so ziemlich für das gleiche mittige Profil wie die aktuelle Vorsitzende. Wo also wäre dann die inhaltliche Erneuerung? Gleiches würde übrigens für einen möglichen Parteichef Laschet gelten.

Merz wiederum, da sind sich Vertraute sicher, wagt mit bald 63 Jahren sowieso nur aus einem Grund nochmal ein Comeback in der CDU: Damit er auch so schnell wie möglich Kanzler wird. Gleiches dürfte für Spahn gelten, der zwar erst 38 ist, aber schon seit 16 Jahren im Bundestag sitzt und seiner Meinung nach lange genug gewartet hat.

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CDU-Vorsitz: Das sind die möglichen Merkel-Nachfolger

Dass mit Merz und Spahn schon jetzt zwei Bewerber aus NRW kommen, der dortige Landeschef Laschet wäre Nummer drei, macht die Sache noch komplizierter. Aber die Landesverbände, darin sind sich CDU-Kenner sicher, werden sowieso kaum eine Rolle spielen auf dem Parteitag.

Quer durch alle CDU-Organisationen und -Gruppierungen dürfte es bei der Wahl gehen. Merz ist ein Mann der Wirtschaft und des Mittelstands - aber das gilt auch für Spahn. Die CDU-Jugendorganisation Junge Union verehrt den Gesundheitsminister, in der JU hat der einstige Merkel-Widersacher Merz aber ebenfalls viele Fans. Nur eine Gruppierung hat sich bislang klar bekannt: Die Frauenunion unterstützt AKK.

Die Generalsekretärin hat dafür ein anderes Problem: Eigentlich Herrin des Verfahrens, muss sie sich in organisatorischen Fragen als Kandidatin bis zum Parteitag maximal zurückhalten.

Im Video: Straßenumfrage zu den Kandidaten

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Im Hintergrund wird nun viel geredet, bis zur CDU-Vorstandsklausur am Wochenende soll wenigstens ein grober Fahrplan Richtung Hamburg stehen. Ob dazu am Ende regionale Vorstellungsrunden gehören, die die Kandidaten bis zum Parteitag absolvieren? Mancher Stratege hält das für eine gute Idee, um den Prozess ein bisschen zu öffnen. Oder zieht - Stichwort Überraschung - am Ende vielleicht doch noch jemand seine Bewerbung zurück? Das würde manches vereinfachen.

Sogar die Idee einer Mitgliederbefragung wird diskutiert, auch wenn sich offenbar schon am Montag in den Gremien deutlicher Widerstand dagegen regte. Rein zeitlich wäre das wohl kaum zu machen in den verbleibenden Wochen, dazu kommen formale Einwände: Laut CDU-Satzung ist eine Mitgliederbefragung zwar möglich, aber sie wäre dem Parteiengesetz nach offenbar nicht bindend - das letzte Wort müsste dann ebenfalls ein Parteitag haben.



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timpia 30.10.2018
1. Welch eine eliäre Spitze
Ist doch einfach lächerlich nur diese Kandidaten zu haben. Will das denn sonst keiner? Merelwar der Gipfel. Spahn unerträglich und Merz nun ja. AKK wäre von diesen sicher die geeigneteste für Vorsitz und Kanzler. Und dennoch wieso nur diese? Sollte der Kanzler vielleicht besser direkt gewählt werden, um den Schlafmützen in Berlin auch diese Arbeit abzunehmen. Eine Jammerspiel !
antonia.colloni 30.10.2018
2.
Man kann, was Merz angeht, nicht vorsichtig genug sein, denn ein Pro-AKW-Lobbyist, der solche SO-Handzeichen macht, dessen Agenda ist eindeutig.: Das, was fälschlicher Weise stets "populistisch" genannt wird. Oder, noch fataler, libertär.
1848 30.10.2018
3. Marlene Dietrich
Und der neoliberale MERZ-Plan wird dann die Frage beantworten müssen : 'Wo sind all die Frauen hin, wo sind sie geblieben ....." Merkel hat weibliche Wähler angezogen.... Merz zieht 'altes' maskulines Eisen..an.... also auch die Jungs unter 30 , die wieder in die 50er wollen... Der Kandidat passt schon... für die GRÜNEN ....
heiko1977 30.10.2018
4.
Wer für Merz ist sollte sich vielleicht mal erinnern wofür er damals vor 2009 in der CDU stand: neoliberale Wirtschaftspolitik. Aber das wird gewiss die AfD als INSM Partei und ihrer Vorsitzenden, die ehemalige Goldman Sachs Mitarbeiterin und Mitglied der Friedrich A. von Hayek Gesellschaft, Weidel nicht gefallen können.
Objectives 30.10.2018
5. Hoffentlich geht Merkels letzter Plan nicht auf
Mit AKK würde man praktisch eine Merkel Kopie auf den Thron hiefen. Friedrich Merz erscheint mir als geeigneter Kandidat um die CDU grundlegend neu auszurichten. Für Jens Spahn ist es noch zu früh.
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