Wahlkampf Kanzlerin verteidigt enges Korsett für TV-Duell

Kein Publikum im Studio, wenig Freiheiten für die Moderatoren - im SPIEGEL rechtfertigt Kanzlerin Angela Merkel die von ihr durchgesetzten restriktiven Regeln für das Fernsehduell mit Martin Schulz.

Kanzlerin Merkel, Herausforderer Schulz
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Kanzlerin Merkel, Herausforderer Schulz


Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Format des TV-Duells mit ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz am kommenden Sonntag verteidigt. "Es gibt eine seit 2009 und 2013 bewährte Form der Sendung, die auch dieses Mal wieder angewendet wird", sagte Merkel im Gespräch mit dem SPIEGEL.

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Heft 36/2017
Der Kampf ums Kanzleramt: Worum es geht. Wer es kann.

Ursprünglich hatten die TV-Sender gefordert, den Moderatoren bei der Debatte mehr Freiheiten zu gewähren und Publikum im Studio zuzulassen. Beides lehnte Merkel ab. Der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hatte der Kanzlerin daraufhin im SPIEGEL sittenwidrigen Druck vorgeworfen. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL)

"Die Einigung ist unter Erpressung durch das Kanzleramt zustande gekommen", beklagte Brender. Die Absicht dahinter sei glasklar: "Das Kanzleramt verlangt ein Korsett für die Kanzlerin, in dem sie sich nicht bewegen muss. Und zugleich eines für Schulz, in dem er sich nicht bewegen darf", so Brender: "Als Fernsehformat ist das eine Missgeburt."

Die Kanzlerin weist die Vorwürfe im SPIEGEL zurück. Sie achte die Pressefreiheit, "zugleich aber hat auch ein Politiker immer die Freiheit zu entscheiden, ob er oder sie eine Einladung in eine Sendung annimmt oder nicht". Das komplette SPIEGEL-Gespräch mit Angela Merkel ist ab 18 Uhr zu lesen.

Die Mehrheit der Deutschen rechnet einer ARD-Umfrage zufolge mit einem erfolgreichen Abschneiden Merkels beim TV-Duell: Laut "Deutschlandtrend" sind 64 Prozent der Befragten der Meinung, dass Merkel bei dem Duell am Sonntag eine bessere Figur machen wird. Nur 17 Prozent erwarten, dass Schulz besser abschneiden wird.

Bei einer Direktwahl des Kanzlers würden der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap zufolge 49 Prozent für Merkel stimmen, ein Minus von drei Zählern im Vergleich zu Anfang August. Für Schulz würden sich 26 Prozent der Befragten entscheiden, ein Minus von vier Punkten.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 277 Beiträge
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Seite 1
lasorciere 01.09.2017
1.
Ach, hat die Mutti also Angst ...was haben wir doch für eine wunderbare Demokratie!
sun+sail 01.09.2017
2. TV-Duell
sehe ich mir nicht an. Meine Wahlentscheidung ist getroffen: ich wähle keinen von den beiden
micromiller 01.09.2017
3. Frau Dr. Merkel hat vollkommen Recht
diese elendige Quatscherei ist im Prinzip eine Zugabe ausschliesslich für Herrn Martin, damit die Bürger ihn kennen lernen. Sie hat die Wahl doch schon seit längerem entschieden und wenn er sich ordentlich benimmt wird er auch eine nette Stelle im neuen GROKO 3 Kabinett bekommen. Mindestens Aussenminister oder Herr Gabriel bekommt den Vizekanzler, den Präsidenten hat die SPD auch schon in der Tüte, also irgendwann muss Schluss sein.
cacophonieallergikendes 01.09.2017
4.
Wieder enttäuscht mich die Bundeskanzlerin. Ein weiterer Grund der CDU/CSU meine Stimme nicht zu geben. Nur fraglich wie ich ihr meine Stimme nicht indirekt über SPD/Grüne/FDP geben soll ohne daß meine Stimme bei einer chancenlosen "unter5%-Partei" oder bei den m.E. unwählbaren AfD/Die Linken landet.
keine-#-ahnung 01.09.2017
5. Als ich noch ...
... jung und schön war, habe ich die eine oder andere Kampfsportart betrieben. Dort wurde mir förmlich eingeprügelt, dass das Ziel eines Kampfes der Sieg ist und ich daher versuchen soll, mir jedweden Vorteil zu verschaffen und möglichst Nachteile für den Kontrahenten zu generieren, um einen Kampf zu gewinnen. Jetzt bin ich zwar nicht mehr ganz so knackig ... aber es ist halt trotzdem WahlKAMPF :-)
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