Bundestagswahl 2013: Deutsche wollen Große Koalition

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Schwarz-Gelb? Rot-Grün? Lieber nicht. Die Deutschen wünschen sich nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr mehrheitlich eine Große Koalition. Da passt es doch, dass sich Kanzlerin Merkel eher halbherzig als leidenschaftlich zu ihrem liberalen Regierungsspartner bekennt.

Bundeskanzlerin Merkel: "Sehr glücklich" Zur Großansicht
dapd

Bundeskanzlerin Merkel: "Sehr glücklich"

Hamburg/Berlin - In der FDP haben sie jetzt die Wahl: Sie können die Worte von Angela Merkel über die Liberalen als Liebeserklärung werten. Das wäre die wohlwollende Betrachtungsweise. Mit einem etwas nüchterneren Blick könnten FDP-Vertreter aber auch zu dem Ergebnis kommen, dass die Bundeskanzlerin und CDU-Chefin nicht mehr als ein halbherziges Bekenntnis zum dauerschwächelnden Regierungspartner abgegeben hat. Sie sei in der jetzigen Situation mit den Liberalen "sehr glücklich", hat die Bundeskanzlerin nach SPIEGEL-Informationen zuletzt in einer Sitzung des CDU-Präsidiums gesagt. Klingt ja zunächst einmal nach schwarz-gelber Harmonie.

Bei dem Treffen warnte Merkel ihre Parteifreunde zudem vor einer Debatte über eine Große Koalition, derartige Spekulationen vor der Abstimmung seien für die Union schädlich. "Niemand bereitet Große Koalitionen vor", fügte Merkel hinzu. Und das ist dann eigentlich schon der Punkt, der skeptische Liberale alarmieren dürfte: Weil der Satz der Kanzlerin eine Botschaft enthält, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte - und weil Merkel offenbar auch kein Wort darüber verlor, dass sie alles daran setzen wolle, die schwarz-gelbe Regierungskoalition fortzuführen.

Vielleicht glaubt Merkel selbst nicht mehr an die Option einer bürgerlich-liberalen Neuauflage nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr. Sie hätte guten Grund dafür: Umfragezahlen sprechen klar gegen vier weitere Jahre Schwarz-Gelb. Zwar liegt die Union klar vor der SPD, dem Institut Emnid zufolge beträgt der Vorsprung laut der "Bild am Sonntag" jetzt schon zwölf Punkte (Union 38 Prozent, SPD 26 Prozent) - das ist der größte Abstand zwischen Union und SPD seit der Bundestagswal 2009. Aber die FDP steckt im Dauertief: vier Prozent, das wäre der Abschied aus dem Bundestag.

"Wir spielen auf Sieg, nicht auf Platz"

Selbst wenn es der FDP im letzten Moment gelingen sollte, sich über die Fünfprozenthürde zu hieven, ist nicht mit einer schwarz-gelben Mehrheit zu rechnen. Der Sieg von Union und FDP bei der Bundestagswahl 2009 hatte vor allem mit der Stärke der Liberalen zu tun, die sich damals auf 14,9 Prozent katapultiert hatten. Jetzt geht es für die FDP lediglich ums politische Überleben. Auf 42 Prozent würden Union und FDP der Emnid-Erhebung zufolge derzeit kommen, SPD und Grüne kämen demnach zusammen auf 40 Prozent. Das reicht für kein Lager - und befeuert die Debatte über andere Optionen, vor allem über eine mögliche Große Koalition.

Auch Union (38 Prozent) und Grüne (14 Prozent) hätten der Umfrage zufolge mit 52 Prozent eine Mehrheit - aber die Öko-Partei setzt auf ein Bündnis mit der SPD. Wackeln die Grünen vielleicht doch, wenn es am Ende für Rot-Grün nicht reicht? "Nach dem, was die Regierung Merkel in den vergangenen Jahren angestellt hat, steht für mich fest: Unsere Politik können wir nur mit der SPD umsetzen", sagte Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt, die sich für die Spitzenkandidatur der Grünen bei der Bundestagswahl bewirbt, der "Bild am Sonntag". Über die Union sagte Göring-Eckardt: "Eine Partei, die wider besserer Einsicht am Betreuungsgeld festhält, die soziale Fragen vor sich herschiebt und gegen die erneuerbaren Energien agitiert, kann für uns kein Partner sein."

Die SPD bemüht sich derzeit trotz des klaren Umfragerückstandes auf die Union um Siegeszuversicht: "Wir spielen auf Sieg, nicht auf Platz", sagte Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier am Samstag beim SPD-Zukunftskongress. Man wolle nicht als Juniorpartner in einer Großen Koalition landen.

Union und SPD wollen damit genau das verhindern, was sich die Mehrheit der Bürger wünscht: Laut Politbarometer ist eine Zusammenarbeit von Union und SPD die einzige Parteienkombination, die von einer absoluten Mehrheit der Befragten (54 Prozent) positiv bewertet wird. Lediglich 23 Prozent äußerten sich negativ.

Schwarz-Gelb? Bitte nicht, sagt die Mehrheit der Deutschen

Offenbar haben viele Bürger Merkels Große Koalition der Jahre 2005 bis 2009 in guter Erinnerung, in der die Kanzlerin zusammen mit dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) das Land solide durch die Finanzkrise führte - und sehnen sich in Zeiten der Euro-Krise nach einer Regierung mit breiter Mehrheit.

Ein rot-grünes Bündnis würde dem Politbarometer zufolge auf deutlich weniger Zustimmung stoßen: 39 Prozent äußerten sich positiv, 41 Prozent negativ. Noch schlechter schnitt allerdings die Variante Schwarz-Gelb ab: Hierzu äußerten sich nur 19 Prozent positiv, 54 Prozent bewerteten diese Konstellation als schlecht. Die 2009 als Merkels Wunschkoalition geschlossene schwarz-gelbe Regierung, die derzeit unter anderem über das Betreuungsgeld und die Zuschussrente streitet, ist bei den Bürgern inzwischen eine Art Negativmodell.

Mit Material von dpa

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1.
nic 16.09.2012
"Deutsche wollen Großen Koalition" Bedauernswert!
2.
zynik 16.09.2012
Zitat von sysopdapdSchwarz-Gelb? Rot-Grün? Lieber nicht. Die Deutschen wünschen sich nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr mehrheitlich eine Große Koalition. Da passt es doch, dass sich Kanzlerin Merkel eher halbherzig als leidenschaftlich zu ihrem liberalen Regierungsspartner bekennt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,856112,00.html
Und wieder mal eine Umfrage, die uns sagt was wir wählen sollen. Danke.
3. ...
Barath 16.09.2012
Zitat von sysopdapdSchwarz-Gelb? Rot-Grün? Lieber nicht. Die Deutschen wünschen sich nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr mehrheitlich eine Große Koalition. Da passt es doch, dass sich Kanzlerin Merkel eher halbherzig als leidenschaftlich zu ihrem liberalen Regierungsspartner bekennt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,856112,00.html
Wie bitte? Sorry, aber das glaub ich einfach nicht.
4. Tippfehlerteufel
genugistgenug 16.09.2012
Zitat von sysopdapdSchwarz-Gelb? Rot-Grün? Lieber nicht. Die Deutschen wünschen sich nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr mehrheitlich eine Große Koalition. Da passt es doch, dass sich Kanzlerin Merkel eher halbherzig als leidenschaftlich zu ihrem liberalen Regierungsspartner bekennt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,856112,00.html
Tippfehlerteufel hat zugeschlagen: Soll wohl Grobe Korruption heißen. Außerdem wer ist befragt worden? Vor allem sind das vielleicht alles Personen die sich in Umfragen tarnen. Entschieden wird am Wahltag!
5.
hxk 16.09.2012
Zitat von nic"Deutsche wollen Großen Koalition" Bedauernswert!
Bedauernswert ist schwer untertrieben. Eine Großen Koalition bedeutet Kompromiss auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Sparen? Fehlanzeige! Man kann ja Steuern erhöhen, wenn die Einnahmen nicht reichen, weil man es mal wieder mit dem Ausgaben übertrieben hat. Und EU-geil sind beide Parteien auch noch. Da haftet man schnell mal mit 380 statt 190 Mrd.
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