Berlin - Den wichtigsten Punkt machte Bundeskanzlerin Angela Merkel gleich zu Beginn ihrer Erklärung vor den Journalisten im Kanzleramt deutlich: "Ich möchte, dass Griechenland Mitglied der Euro-Zone bleibt", sagte Merkel nach ihrem Treffen mit dem griechischen Premier in Berlin.
Der Euro sei mehr als eine Idee, nämlich Ausdruck "eines irreversibel vereinigten Europas". Dafür müsse jedoch das Vertrauen der Bürger in Europa und seine Institutionen zurückgewonnen werden.
"Wir wissen, dass von Griechenlands Bürgerinnen und Bürgern große Opfer verlangt werden", sagte Merkel. Deshalb unterstütze Berlin die Anstrengungen der neuen griechischen Regierung unter Premier Samaras.
Sie erwarte von Griechenland, dass "den Worten Taten folgen". Griechenland dürfe im Gegenzug erwarten, dass Deutschland keine vorzeitigen Schlüsse über die Situation in dem Schuldenstaat ziehe. Deshalb müsse der nächste Bericht der Troika zur Lage in Griechenland abgewartet werden. Diese Haltung werde auch vom französischen Präsidenten Hollande geteilt, mit dem Merkel am Donnerstagabend in Berlin zusammengetroffen war.
Samaras versprach, dass Griechenland seine Verpflichtungen erfüllen werde. Der Bericht der Troika werde signalisieren, dass die neue Regierung "sehr bald" Ergebnisse liefern werde. Athen sei dabei, sein Haushaltsdefizit ebenso abzubauen wie das Glaubwürdigkeitsdefizit des Landes.
"Wir sind ein stolzes Volk und wollen nicht von geliehenem Geld abhängig sein", sagte der Regierungschef. Griechenland brauche jedoch die Chance zum Wachstum, das Land habe enorme, leider brachliegende Ressourcen. Für den Aufschwung brauche Athen jedoch "Zeit zum Atmen". Das Treffen im Kanzleramt sei ein Neuanfang in den Beziehungen zwischen Berlin und Athen, so Samaras. Über einen konkreten Zeitaufschub bei den Sparauflagen für Griechenland sei dabei jedoch nicht gesprochen worden.
Diskussionen über eine Wiedereinführung der Drachme in Griechenland verschärften die Lage für Athen, kritisierte der Premier. Damit würden mögliche Investoren abgeschreckt und die Arbeit seiner Regierung erschwert. Merkel betonte, dass jedes Mitglied des Regierungslagers ihre Haltung teile und wolle, dass Athen im Euro-Raum bleibt.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder hatte zuvor einen anderen Ton gegenüber Griechenland angeschlagen. "Mehr Geld können wir nicht zur Verfügung stellen", sagte der CDU-Politiker im ZDF-"Morgenmagazin". Die europäische Währungsunion könne einen Austritt Griechenlands aus dem Euro verkraften. Er gehe davon aus, "dass es für den Euro kein Problem wäre", sagte Kauder. Mit den Rettungsschirmen habe die Währungsunion "erhebliche Möglichkeiten, damit eine Ansteckung nicht stattfindet".
syd
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