Merkel nach Gipfel mit Trump "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, sind ein Stück vorbei"

Kanzlerin Merkel hat nach dem G7-Gipfel ihre Enttäuschung über US-Präsident Trump zum Ausdruck gebracht. Die Europäer müssten ihr Schicksal "wirklich in die eigenen Hände nehmen".

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Der enttäuschende G7-Gipfel hat bei Angela Merkel offenbar Spuren hinterlassen. Bei einem Wahlkampfauftritt in Bayern sagte die Kanzlerin mit Bezug auf die USA: "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt." Merkel sprach bei einem Wahlkampfauftritt mit CSU-Chef Horst Seehofer in München-Trudering.

Merkel bezog sich mit ihren Worten auf die neue US-Regierung von Donald Trump, sie bezog aber auch den bevorstehenden Brexit Großbritanniens mit ein. Es müsse natürlich bei der Freundschaft zu den USA und Großbritannien bleiben. Aber: "Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen." Dabei gab sie einem guten Verhältnis zu Frankreich unter dem neuen Präsidenten Emmanuel Macron eine besondere Bedeutung.

Diese Passage von Merkels Rede wurde von den Zuhörern mit minutenlangem Applaus bedacht. Bei dem Wahlkampfauftritt in einem Bierzelt waren rund 2500 Personen anwesend.

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Merkels Rede im Bierzelt: Prosit!

US-Präsident Donald Trump hatte die Gruppe der sieben großen Industrienationen (G7) mit seinem Konfrontationskurs in der Klimapolitik in eine schwere Krise gestürzt. Massive Differenzen gab es auch beim Umgang mit Flüchtlingen. Der Gesichtswahrung dienende Formulierungen fanden die G7 in letzter Minute zum Thema Handel.

Als aktueller G7-Präsident zog Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni ein ernüchterndes Fazit der zwei Tage auf Sizilien: Die Differenzen mit den USA seien "in unseren Diskussionen sehr klar geworden". Trump sei die Wahl des amerikanischen Volkes und mit dieser werde man nun umgehen. "Amerika ist und bleibt unser wichtigster Verbündeter."

Mit ihrer Bierzeltrede am Sonntag holte Merkel einen eigentlich für Dienstagabend geplanten Termin mit CSU-Chef Horst Seehofer nach; der Termin war wegen des Anschlags von Manchester kurzfristig abgesagt worden. Trotz Hitze war das Festzelt bis auf den letzten Platz besetzt, mehrere Hundert Menschen hörten von draußen aus zu.

cte/AFP/dpa



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christa.hans 28.05.2017
1. Was hat sie erwartet?
Das er uneingeschränkt ihrem Kurs folgt? Im Punkt Klima hat Trump sicherlich einen Nachholbedarf. Alle anderen Punkte die besprochen wurden, in denen würde ich Frau Merkel ihre Vorgebe auch nicht folgen.
M. Michaelis 28.05.2017
2.
Ich finde ist interessant wie hilflos und verschnupft die Reaktionen sind wenn jemand mal die ganzen Rituale nicht einhält. Ich finde es nicht schlecht wenn diese ganzen Rituale gestört werden zumal Trump nur eine vierjährige Episode bleiben wird. Leider wird man daraus nichts lernen und die Gelegenheit nutzen diese Rituale zu hinterfragen. Dass sich niemand auf Trump verlassen kann ist auch nichts neues.
rkinfo 28.05.2017
3. Merkel kommt mit USA und GB nicht mehr klar
Merkel greift seit Monaten die Briten an und nun hadert sie mit den USA ... untragbar für einen deutschen Kanzler ! Deutschland hat sich nicht vorbereitet um Trump bzgl. Investitionsstau Bindeswehr und Außenhandelsbilanzdefizit-Überschuß Perspektiven zu zeigen. Beim Klimaschutz wurde das eh wacklige Pariser Abkommen nicht realistisch um 'Clean Coal' erweitert. Der Konfrontationskurs von Merkel führt Deutschland in eine Sackgasse - wie schon beim Flüchtlingsthema.
paulvernica 28.05.2017
4. Der falsche Weg
Man möge bedenken, dass eventuell Merkel den falschen Weg gegangen ist. Sowohl in der Flüchtlingspolitik als auch in der Handelspolitik (TTIP). Und warum kann Sie sich nicht mehr auf USA und GB verlassen. Auf die Türkei kann Sie sich noch weniger verlassen, und trotzdem hat Sie mit einem Erdogan einen Deal gemacht. Merkel ist das Problem !!!
fabiofabio 28.05.2017
5. ist doch gut so
Die EU soll sich endlich um ihre eigenen Probleme kümmern (davon gibst ja nun wirklich genug) und diese mal lösen. Wenn man alleine ist, sieht man auch die realistischen Grenzen. Schluss mit der auf Krawall gebürsteten Politik mit den Nachbarn und Konzentration auf die Verbesserung der inneren Zustände (vor allem im.Süden und Osten) der EU. Was soll da schlecht sein?
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