Besuch in Indonesien: Merkel kommt auf Socken - und lässt auf Panzer hoffen

Kunterbunte Folklore und knallharte Rüstungsdeals: Angela Merkel besucht Indonesien. In den Moscheen des Landes war die Kanzlerin auf Socken unterwegs. Hinter verschlossenen Türen soll es dann um ein angebliches Panzergeschäft gegangen sein.

Merkel in Indonesien: Auf Socken durch die Moschee Fotos
dapd

Jakarta - Die Kanzlerin reist mit einer Wirtschaftsdelegation durch Indonesien. Dort wurde sie von Präsident Susilo Bambang Yudhoyono empfangen. Zuvor legte Angela Merkel am Veteranenfriedhof Kalibata einen Kranz nieder. Indonesien gilt nach Reformen seit dem Rücktritt des autoritären Staatschefs Suharto in Südostasien als vergleichsweise stabil, das Schwellenland gehört zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern Deutschlands in der Region.

Vor Ort musste sich die Kanzlerin den Gepflogenheiten des Landes anpassen. In die prachtvollen Tempel der Hauptstadt Jakarta ging es auch für die deutsche Spitzenpolitikerin nur ohne Schuhe.

Nach dem kulturellen Teil ging es jedoch offenbar auch um umfangreiche Wirtschaftsdeals. Indonesien hat es besonders auf die deutschen "Leopard 2"-Kampfpanzer abgesehen.

Nach dem Gespräch mit Merkel in Jakarta sagte Staatspräsident Yudhoyono auf die Frage, ob Medienberichte über eine indonesische Anfrage nach 100 Panzern diesen Typs stimmten: "Alles, was wir nicht allein machen können, müssen wir kaufen von befreundeten Staaten." Das seien zum Beispiel die USA, Australien "und jetzt Deutschland".

Die deutsch-indonesische Verteidigungszusammenarbeit sei Bestandteil der sogenannten Jakarta-Erklärung, die bei Merkels Besuch fortgeschrieben worden sei. Merkel sagte, es habe keine Gespräche über Details gegeben.

Rüstungskreise bestreiten nahen Deal

Yudhoyono kündigte an: "Alles wird transparent und offen gemacht." In Deutschland entscheidet allerdings der geheim tagende Bundessicherheitsrat über Rüstungsgeschäfte und gibt die Beschlüsse erst im Jahresbericht bekannt.

Vor Merkels Besuch war in deutschen Regierungskreisen zurückgewiesen worden, dass ein Export der Panzer angebahnt werden könnte. Unter Berufung auf die "Jakarta Post" hatten jedoch mehrere Medien berichtet, Indonesien wolle 100 gebrauchte Panzer kaufen. Die ersten 15 sollten im Oktober geliefert werden.

Yudhoyono versicherte: Er werde nie Waffen gegen das eigene Volk einsetzen. In den Jahren der Wirtschaftskrise habe Indonesien in soziale Projekte investieren müssen. Für die Verteidigung sei kein Geld vorhanden gewesen. Jetzt sei die Ausrüstung veraltet. Die indonesische Armee müsse modernisiert werden, um dem Land eine stabile Verteidigung zu garantieren.

jok/dpa/dapd/Reuters

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