Angriff Betrunkener wollte sich auf Lafontaine stürzen

Ein Betrunkener hat Oskar Lafontaine bei der Wahlversammlung der Linkspartei angegriffen. Der Mann rief "Oskar, ich hasse Dich!" und wollte sich auf den Spitzenkandidaten stürzen. Umstehende konnten den Mann zurückhalten.


Oskar Lafontaine: Schutz reicht nicht aus
DDP

Oskar Lafontaine: Schutz reicht nicht aus

Saarbrücken - Der Angriff auf den früheren SPD-Chef ereignete sich am gestern Abend nach einer Wahlkreisversammlung der Linkspartei in Saarbrücken und heizte die Diskussion um einen ausreichenden Personenschutz für Lafontaine neu an. Bei der Versammlung, bei der Lafontaine zum Direktkandidaten gewählt wurde, war kein Personenschützer anwesend.

Erst am Tag zuvor hatte das saarländische Innenministerium angekündigt, dass Lafontaine nach zweijähriger Pause künftig wieder Personenschutz erhalten solle - "allerdings nur von Fall zu Fall". Über den Einsatz werde nach der jeweiligen Gefahreneinschätzung entschieden. Nach Angaben der saarländischen Innenministerin Annegret Kramp-Karrenbauer war das Landeskriminalamt über den Termin Lafontaines nicht informiert.

Wie die Polizei erklärte, versuchte die stark betrunkene Person, sich auf Lafontaine zu stürzen. Anwesende hätten den WASG-Spitzenpolitiker jedoch geschützt, woraufhin sich der Mann zurückgezogen hätte.

Als die zu Hilfe gerufene Polizei eintraf, versuchte sie nach Angaben ihres Sprechers, zunächst den 36-jährigen Mann in die Obhut von Freunden zu geben. Später sei er dann in Gewahrsam genommen worden. Gegen ihn sei Anzeige wegen versuchter Körperverletzung gestellt worden. Lafontaine selbst habe keine strafrechtliche Verfolgung gewünscht, hieß es.

Nach Einschätzung des Landeskriminalamtes bestehe eine abstrakte, aber keine konkrete Gefährdung, hieß es zur Begründung. Im Fall des PDS-Politikers Gregor Gysi sei man in Berlin zur gleichen Lagebeurteilung gekommen. Im Übrigen sei es Lafontaine unbenommen, sich aus privaten Mitteln zusätzlichen Personenschutz zu besorgen.

Zuvor hatte Lafontaines Frau, Christa Müller, in einem Brief an Ministerpräsident Peter Müller (CDU) die Wiederaufnahme des Personenschutzes angeregt. Zu diesem Zeitpunkt sei allerdings bereits eine entsprechende Prüfung eingeleitet worden, betonte die Landesregierung.

Nach Informationen der "Saarbrücker Zeitung" hält Lafontaine jedoch diesen Schutz nicht für ausreichend. Wie die Zeitung unter Berufung auf das Umfeld des Politikers schreibt, ist es bei der Bewertung von Veranstaltungen, bei denen Leibwächter gestellt werden sollen, bereits zu Meinungsverschiedenheiten gekommen. So habe Lafontaine für die Delegiertenkonferenz der nordrhein-westfälischen Linkspartei am vergangenen Wochenende ebenfalls keine Personenschützer erhalten.

Lafontaine war 1990 als Kanzlerkandidat der SPD bei einer Wahlkampfveranstaltung in Köln-Mülheim von einer geistig verwirrten Frau mit einem Messer lebensgefährlich verletzt worden. Er litt nach eigenem Bekunden noch lange unter den Nachwirkungen des Messerstichs in den Hals. Als das saarländische Innenministerium ihm 2003 den Personenschutz entzogen hatte, hatte Lafontaine mit Unverständnis reagiert.



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