Angst vor Anschlägen USA warnen Amerikaner vor erhöhter Terrorgefahr in Deutschland

Die US-Botschaft in Berlin hat ihre Bürger vor einer gestiegenen Terrorgefahr in Deutschland gewarnt. Sie reagierte damit auf deutsche Angaben, es gebe eine erhöhte Bedrohungslage in der Bundesrepublik.


Berlin - Die US-Bürger wurden zu besonderer Wachsamkeit aufgerufen. "Die US-Botschaft empfiehlt allen Amerikanern in Deutschland, ihre Wachsamkeit zu verstärken und angemessene Schritte zur Erhöhung ihrer persönlichen Sicherheit zu unternehmen", erklärte die US-Botschaft in Berlin.

Hochsicherheitsgelände: In Berlin steht ein Polizist mit Maschinenpistole vor der weiträumig abgesperrten US-Botschaft
DPA

Hochsicherheitsgelände: In Berlin steht ein Polizist mit Maschinenpistole vor der weiträumig abgesperrten US-Botschaft

Die Warnung bezieht sich nach Angaben der Botschaft nur auf Deutschland und nicht auf andere Länder Europas.

Die Botschaft machte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters keine Aussagen zur Frage, ob sie mit der Entscheidung auf eine spezifische Bedrohung reagierte. "Da die deutschen Behörden, darunter zuletzt das Bundeskriminalamt, immer wieder feststellen, dass Deutschland einer zunehmenden Terrorgefahr gegenübersteht, haben die US-Regierungseinrichtungen ihre Sicherheitseinschätzung immer wieder entsprechend bewertet." Die Sicherheitsvorkehrungen in amerikanischen Einrichtungen wurden verstärkt.

In einer Mitteilung vom 10. April hatte das US-Außenministerium auf die anhaltende Bedrohung durch terroristische Anschläge auf amerikanische Einrichtungen und US-Bürger aufmerksam gemacht. Es gebe Informationen, dass al-Qaida Anschläge in verschiedenen Regionen der Welt plane.

Nach Angaben von "Welt online", die sich auf deutsche Regierungskreise beziehen, gibt es „neue Informationen" amerikanischer und deutscher Sicherheitsdienste. Der Sachverhalt sei sehr komplex und werde von der US-Seite zu Recht als erhöhte Bedrohungslage angesehen. Angeblich fürchten die Sicherheitsdienste Anschläge irakischer Kurden und von aus dem Irak nach Deutschland einsickernden Terroristen. Den Berichten zufolge sollen bereits potentielle Anschlagsziele ausgespäht worden sein. Für die deutsche Bevölkerung bestehe hingegen keine erhöhte Gefahr. Einen Zusammenhang mit dem im Mai in Deutschland stattfindenden G-8-Gipfel gebe es nicht.

Auch das Bundesinnenministerium sprach von Hinweisen auf eine erhöhte Gefährdung von US-Einrichtungen in Deutschland. Mit Blick auf die Warnung der US-Botschaft erklärte das Ministerium heute: "Die deutschen Sicherheitsbehörden teilen diese Sorge und arbeiten bereits seit längerer Zeit engstens mit der US-Seite zusammen, um alle geeigneten Maßnahmen in diesem Zusammenhang sicherzustellen." Insofern habe sich die Gefährdungslage in Deutschland für US-Einrichtungen in diesem konkreten Fall erhöht. "Wir teilen die Einschätzung der Amerikaner", sagte Innenminister Wolfgang Schäuble heute in Luxemburg, wo er eine Sitzung der Innenminister der EU geleitet hatte.

Schäuble hatte zuletzt verstärkt vor Anschlägen gewarnt. Er verwies dabei auf die fehlgeschlagenen Kofferbomben-Anschläge auf deutsche Regionalzüge im vergangenen Sommer, aber auch auf islamistische Drohungen im Zusammenhang mit der Entführung zweier Deutscher im Irak und den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan.

Die Sicherheitsmaßnahmen der Berliner Polizei seien schon seit längerem "auf hohem Niveau", sagte eine Polizeisprecherin. Dieses werde auch weiter beibehalten, fügte sie hinzu. Zudem befinde sich die Polizei der Hauptstadt in einem ständigen und engen Informationsaustausch mit anderen Sicherheitsbehörden.

Auch das Bundeskriminalamt (BKA) spricht seit geraumer Zeit von einer gestiegenen Terrorgefahr in Deutschland. Der Abstand in der Gefährdung zu stark bedrohten Staaten wie den USA, Großbritannien und Israel sei geringer geworden, die abstrakte Gefährdung Deutschlands gestiegen, sagte BKA-Chef Jörg Ziercke Mitte März in Wiesbaden. Zugleich warnte er vor Panikmache. Es gebe keine konkreten Hinweise auf Anschlagsvorbereitungen.

als/Reuters/dpa/ddp



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