Angst vor der Grippepandemie Politiker werfen Krankenkassen Patienten-Abzocke vor

Wer bezahlt den Schutz vor der Schweinegrippe? Politiker verurteilen die Pläne der Krankenkassen, Zusatzbeiträge für Grippeimpfungen zu erheben - und werfen den Versicherern vor, die Angst der Patienten bewusst auszuschlachten.


Berlin - Eine breite Allianz aus Politikern und Wirtschaftsvertretern verurteilt die Pläne der Krankenkassen, Impfungen gegen Schweinegrippe über Zusatzbeiträge zu finanzieren - und werfen den Kassen vor, die verunsicherten Bürger schröpfen zu wollen.

Impfung gegen Schweinegrippe: Nur ein Vorwand der Kassen?
ddp

Impfung gegen Schweinegrippe: Nur ein Vorwand der Kassen?

"Die Kassen suchen schlicht einen Grund, um die Beitragssenkung vom Juli wieder auszugleichen", sagte der Bundestagsabgeordnete Harald Terpe von den Grünen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält eine Anhebung des Kassenbeitrags zur Finanzierung der Schweinegrippeimpfung für "undenkbar". "Diese Hoffnung der Kassen ist unrealistisch", sagte Lauterbach der "Passauer Neuen Presse". Die Impfkosten könnten problemlos aus den normalen Einnahmen finanziert werden. "Die Kosten, die auf die Kassen zukommen, liegen bei weniger als einem halben Prozentpunkt ihrer bisherigen Ausgaben. Das ist nicht kriegsentscheidend für die Frage, ob man Zusatzbeiträge erhebt", sagte Lauterbach.

Der Gesundheitspolitiker wies zudem darauf hin, dass es in diesem Jahr einen staatlichen Schutzschirm gegen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise gebe. "Das heißt konkret, dass Beitragsausfälle, die in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten sind, aus staatlichen Mitteln ausgeglichen werden", sagte Lauterbach. Er glaube nicht, dass es weitere Zuschüsse geben müsse.

Auch die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel, sagte der "Berliner Zeitung": "Impfen ist seit der letzten Gesundheitsreform Pflichtleistung der Kassen und zwar ohne Praxisgebühr und Erhöhung der Beiträge."

Die SPD-Abgeordnete Mechthild Rawert verwies in der "Bild"-Zeitung auf die grundsätzlich gute finanzielle Lage der Versicherungen: "Die Krankenkassen haben einen Überschuss den sollten sie jetzt verwenden, anstatt über Beitragserhöhungen zu reden."

Aus Sicht der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) ist die Anhebung des Beitragssatzes zur Finanzierung eines Ausgabenanstiegs der Kassen weder notwendig noch möglich. Ähnlich äußerte sich der Vizehauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks.

Unterdessen rücken erste Krankenkassen von der Forderung nach einer Beitragserhöhung ab. Eine Sprecherin der KKH-Allianz sagte der "Bild"-Zeitung, eine Beitragsanhebung für KKH-Versicherte sei zum jetzigen Zeitpunkt auch für den Fall ausgeschlossen, dass die Kassen die Impfkosten komplett aus eigener Tasche bezahlen müssten. Ein Sprecher der Gmünder Ersatzkasse erklärte ebenfalls, eine Beitragserhöhung sei bis Jahresende ausgeschlossen.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Lungenfacharzt Wolfgang Wodarg hält die Angst vor der Pandemie für eine "Inszenierung". "Das ist ein Riesengeschäft für die Pharmaindustrie", sagte Wodarg der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Die sogenannte Schweinegrippe unterscheide sich nicht von den üblichen Grippewellen. "Im Gegenteil: Wenn sie die Zahl der Fälle sehen, ist das lächerlich verglichen mit anderen Grippezügen."

Die Pharmaindustrie habe ihre Interessen erfolgreich in der Politik durchgesetzt, sagte der SPD-Politiker aus Flensburg. Bislang hätten die Hersteller von Grippeimpfstoff nie gewusst, wie viel Abnehmer sie dafür im Herbst hätten. "Neu ist nun, dass die Bundesregierung der Pharmaindustrie eine Verkaufsgarantie gibt", erklärte Wodarg. Auch die Krankenkassen versuchten nun, von der Pandemieangst zu profitieren. "Sie versuchen, Geld für sich rauszuschlagen", sagte er mit Blick auf die geforderte Beitragserhöhung zum 1. Oktober.

Der Epidemiologe äußerte schwere Bedenken gegen den von der Firma Novartis entwickelten Impfstoff gegen Schweinegrippe, der bereits in Deutschland getestet wird. Das sei "mit sehr heißer Nadel zugelassen", sagte Wodarg. Der Nährboden des Impfstoffs von Novartis seien Krebszellen, die tierischer Herkunft sind. Man wisse nicht, ob es dabei ein Allergierisiko gebe, betonte der Arzt. "Und viel wichtiger: Einige befürchten, dass bei geringen Verunreinigungen aus diesen hochpotenten Krebszellen ein Krebsrisiko für die Geimpften besteht.

beb/dpa/ddp



Forum - Schweinegrippe – Müssen wir Angst vor dem Virus haben?
insgesamt 6202 Beiträge
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Seite 1
IsArenas, 02.05.2009
1.
Nein, niemand *muss* Angst haben, unabhängig von allem, was geschieht. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber, zuweilen zwar wichtig als Selbstschutz, wird aber schnell selbst krankmachend und/oder eine Krankheit. Ich schließe nicht aus, gewaltsam (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Terrorakt), durch Krebs oder noch früher durch Herzinfarkt oder Schlaganfall oder was weiß ich oder eben durch eine Virus- odere Bakterieninfektion ums Leben zu kommen, bevor ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung nähere. Zur angeblichen Hauptrisikogruppe zähle ich auch noch, na wunderbar. Nein, die Grippe macht mir definitiv keine Angst, wenn ich den nächsten Monaten daran sterben soll, dann war's das halt. Ich glaube aber nicht daran, meine Schulden werde ich wohl zahlen müssen -- sprich, ich habe andere Sorgen und erfreue mich ansonsten des Lebens in der Gegenwart ;-)
Crackerjack 02.05.2009
2.
Zitat von IsArenasNein, niemand *muss* Angst haben, unabhängig von allem, was geschieht. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber, zuweilen zwar wichtig als Selbstschutz, wird aber schnell selbst krankmachend und/oder eine Krankheit. Ich schließe nicht aus, gewaltsam (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Terrorakt), durch Krebs oder noch früher durch Herzinfarkt oder Schlaganfall oder was weiß ich oder eben durch eine Virus- odere Bakterieninfektion ums Leben zu kommen, bevor ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung nähere. Zur angeblichen Hauptrisikogruppe zähle ich auch noch, na wunderbar. Nein, die Grippe macht mir definitiv keine Angst, wenn ich den nächsten Monaten daran sterben soll, dann war's das halt. Ich glaube aber nicht daran, meine Schulden werde ich wohl zahlen müssen -- sprich, ich habe andere Sorgen und erfreue mich ansonsten des Lebens in der Gegenwart ;-)
Hierzu ein von Herzen kommender Applaus.
descartes101, 02.05.2009
3.
Zitat von sysopDie Schweinegrippe hat auch Europa erreicht, die EU rechnet mit Todesopfern. Wie berechtigt ist die Angst vor dem Virus?
Lächerlich. Das Grippevirus rekombiniert sich jede Saison neu, weshalb die Impfungen auch dann nicht mehr wirksam sind. Mal ist es virulenter, mal weniger. Jedenfalls sterben immer auch Menschen daran. Das ganze ist eine haltlose Hysterie, wahrscheinlich damit unsere tüchtigen Regierungen mal behaupten können, sie hätten eine Situation im Griff. Das ist natürlich besonders leicht bei einer Situation, die so oder so nicht eskaliert. Wenn ein hemorrhagisches Fieber wie Ebola durch die Ballungszentren zieht, dann lohnt es sich zuhause zu bleiben. Aber eine dämliche Papiermaske schützt niemanden vor Ansteckung. Das gleiche Prinzip wurde von den USA im kalten Krieg angewendet, wo man den Leuten erzählte, dass es helfe, sich im Falle eines Nuklearangriffs unter den Tisch zu hocken mit einer Zeitung über dem Kopf. Aua, aua. Seit damals hat sich wirklich nichts verändert.
Hans58 02.05.2009
4.
Zitat von sysopDie Schweinegrippe hat auch Europa erreicht, die EU rechnet mit Todesopfern. Wie berechtigt ist die Angst vor dem Virus?
Nein, wir müssen keine Angst haben, selbst wenn hier zum x-ten Male eine Diskussion über das Thema eröffnet wird.
firefly 02.05.2009
5.
Sie können sich ja gleich mal mit dem Papst zusammentun. Für den ist HIV auch kein Problem und alles nur Panik mache. Und Medikamente im Falle einer HIV-Infektion würde ich ihnen auch nicht empfehlen. Die wirken nämlich garnicht und dienen nur zum Geldschäffeln der Pharmaindustrie. /Ironie
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