Attentat von Berlin Gescheiterte Ausreise war Auslöser für Amris Anschlag

Warum entschloss sich Anis Amri, unschuldige Menschen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt zu töten? Nach SPIEGEL-Informationen glauben Ermittler, die Antwort gefunden zu haben: weil er nicht aus Deutschland ausreisen durfte.

BKA-Fahndungsaufruf mit Amri-Fotos
DPA/ BKA

BKA-Fahndungsaufruf mit Amri-Fotos

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Es war im Herbst 2016, als Anis Amri nach einer kurzen Karriere im Berliner Drogenmilieu plötzlich wieder religiös und fanatisch wurde. Er besuchte vermehrt die radikale Fussilet-Moschee in Berlin und zog sich in seiner WG öfter zum Beten zurück. Am 19. Dezember dann kaperte er einen polnischen Lkw, erschoss den Fahrer und fuhr auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, wo er elf weitere Menschen tötete.

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Heft 27/2017
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Warum entschloss sich Amri zu dieser Tat? Die Frage, was der Auslöser dafür war, dass er seine lange gehegten Anschlagspläne umsetzte, hat die Ermittler seither beschäftigt.

Jetzt glauben sie, eine Antwort gefunden zu haben: Eine zwischenzeitliche Festnahme und die damit gescheiterte Ausreise aus Deutschland haben Amri demnach dazu veranlasst loszuschlagen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Anis Amri war am 30. Juli 2016 von der Bundespolizei in Friedrichshafen auf dem Weg in die Schweiz aus einem Fernbus geholt worden. Es ist seit Jahren Praxis der Sicherheitsbehörden, keine islamistischen Gefährder in andere Schengenstaaten ausreisen zu lassen. Ein Richter ordnete daraufhin eine zweitägige Wochenendhaft an, während der geprüft wurde, ob Amri in seine Heimat nach Tunesien abgeschoben werden könne. Am darauffolgenden Montag wurde er wieder freigelassen.

Amri schrieb einem IS-Kontakt: "Ich will zu euch."

Für eine Abschiebung fehlten nach Meinung der zuständigen Ausländerbehörde die Passersatzpapiere aus Tunesien. Bei seiner Vernehmung in Friedrichshafen sagte Amri laut den Ermittlern, er wolle Deutschland verlassen. "Ich will von mir aus ausreisen. Warum muss ich deshalb hierbleiben?", habe er gefragt.

"Er hatte Angst, dass er wegen seiner Drogensachen und der Schlägerei ins Gefängnis musste", sagte ein hochrangiger Beamter dem SPIEGEL. "Er wollte wirklich abhauen."

Nach seiner gescheiterten Ausreise habe Amri sein Verhalten offenkundig geändert. Er habe weniger Pornoseiten im Internet besucht und mehr islamistische Inhalte konsumiert. Seine Erlöse aus Drogengeschäften habe er seiner Familie nach Tunesien überwiesen.

Am 5. Oktober schrieb Amri den Ermittlungen zufolge seinen Kontakten beim "Islamischen Staat": "Ich will zu euch." Spätestens Mitte Oktober sei er dann mit einem "Mentor" beim IS in Kontakt gekommen. Ende Oktober habe er den Treueeid auf IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi geschworen.

Am 10. November habe sein IS-Mentor ihm ein 143-seitiges Dokument mit dem Titel "Die frohe Botschaft zur Rechtleitung für diejenigen, die Märtyreroperationen durchfuhren" geschickt. Darin waren verschiedene Anschlagsoptionen genannt. Eine davon: einen Lkw in eine Menschenmenge zu steuern.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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