Von Fabian Reinbold
Hamburg - Die basisdemokratische Piratenpartei bekommt eine neue Führungsfigur. Die Unternehmerin Anke-Domscheit Berg, die erst im Mai in die Partei eingetreten ist, möchte mit den Piraten in den Bundestag einziehen. "Ich will Spitzenkandidatin in Brandenburg werden", sagte die 44-Jährige SPIEGEL ONLINE. "Ich glaube, dass ich die richtigen Kompetenzen mitbringe, um viel zu bewegen."
Domscheit-Berg berät Firmen, die Frauen in Führungspositionen stärken wollen, sowie Behörden in Fragen der Transparenz. Ihre Kandidatur begründete sie so: "Bei Themen, die für die Piraten sehr wichtig sind, wie Open Government oder transparente Verwaltung, bringe ich große Expertise mit, von der es in der Partei nicht beliebig viel gibt." Die Piraten bräuchten Fachpolitiker.
"Im Bundestag kommt es darauf an, dass wir bei den Themen, für die man uns wählt, besonders starke Personen haben, die sich auskennen", sagte die frühere Microsoft-Managerin. Sie habe nicht nur Fachexpertise, sondern wisse auch, wie man Ziele durchsetzt. Als Minderheitenpartei müssten die Piraten überzeugender auftreten, damit sie ihre Ziele erreichten. "Das kann ich gut, das macht mir Spaß", sagte Domscheit-Berg. Am Freitagmittag veröffentlichte sie ihre Kandidatur im Wiki der Partei.
In der Piratenpartei sind solche Blitzkarrieren, wie sie Domscheit-Berg nun hinlegen möchte, allerdings umstritten. Immer wieder wird von Piraten scharfe Kritik an Neumitgliedern laut, die wenige Monate nach ihrem Eintritt an die Spitze drängen. Auf Mailinglisten und in Foren wird gegen "Karrieristen" gekeift, die vom Erfolg der Partei angezogen würden.
Kritik an Blitzkarriere
Das wird auch Domscheit-Berg aushalten müssen. Schon vor wenigen Tagen, nachdem sie auf dem Landesparteitag in Brandenburg auftrat und eine Kandidatur für Mandate offen ließ, musste sie sich auf Twitter kritische Nachfragen gefallen lassen. "Was hast Du denn bis jetzt für die Piraten geleistet? In welchen AGs bist Du?" schrieb jemand. Dazu sagte Domscheit-Berg SPIEGEL ONLINE: "Solche Argumente nerven besonders, weil sie die klassische Ochsentour wie bei Altparteien einfordern." Meinungen wie diese seien "komplett unpiratig".
In der Tat winken trotz sinkender Umfragewerte in keiner anderen Partei so schnell so viele Mandate in Parlamenten wie derzeit bei den Piraten. Doch gerade im Rennen um die Bundestagsmandate ist die Konkurrenz groß. Die Brandenburger Piraten wollen Ende Oktober ihre Landesliste für die Bundestagswahl im September 2013 aufstellen.
Domscheit-Berg war bis vor wenigen Wochen Mitglied der Grünen. Sie war erst Anfang Mai gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem früheren WikiLeaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg, den Piraten beigetreten. Den Wechsel vollzog sie drei Tage vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Schon zuvor hatte sie allerdings immer wieder öffentlich Partei für die Newcomer ergriffen. Doch auch bei ihrem Parteieintritt waren Stimmen laut geworden, die sie als Karrieristin bezeichneten, die nur auf ein Mandat bei den Piraten spekuliere.
Sollte sie im September 2013 mit den Piraten tatsächlich in den Bundestag einziehen, will die Unternehmerin ihre Beratungsgeschäfte ruhen lassen. "Ich werde keine Teilzeitabgeordnete sein, die nebenbei Geschäfte macht."
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