Ex-Grüne Unternehmerin Domscheit-Berg will für Piraten in den Bundestag

Nur drei Monate nach ihrem Eintritt bei den Piraten kündigt die Unternehmerin Anke Domscheit-Berg an, für ein Bundestagsmandat zu kandidieren. Sie möchte Spitzenkandidatin in Brandenburg werden, sagte die frühere Grüne SPIEGEL ONLINE.

dapd

Von


Hamburg - Die basisdemokratische Piratenpartei bekommt eine neue Führungsfigur. Die Unternehmerin Anke-Domscheit Berg, die erst im Mai in die Partei eingetreten ist, möchte mit den Piraten in den Bundestag einziehen. "Ich will Spitzenkandidatin in Brandenburg werden", sagte die 44-Jährige SPIEGEL ONLINE. "Ich glaube, dass ich die richtigen Kompetenzen mitbringe, um viel zu bewegen."

Domscheit-Berg berät Firmen, die Frauen in Führungspositionen stärken wollen, sowie Behörden in Fragen der Transparenz. Ihre Kandidatur begründete sie so: "Bei Themen, die für die Piraten sehr wichtig sind, wie Open Government oder transparente Verwaltung, bringe ich große Expertise mit, von der es in der Partei nicht beliebig viel gibt." Die Piraten bräuchten Fachpolitiker.

"Im Bundestag kommt es darauf an, dass wir bei den Themen, für die man uns wählt, besonders starke Personen haben, die sich auskennen", sagte die frühere Microsoft-Managerin. Sie habe nicht nur Fachexpertise, sondern wisse auch, wie man Ziele durchsetzt. Als Minderheitenpartei müssten die Piraten überzeugender auftreten, damit sie ihre Ziele erreichten. "Das kann ich gut, das macht mir Spaß", sagte Domscheit-Berg. Am Freitagmittag veröffentlichte sie ihre Kandidatur im Wiki der Partei.

In der Piratenpartei sind solche Blitzkarrieren, wie sie Domscheit-Berg nun hinlegen möchte, allerdings umstritten. Immer wieder wird von Piraten scharfe Kritik an Neumitgliedern laut, die wenige Monate nach ihrem Eintritt an die Spitze drängen. Auf Mailinglisten und in Foren wird gegen "Karrieristen" gekeift, die vom Erfolg der Partei angezogen würden.

Kritik an Blitzkarriere

Das wird auch Domscheit-Berg aushalten müssen. Schon vor wenigen Tagen, nachdem sie auf dem Landesparteitag in Brandenburg auftrat und eine Kandidatur für Mandate offen ließ, musste sie sich auf Twitter kritische Nachfragen gefallen lassen. "Was hast Du denn bis jetzt für die Piraten geleistet? In welchen AGs bist Du?" schrieb jemand. Dazu sagte Domscheit-Berg SPIEGEL ONLINE: "Solche Argumente nerven besonders, weil sie die klassische Ochsentour wie bei Altparteien einfordern." Meinungen wie diese seien "komplett unpiratig".

In der Tat winken trotz sinkender Umfragewerte in keiner anderen Partei so schnell so viele Mandate in Parlamenten wie derzeit bei den Piraten. Doch gerade im Rennen um die Bundestagsmandate ist die Konkurrenz groß. Die Brandenburger Piraten wollen Ende Oktober ihre Landesliste für die Bundestagswahl im September 2013 aufstellen.

Domscheit-Berg war bis vor wenigen Wochen Mitglied der Grünen. Sie war erst Anfang Mai gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem früheren WikiLeaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg, den Piraten beigetreten. Den Wechsel vollzog sie drei Tage vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Schon zuvor hatte sie allerdings immer wieder öffentlich Partei für die Newcomer ergriffen. Doch auch bei ihrem Parteieintritt waren Stimmen laut geworden, die sie als Karrieristin bezeichneten, die nur auf ein Mandat bei den Piraten spekuliere.

Sollte sie im September 2013 mit den Piraten tatsächlich in den Bundestag einziehen, will die Unternehmerin ihre Beratungsgeschäfte ruhen lassen. "Ich werde keine Teilzeitabgeordnete sein, die nebenbei Geschäfte macht."

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
watermark71 24.08.2012
1. Wenn der Job nichts mehr bringt wird man Politiker
Ja - so ein Bundestagsmandat ist schon verlockend. Da kann man andere "richtige" Arbeit für einstellen. War irgendwie zu erwarten, dass gerade die Piraten derartige Luftnummern anziehen. Und in einer Weise hat die Dame ja recht: Fachkompetenz ist bei den Piraten selten. Allerdings: mit ihrem Einzug kommt die auch nicht zwangsläufig zustande.
manontherocks 24.08.2012
2. Es liegt ja an uns, den Wählern
Zitat von sysopdapdNur drei Monate nach ihrem Eintritt in die Partei will die Unternehmerin Anke Domscheit-Berg für die Piraten in den Bundestag einziehen. Sie möchte Spitzenkandidatin in Brandenburg werden, sagte die frühere Grüne SPIEGEL ONLINE. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,851814,00.html
ob wir auf solche Kandidaten reinfallen, oder nicht. Wenn wir drauf reinfallen, haben wir es nicht besser verdient.
monika8 24.08.2012
3. Unpiratig
Zitat von sysopdapdNur drei Monate nach ihrem Eintritt in die Partei will die Unternehmerin Anke Domscheit-Berg für die Piraten in den Bundestag einziehen. Sie möchte Spitzenkandidatin in Brandenburg werden, sagte die frühere Grüne SPIEGEL ONLINE. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,851814,00.html
Die gute Anke will also keine Ochsentur machen sondern direkt innen Bundestag, weil naemlich das absolut wichtig waere fuer die Piraten, weil die ja ziemlich inkompetent und ueberhaupts unpiratig rueber kaemen so ganz ohne Domscheitin als Fraktionsvorsitzende. Absaufen, Piraten.
disi123 24.08.2012
4. Also
ich denke nicht das alle Kandidaten nur auf einen Platz im Bundestag aus sind. Irgendjemand muss ja dann auch auf die Liste und lieber Leute nehmen die sich dafuer engagieren und auch den Job machen wollen. Man schaue sich einige Landeschefs an, die das Handtuch zwischendurch geworfen hatten weil der Job zuviel Arbeit mit sich bringt. Also lieber Leute, die wirklich Zeit und Willen mitbringen als Eintagsfliegen...
joint 24.08.2012
5. Wahnsinn
Es ist also "unpiratig", für die Partei irgendwas zu tun, bevor man MdB wird. Genau wegen solchen Egomanen und Profilneurotikern werden die Piraten vermutlich überhaupt nicht einziehen, wenn es so weiter geht. Außerdem ist das genau die Art von Politikern, die die Welt nicht braucht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.