Ankerzentren Polizeigewerkschaft fordert Videoüberwachung und Fluchträume

Nach den Vorfällen in Ellwangen fürchtet die Polizeigewerkschaft bei den geplanten Asylzentren um die Sicherheit der Beamten. "Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen", sagt Gewerkschaftschef Rainer Wendt.

Rainer Wendt
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Zäune, Videoüberwachung, Fluchträume für Mitarbeiter: Nach dem Großeinsatz der Polizei in einer Flüchtlingsunterkunft in Ellwangen hat die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) strikte Sicherheitsvorkehrungen für die geplanten Ankerzentren gefordert. "Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen", sagte deren Vorsitzender Rainer Wendt der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Die Ankerzentren brauchen eine sorgfältige Vorbereitung. Die Sicherheit der Einsatzkräfte muss dabei oberste Priorität haben. Laut Wendt seien deshalb auch Eingangsschleusen für Waffen- und Drogenkontrollen sowie Zäune nötig.

In den von Bundesinnenminister Horst Seehofer(CSU) geplanten Zentren sollen Asylbewerber für die gesamte Dauer ihrer Antragsprüfung untergebracht werden.

In der Einrichtung im baden-württembergischen Ellwangen hatten sich vergangene Woche nach Polizeiangaben bis zu 200 Bewohner zusammengeschlossen, um die Abschiebung eines Mannes aus Togo zu verhindern. Ein erster kleinerer Polizeieinsatz musste abgebrochen werden. Wenige Tage später rückte die Polizei mit einem Großaufgebot aus Hunderten Beamten in die Unterkunft ein, um die Abschiebung durchzusetzen und Kontrollen vorzunehmen. Mehrere Bewohner wurden festgenommen.

Pilotprojekte sollen bald starten

Der Vorfall hatte auch die Debatte um die von Seehofer geplanten Ankerzentren neu angefacht. In ihnen sollen Asylbewerber für die gesamte Dauer ihrer Antragsprüfung untergebracht werden. Ab August 2018 sollen fünf bis sechs erste Pilotprojekte gestartet werden.

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) forderte Seehofer auf, nun konkrete Vorschläge zur Gestaltung der Ankerzentren vorzulegen. "Die Vorfälle in Ellwangen sollten jetzt nicht dazu führen, die Idee der Ankerzentren vom Tisch zu fegen", sagte Pistorius der "Berliner Zeitung". Diese könnten "vielleicht sogar ein Erfolgsmodell werden". Aber die Vorfälle zeigten, "dass wir sehr genau miteinander besprechen müssen, wie diese aussehen".

mho/AFP



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