Flüchtlinge "Ankerzentren" in Bayern gestartet

Sie sollen Asylverfahren vereinfachen und beschleunigen: Bayern hat als erstes Bundesland "Ankerzentren" eröffnet. Der bayerische Innenminister Herrmann lobt die neuen Einrichtungen. Aber es gibt auch Kritik.

Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf, Bayern
DPA

Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf, Bayern


Die Diskussionen um die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung haben den bisherigen Sommer geprägt. Beinahe wäre an diesem Streit sogar die Union aus CDU und CSU zerbrochen. Am Ende einigten sich die Parteien auf einen Kompromiss. Nun, gut drei Wochen später, nehmen in Bayern die ersten "Ankerzentren" ihren Betrieb auf.

Die Einrichtungen sollen Asylverfahren und damit auch die Abschiebung oder Rückführung derjenigen Migranten beschleunigen, die kein Bleiberecht haben. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lobte den Start. Durch die Bündelung aller wichtigen Behörden innerhalb der Zentren bekomme man noch schneller Klarheit über den Ausgang des Asylverfahrens, sagte er.

Das Ziel ist, Asylbewerber vor Abschluss ihres Asylverfahrens gar nicht erst auf die Kommunen zu verteilen. Wird ein Antrag abgelehnt, werden die Betroffenen direkt aus den "Ankerzentren" heraus abgeschoben.

Asylbewerber dürfen Zentren nicht verlassen? - "Völliger Unsinn"

Vorwürfe, wonach Asylbewerber die Zentren nicht verlassen dürften, wies Herrmann als "völligen Unsinn" zurück. "Die Bewohner dürfen ihre Unterkünfte selbstverständlich verlassen, um beispielsweise Einkäufe oder dergleichen zu erledigen", sagte er. Kritiker sprechen hingegen von "Isolation" und "Internierung" der Betroffenen.

Weiter Vorwürfe kamen zum Start der "Ankerzentren" von Save the Children. Diese Einrichtungen seien "kein Ort für Kinder und Familien", erklärte die Kinderrechtsorganisation. Gerade für Heranwachsende böten solche großen Sammelunterkünfte keine geschützten und sicheren Räume. "Ankerzentren behindern ein kindgerechtes Aufwachsen. Sie sorgen für Spannungen und Aggressionen", sagte Susanna Krüger, Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland.

Zudem gab es Warnungen vor einer zu langen Unterbringung. Aber auch das wies Herrmann zurück. Der Aufenthalt in den Einrichtungen soll in der Regel nicht länger als 18 Monate dauern, Familien mit minderjährigen Kindern sollen dort nicht länger als sechs Monate untergebracht werden. Oft soll es aber schneller gehen: "Bei Neuankommenden wird sich der durchschnittliche Aufenthalt oftmals im Bereich weniger Monaten bewegen", sagte Herrmann.

aev/AFP/dpa



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