CDU-Politikerin Kramp-Karrenbauer Merkels Nummer eins

Wer folgt auf Angela Merkel? Wenn es klappt mit der Großen Koalition, könnte die saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer nach Berlin wechseln - und sich für das Erbe der Kanzlerin empfehlen.

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Wer dieser Tage in der saarländischen Staatskanzlei anruft, um sich nach der Zukunft von Annegret Kramp-Karrenbauer zu erkundigen, wird höflich beschieden: Man werde sich zu Gerüchten und Spekulationen über die Ministerpräsidentin nicht äußern.

Was sollen sie auch sagen in Saarbrücken. Noch steht ja die Große Koalition in Berlin nicht. Ab Sonntag wollen Union und SPD sondieren, bevor dann offiziell ein Bündnis verhandelt wird, müssen die Sozialdemokraten die Zustimmung eines Parteitags einholen, dann... Es dauert - womöglich noch monatelang, bis Schwarz und Rot sich geeinigt haben. Und erst ganz am Schluss, so ist das üblich, werden die Personalien innerhalb der Parteien und miteinander verhandelt.

Der Fahrplan zur Regierungsbildung
    4. bis 6. Januar:Die CSU-Landesgruppe trifft sich zur Klausurtagung im Kloster Seeon.
  • 7. Januar: Ab diesem Tag beginnen die Regierungssondierungen.
  • Zweite Januarwoche: Heiße Phase der Sondierungen, in der beide Seiten Kernprojekte und Kompromisslinien festlegen. Am 12. Januar soll ein Ergebnis vorliegen, mit dem sich die jeweiligen Parteigremien befassen können.
  • 21. Januar: Ein SPD-Sonderparteitag soll in Bonn über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit CDU/CSU entscheiden. Bei der CDU soll der Vorstand darüber entscheiden.
  • 22. Januar: Bei einem Ja der SPD können ab diesem Tag konkrete Verhandlungen beginnen. Der Koalitionsvertrag soll nicht wieder so detailreich und fast 200 Seiten stark wie beim letzten Mal sein, um Raum für lebendige Debatten und Entscheidungen im Bundestag zu geben.
Mitte Februar: Ein SPD-Mitgliederentscheid könnte dann über den Vertrag und die neue Regierung abstimmen. Das kann bis zu drei Wochen dauern und zwei Millionen Euro kosten.

Einiges spricht aber dafür, dass die CDU-Politikerin Kramp-Karrenbauer, 55, dann Ministerin in Berlin wird. Und damit den nächsten großen Schritt macht für die Periode n.M., also die Zeitrechnung nach Angela Merkel.

Kramp-Karrenbauer wird seit einigen Jahren immer mal genannt, wenn es um die Zukunft der Partei geht. Und oft sind die Reaktionen dann ganz ähnlich, wie sie es zur Spätzeit Helmut Kohls gegenüber Merkel waren: "Die doch nicht." Zwei unterschätzte Frauen, die sich vielleicht auch deshalb so gut verstehen.

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Annegret Kramp-Karrenbauer: Steiler Aufstieg der Parteisoldatin

Merkel jedenfalls hält große Stücke auf die acht Jahre Jüngere. Und wer Kramp-Karrenbauer einmal im kleinen Kreis erlebt hat, kann das verstehen: Die CDU-Politikerin ist schnell im Kopf, formuliert präzise, hat Humor. Also ungefähr so wie Merkel im kleinen Kreis.

Kramp-Karrenbauer, der Einfachheit halber gern AKK genannt, ist allerdings keine Wiedergängerin Merkels: Die Politikwissenschaftlerin hat drei Kinder, kommt aus dem tiefsten Westen der Republik, ist katholisch.

Ihr mag die Präsenz einer Julia Klöckner oder Ursula von der Leyen fehlen, der öffentlich zur Schau gestellte Ehrgeiz eines Jens Spahn. Aber die etwas spröde wirkende Saarländerin hat, was manche Parteifreunde, die sich zu Höherem berufen fühlen, nicht haben: Wahlen gewonnen.

Auch das dürfte aus Merkels Sicht für sie sprechen. 2012 ließ Kramp-Karrenbauer erst die Jamaika-Koalition im Saarland platzen, um sich in der anschließenden Landtagswahl das Mandat als Ministerpräsidentin zu holen, 2017 fuhr sie sogar 40,7 Prozent der Stimmen für die CDU ein - und trug ganz nebenbei dazu bei, dass der Aufschwung von Martin Schulz und der SPD endete.

AKK ist ein christdemokratisches Schwergewicht

Außerhalb ihrer Heimat des Saarlands ist die Ministerpräsidentin immer noch wenig bekannt, in der CDU aber gut vernetzt. Dort sitzt sie seit 2010 auch im Präsidium. AKK ist längst ein christdemokratisches Schwergewicht. Damit sie nun auch im Bund an Profil gewinnt, wäre der Schritt nach Berlin logisch.

Zumal sie Zuhause alles erreicht hat. "Was sollte da im Saarland noch kommen?", fragte vor wenigen Wochen die "Saarbrücker Zeitung". Kramp-Karrenbauer hat so gut wie jedes Ressort geführt, ist seit sechs Jahren Regierungschefin. Mancher Landespolitiker ist sich ganz sicher, dass sie nach Berlin geht, falls es mit der GroKo klappt. Demnach soll es bereits ausgemachte Sache sein, dass Finanzminister Stephan Toscani für diesen Fall neuer Ministerpräsident wird. Es heißt, die SPD - Koalitionspartner an der Saar - habe keine Einwände.

Und mancher glaubt, weitere Indizien zu erkennen, dass Kramp-Karrenbauer an ihrem künftigen Profil bastelt: So hat die Ministerpräsidentin gerade mit Nico Lange einen in der Union bestens vernetzten Außenpolitik-Experten bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung abgeworben. Lange wird in der Saarbrücker Staatskanzlei "Bevollmächtigter für Innovation und Strategie".

Kramp-Karrenbauer könnte sich in Berlin warmlaufen

Aus Merkels Sicht wäre ein Wechsel Kramp-Karrenbauers nach Berlin geradezu zwingend, falls sie den Übergang wirklich selbst gestalten und eine Nachfolgerin aufbauen will. Als Chefin eines wichtigen Ressorts, etwa des Arbeits- und Sozialministeriums, könnte Kramp-Karrenbauer rasch bundespolitisch an Renommee gewinnen - und sich damit als künftige CDU-Chefin oder sogar Kanzlerin warmlaufen. Die Frage ist nur, ob mit dem aktuellen Kanzleramtschef Peter Altmaier und Kramp-Karrenbauer zwei CDU-Politiker aus dem kleinen Saarland in einem künftigen Kabinett vertreten sein könnten.

Natürlich gibt es in der Politik keine Erbhöfe. Aber solange Merkel an der Macht ist, kann sie versuchen, die Weichen für die Zeit danach zu stellen. Dafür würde die CDU-Chefin Zeit gewinnen, falls es mit der Neuauflage der Großen Koalition klappt.

Kramp-Karrenbauer könnte ein Angebot sein für die Anhänger des Merkel-Kurses - und darüber hinaus. Familien- und arbeitsmarktpolitisch steht sie sogar für eine "linkere" CDU. In ethisch-moralischen Fragen dagegen vertritt die Christdemokratin teilweise sehr konservative Positionen: So hat sich AKK, Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, kürzlich klar gegen die Aufhebung des Werbeverbots für Abtreibungen ausgesprochen. Sie trat auch vehement gegen die Einführung der Ehe für alle ein. Und in der Flüchtlingspolitik sprach die CDU-Frau sich zuletzt für manche Verschärfung aus.

Natürlich schweigt Kramp-Karrenbauer selbst zu ihren Karriereplänen. Während der Sondierungen über eine mögliche Jamaika-Koalition sagte sie dem "Saarländischen Rundfunk" zu einem möglichen Wechsel nach Berlin lediglich: "Ich habe in meinem Leben gelernt, dass es überhaupt nichts nützt, ob ich etwas ausschließe oder nicht, weil Dinge sich oft anders entwickeln, als man dies selber plant."



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insgesamt 150 Beiträge
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Seite 1
Odde23 04.01.2018
1.
Frau Kram-Karrenbauer steht für das, wofür auch Merkel steht. Auch wäre es kein Generationenwechsel sondern ein "Weiter so". Nein, Frau Kramp-Karrenbauer ist genau so wenig für die Nachfolge von Merkel geeignet, wie Frau von der Leyen.
mullertomas989 04.01.2018
2. Warum nicht mal ein SPDler?
Es darf auch gerne mal eine andere Partei den Kanzler stellen. Nur außer Olaf Scholz fällt mir hier niemand realistisches ein. Malu Dreyer und Stephan Weil haben auch einen angenehm sachlichen Stil, aber vermutlich kaum Ambitionen auf das Kanzleramt. Und wenn ich dann Olaf Scholz mit AKK vergleiche, ist die Sache klar. Da hätte Uschi von der Leyen noch bessere Chancen.
K:F 04.01.2018
3. Pippe Langstrumpfprinzip
Merkel macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Die CDU mit Merkels Osramklatschhasen werden wohl so blöd nicht sein, eine willfähige AKK zur Nachfolge von Merkel zu küren. Es wird Zeit, dass die CDU lernt, diejenigen zu küren, die über die besten Zukuftskonzepte verfügen und das den Menschen auch erklären wollen und können.
Stefan_C 04.01.2018
4. Wahlen gewonnen haben
Einen Satz sollte die SPD bei ihrer Wahlanalyse besonders berücksichtigen: "Aber die etwas spröde wirkende Saarländerin hat, was manche Parteifreunde, die sich zu höherem berufen fühlen, nicht haben: Wahlen gewonnen." Alle gescheiterten SPD-Kanzlerkandidaten der Vergangenheit konnten damit nicht aufwarten. Von daher sollte Malu Dreyer in Zukunft eine größere Rolle spielen (und Schulz sollte einfach zurücktreten). Gut, die Merkel hatte vor ihrer BK-Kandidatur auch keine Wahl gewonnen, aber das zählt nicht wirklich ;).
brux 04.01.2018
5. Hinweise
Zitat von Odde23Frau Kram-Karrenbauer steht für das, wofür auch Merkel steht. Auch wäre es kein Generationenwechsel sondern ein "Weiter so". Nein, Frau Kramp-Karrenbauer ist genau so wenig für die Nachfolge von Merkel geeignet, wie Frau von der Leyen.
Von der Leyen hat zwei Uniabschlüsse und spricht fliessend English und Französisch. Im Verteidigungsministerium zu überleben, ist auch etwas. Für mich eine echte Alternative.
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