Politischer Aschermittwoch Kramp-Karrenbauer attackiert Kritiker ihrer Karnevalsrede

"Wir sind das verkrampfteste Volk der Welt": CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer versteht die Kritik an ihren Äußerungen über intergeschlechtliche Menschen nicht - und ist zum Gegenangriff übergegangen.

Annegret Kramp-Karrenbauer
CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

Annegret Kramp-Karrenbauer


Mit ihren Äußerungen vor dem Stockacher Narrengericht zu Toiletten für das dritte Geschlecht hatte Annegret Kramp-Karrenbauer scharfe Kritik auf sich gezogen. Am politischen Aschermittwoch hat die CDU-Vorsitzende ihre Aussagen in einer kämpferischen Rede nun verteidigt. Man dürfe "nicht alles auf die Goldwaage legen".

Für die große Aufregung zeigte Kramp-Karrenbauer keinerlei Verständnis. Im Gegenteil kritisierte sie die Empörung selbst: "Wenn wir da so verkrampfen, wie wir es die letzten Tage getan haben, dann geht ein Stück Kultur in Deutschland verloren. Und das sollten wir nicht zulassen", sagte sie. "Wir sind das verkrampfteste Volk der Welt."

Die CDU-Chefin hatte vergangene Woche im baden-württembergischen Stockach in einer Karnevalsrede die Einführung von Toiletten für das dritte Geschlecht thematisiert: "Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist die Toilette." Dafür wurde Kramp-Karrenbauer umfassend kritisiert - auch von Mitgliedern der Union.

Tagelang über "Blödsinn" diskutiert

Sie bezog sich auch auf eine Debatte darüber, ob Kinder sich zu Karneval noch als Indianer oder als Scheich verkleiden dürften oder ob das kulturell unangebracht sei und Vorurteile bediene. "Ich habe den Eindruck, wir haben keine wirklichen Probleme mehr in unserem Land", sagte Kramp-Karrenbauer nun. Tagelang sei "über so einen Blödsinn" diskutiert worden.

Grünen-Chef Robert Habeck sagte noch in seiner eigenen Rede zum politischen Aschermittwoch, dass sich Kramp-Karrenbauer für ihren Scherz hätte entschuldigen sollen. (Lesen Sie hier die Aussagen von Habeck, Jörg Meuthen (AfD), Markus Söder (CSU) und weiteren Spitzenpolitikern im Minutenprotokoll)

Aufruf zu engagiertem Europawahlkampf

Kramp-Karrenbauer rief ihre Partei auch zu einem engagierten Europawahlkampf auf: "Das ist keine Europawahl wie sie sonst immer war", sagte sie. Diesmal gehe es um die entscheidende Frage, ob man mit den eigenen Werten in der Welt noch eine Rolle spielen wolle oder nicht.

Kramp-Karrenbauer forderte die Europäische Union auf, sich "nicht um jede Kleinigkeit" zu kümmern, sondern um die wichtigen Themen: "Die große Frage ist der Schutz der Außengrenze, das ist unsere Aufgabe, das müssen wir gewährleisten."

Außerdem sei eine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik erforderlich. Im Streit zwischen Russland und den USA um den INF-Abrüstungsvertrag erlebe Europa gerade, "wie wir auf einmal Spielball wieder werden", sagte die CDU-Vorsitzende. "Und das wollen wir nicht. Und deswegen müssen wir uns hier in Europa auch selbst aufstellen."



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.

Wer steckt hinter Civey?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

aev



insgesamt 247 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
w200893 06.03.2019
1. Gegenangriff
Recht hat sie.
geschädigter5 06.03.2019
2. Verkrampft
ist nur AkK. wenn sie nicht in der Lage ist, zwischen Scherzen und Beleidigungen an Menschen, die sich nicht direkt hierzu wehren können, gehört sie überall hin, nur nicht in ein politisches Amt. Diese Rede zeigt, dass sie nur Polemik bringen kann. Abscheulich!
andregera 06.03.2019
3. Super Ansage AKK!!
Dankeschön! Heulsuse Habeck setzen. Sechs.
thorsten35037 06.03.2019
4.
Political Correctness ist der Tod jeder Kommunikation. Am Ende werden wir nur noch vorsichtige und eingeschüchterte Leute haben, die krampfhaft nach einer korrekten Formulierung suchen. Das hat mit gegenseitigem Respekt nichts mehr zu tun. Insofern gilt mein Mitgefühl mit AKK.
miclic 06.03.2019
5. Wozu entschuldigen?
Manche Leute haben den Sinn von Fastnacht nicht verstanden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.