CDU-Chefin in Demmin Kramp-Karrenbauer lässt es krachen

Von wegen Merkel-Kopie: Nach der Kritik an ihrer Fastnachtsrede holt Annegret Kramp-Karrenbauer beim politischen Aschermittwoch zum Rundumschlag aus. Im Saal wird gejubelt. Und draußen?

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Aus Demmin berichtet


An den Bierbänken, eingedeckt in den Deutschlandfarben und denen des Landes Mecklenburg-Vorpommern, können sie sich gar nicht einkriegen. Diese Kramp-Karrenbauer, Donnerlittchen! Dass sie aus dem Saarland kommt, katholisch ist und die Amtszeit ihrer Angela Merkel als CDU-Chefin beendet hat - das ist nach dieser Rede in der Tennishalle von Demmin fast schon vergessen. Klar, Merkel war politisch eine von hier, aber ihre Aschermittwochsauftritte glichen zunehmend Politikseminar-Vorträgen. Trotz Blaskapelle.

Annegret Kramp-Karrenbauer dagegen hat nur wenige Sätze gesagt an diesem Abend, da ist der Saal schon am Feiern. Sie bringt wieder Leben in die Bude. Dass da ab und an ein Tusch vom Band kommt, merkt schon keiner mehr.

Kurzer Rückblick: Der politische Aschermittwoch im vorpommerschen Demmin war Merkels Veranstaltung. 21 Mal trat sie als Hauptrednerin auf, zunächst als Generalsekretärin, dann fast zwei Jahrzehnte als CDU-Vorsitzende. Nur wegen der Bundestagsabgeordneten des nahen Wahlkreises Vorpommern-Rügen-Greifswald schaute die Republik einmal im Jahr auf das kleine Städtchen, reisten die bundespolitischen Berichterstatter pflichtschuldig an. Merkel importierte zu Fischbrötchen, Würstchen und Bier den Aschermittwoch in den hohen Nordosten.

Tradition in der Tennishalle

Aber nun ist es im wahrsten Wortsinn die Show von Kramp-Karrenbauer, genannt AKK. Zunächst berichtet sie, wie Merkel ihr ans Herz legte - da war Kramp-Karrenbauer in Hamburg vergangenen Dezember gerade zur neuen Vorsitzenden gewählt -, sie möge doch die Demminer Tradition fortsetzen. Die Zusage erfolgte offenbar sogleich. Das gibt schon mal den ersten Beifall in der Tennishalle. "Und ich bedanke mich ganz besonders, dass ihr aus der Bierdusche keine Tradition gemacht habt", sagt die Vorsitzende in Anspielung auf das Malheur Merkels, die vor einigen Jahren versehentlich den Inhalt gleich mehrerer Gläser abbekam. Großes Gelächter im Saal.

Jetzt geht es erst richtig los. Kramp-Karrenbauer, dunkler Hosenanzug, orange Bluse, hat sich offenbar vorgenommen, an diesem Abend ihren Kritikern mal so richtig zu zeigen, was eine Harke ist. Natürlich im Wissen - AKK kennt ihre Partei auch in diesen Gefilden gut genug -, wie viel Zustimmung sie hier dafür erfährt.

Zum ersten Mal äußert sie sich zu der Kritik an ihrer Rede vor dem Stockacher Narrengericht - und geht ihrerseits zur Attacke über. Kramp-Karrenbauer hatte vergangenen Donnerstag zu der Einführung von Toiletten für das dritte Geschlecht gesagt: "Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist die Toilette."

"Das verkrampfteste Volk der Welt"

Über Vieles habe sie in dieser Diskussion nur den Kopf schütteln können, sagt die CDU-Chefin nun. Sie sei vor dem Narrengericht der Entmannung ihrer Partei angeklagt gewesen - bei ihrer Erwiderung sei es nicht um ein drittes Geschlecht, "sondern um die Frage von Emanzen, von Machos, vom Verhältnis von Mann und Frau" gegangen. Ihren Parteifreunden ruft sie zu: "Manchmal muss man einfach auch genau hinschauen, bevor man sich über irgend etwas künstlich aufregt."

Das Problem ist nur: Selbst wenn man das in diesem Fall tut, kann man ihren Spruch als verstörend empfinden - auch ohne politisches Kalkül.

Das wiederum haben viele ihrer Kritiker aus anderen Parteien, die ihre Aschermittwochs-Veranstaltungen auch prompt für erneute AKK-Schelte nutzten. Und das ärgert Kramp-Karrenbauer. Ist Deutschland allerdings deshalb wirklich "das verkrampfteste Volk, das überhaupt je auf der Welt rumläuft", wie sie aus der Debatte folgert? "Das kann doch so nicht weitergehen", sagt die CDU-Chefin.

Eine Frage des Maßes

Aber nun macht sie die ganz große Verbots-Nummer auf: Die Hamburger Kita, die gerade Indianer-Kostüme für unerwünscht erklärt hat, die Debatte um Feinstaub beim Silvester-Böllern, Fleischesser vs. Vegetarier/Veganer - "das ist doch alles ein Wahnsinn, was wir hier erleben". Für die CDU gelte nach wie vor: "Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden." Das Maß, findet Kramp-Karrenbauer, "stimmt nicht mehr".

In der Demminer Tennishalle ist die Stimmung jetzt auf dem Höhepunkt. Die CDU-Chefin drückt offenbar aus, was viele hier denken. Aber draußen im Land? Der Ton Kramp-Karrenbauers, die Frage des Maßes, könnte hier schon ein Problem sein. Die Merkel-Nachfolgerin an der CDU-Spitze zeigt immer mehr, wie anders sie ist. Die bisherige Vorsitzende und Noch-Kanzlerin hat bis zur Beliebigkeit auf die politische Mitte gesetzt. Kramp-Karrenbauer ist kampfeslustig, sie setzt sich zur Wehr - und will die CDU offenbar auch wieder entsprechend ausrichten.

Wie differenziert sie dabei über andere Dinge spricht, könnte dabei leicht überdeckt werden. So wie an diesem Abend in Demmin. Europapolitik, Klimaschutz, Digitalisierung, Grundrente, Urheberrecht: Natürlich formuliert sie das eine oder zugespitzt, attackiert auch mal SPD-Finanzminister Olaf Scholz oder Justizministerin Katarina Barley - aber sowas gehörte selbst bei Merkel am Aschermittwoch dazu. Da ist es im Saal allerdings auch schon deutlich unruhiger geworden. Hängen bleibt auch hier ihre klare Ansage: Ich habe nichts zurückzunehmen - und kriegt Euch mal alle wieder ein.

Nach 45 Minuten ist Schluss, die Blaskapelle spielt wie zu ihrem Einzug nochmal das Steigerlied, Kramp-Karrenbauer singt lauthals mit. Sie macht einen sehr zufriedenen Eindruck.



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Seite 1
michlmeik 06.03.2019
1. Wo Sie Recht hat -hat Sie Recht
AKK gefällt mir und wo sie Recht hat hat Sie einfach Recht. Diese Links-Grünen Weltverbesserer und Oberlehrer Wasser Prediger und Weinsäufer Nix Versteher und Alles Besser Wisser , Arbeitplatz und Steuer Vernichter hab ich ich gewaltig satt. Haben keine eine Ahnung vom Praktischen Leben und Arbeiten evtl. nur Studierte Lebensversager. So jetzt ist es rauß, des muß mal gesagt werden. AKK gefällt mir und wo sie Recht hat hat Sie einfach Recht. Diese Links-Grünen Weltverbesserer und Oberlehrer Wasser Prediger und Weinsäufer Nix Versteher und Alles Besser Wisser hab ich ich gewaltig satt. Haben keine eine Ahnung vom Praktischen Leben und Arbeiten evtl. nur Studierte Lebensversager. So jetzt ist es rauß, des mußte mal gesagt werden bevor ich Ausfällig werde.
borstigerwolf 06.03.2019
2. Toll, endlich sagt mal jemand was Richtiges
Endlich nennt mal jemand Blödsinn auch Blödsinn! Drittes Geschlecht, gendergerechte Sprache und die ganze übrige PC— alles das ist einfach nur dämlich. Nur leider traut sich das kein Politiker zu sagen, alle plappern alles nach, um nicht zurücktreten zu müssen. Denken wird in Wirklichkeit kaum jemand so, außer einiger weniger Verbohrter Kümmelspalter. Hut ab vor dem Mut von AKK!
three-horses 06.03.2019
3. Das Beste von Vorher.
"nimue15 "Wir sind das verkrampfteste Volk der Welt." Nee, Annegretchen - such dir ein anderes."
nordlicht123321 06.03.2019
4. Aufbruch?
Sollte die von vielen als Merkel 2.0 titulierte AKK doch nicht Herzblatt von Spiegel und ZEIT,ich trau mich auch noch SZ,sein? Was erlauben Annegret? Kein politisch korrekter Witz (Trump,Orban,AfD),und dann kein Kotau vor den Empörten? So haben viele wohl nicht gewettet. Und tatsächlich,die Welt dreht sich trotzdem weiter...Als hätte jemand ein Fenster geöffnet und frisch durchgelüftet.
RolfWolf 06.03.2019
5. Wenn AKK so weitermacht
und ihren anscheinend gesunden Menschenverstand weiter nutzt und den Worten Taten folgen lässt, könnte ich glatt wieder CDU wählen.
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