Merkel-Nachfolge Erste SPD-Politiker schließen Wahl von Kramp-Karrenbauer aus

Fliegender Wechsel? Niemals. Im SPIEGEL warnen führende Sozialdemokraten Kanzlerin Merkel davor, ihr Amt an CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer zu übergeben: "Das wird niemand in der SPD mitmachen."

SPD-Spitzen Andrea Nahles, Johannes Kahrs (Mitte)
HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutterstock

SPD-Spitzen Andrea Nahles, Johannes Kahrs (Mitte)

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Führende Sozialdemokraten schließen aus, im Falle eines Rückzugs von Angela Merkel die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer im Bundestag zur Kanzlerin zu wählen. "Wenn Frau Merkel versuchen sollte, ihre Kanzlerschaft an Frau Kramp-Karrenbauer zu übergeben, gäbe es sofort Neuwahlen", sagte der Chef des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

"Das wird niemand in der SPD mitmachen, allein wir Seeheimer würden Amok laufen", sagte Kahrs. "Die CDU hatte die Auswahl zwischen drei möglichen Vorsitzenden, und sie hat die Niete gezogen. Das hat die Union jetzt davon."

Ähnlich deutlich äußerten sich der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert sowie der Chef des größten SPD-Landesverbands Nordrhein-Westfalen, Sebastian Hartmann. "Würde Merkel abtreten, wäre das quasi die Aufkündigung der Geschäftsgrundlage dieser Regierung. Wir könnten eine solche Machtübergabe definitiv nicht mitmachen", betonte Kühnert.

"Wir haben einen Koalitionsvertrag mit Frau Merkel als Kanzlerin unterzeichnet", sagte NRW-SPD-Chef Hartmann: "Wir schauen auf uns und werden sicher nichts unternehmen, um die Führungskrise der CDU zu befrieden. Schon gar nicht werden wir ihr bei irgendeiner Erneuerung helfen. Da sollten wir als SPD die Nerven bewahren."

Im Video: Politischer Aschermittwoch - Kramp-Karrenbauer schlägt zurück

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Die Entschlossenheit, Kramp-Karrenbauer keinesfalls zur Kanzlerin zu wählen, durchzieht nach SPIEGEL-Informationen weite Teile der SPD-Führung. Die Sozialdemokraten sehen die CDU-Vorsitzende als Hauptkonkurrentin im nächsten Wahlkampf und wollen unbedingt vermeiden, Kramp-Karrenbauer mit einer Wahl zur Kanzlerin einen frühen Vorteil zu verschaffen.

Kramp-Karrenbauer schärfte jüngst ihr konservatives Profil. Sie sprach nach dem CDU-Werkstattgespräch zu Migration von Grenzschließungen als "Ultima Ratio", sie griff die Deutsche Umwelthilfe an, zuletzt witzelte Kramp-Karrenbauer bei einer Faschingsveranstaltung über Toiletten für das dritte Geschlecht. Bei ihrem Aschermittwochsauftritt in Mecklenburg-Vorpommern legte die CDU-Chefin nach: Sie habe das Gefühl, die Deutschen seien das verkrampfteste Volk, "das überhaupt auf der Welt herumläuft, das kann doch so nicht weitergehen".

Der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel teilt in dieser Frage offenbar Kramp-Karrenbauers Einschätzung. Er verteidigte sie gegen Kritik zu ihrem Karnevalswitz. "Ich frage mich, ob wir vergessen haben, was der Begriff Narrenfreiheit heißt", sagte der SPD-Politiker der "Augsburger Allgemeinen". "Wenn wir jetzt anfangen, im Fasching jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, dann wäre vor zehn, zwanzig Jahren die Hälfte der Politiker in Haft genommen worden", fügte Gabriel hinzu. Ob man den Witz gut oder schlecht finde, darüber könne man immer streiten, aber er sei gegen eine öffentliche "Humorpolizei".

Mit Material von dpa



insgesamt 422 Beiträge
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rz231 08.03.2019
1. wer's glaubt...
die Wackeldackel in der SPD werden natürlich wieder eine Güterabwägung durchführen und dann doch stillhalten.
luegun 08.03.2019
2. Überschätzt?
Die ehemalige Volkspartei mit einem Stimmenanteil zwischen 15 und 20% wird sich nach Neuwahlen kräftig die Augen reiben. Es geht eher weiter bergab als bergauf.
zolii 08.03.2019
3. Unterzeichneter Koalitionsvertrag
Moment, habe ich das richtig verstanden? Die SPD lehnt Frau AKK als potentielle Kanzlerin mit Hinweis auf den unterzeichneten Koalitionsvertrag ab. Ist das die selbe SPD die jeden anderen Koalitionsbruch seitens der Union so konsequenzlos geschehen lässt? Hypocrisy, thy name is SPD!
ausdersichtvon 08.03.2019
4. Ach die spd
wieder mal haben einige eine große klappe mit uns niemals da lach ich aber
claus7447 08.03.2019
5. Das will ich hoffen!
AKK durch die Hintertür zur BK. Ich kann mir gut vorstellen, das dies einigen Mitgliedern der Werteunion recht wäre. Merkel hält sich in der letzten Wochen auch deutlich zurück, man hört wenig bis nichts. So wie sich einige Granden der CDU CSU derzeit geben, Frage ich mich: mit wem will die Fraktion eigentlich koalieren? Den Grünen wird verstärkt vor das schienbein gehauen, mit FDP als Wunsch reicht es nirgendwo hin, die Linke wird es sicher nicht machen und wenn die SPD hinschmeißt bliebe ja nur noch die Braun Partei. Ok, da gibt es wenigstens mit der CSU die grösste Schnittmenge. Die SPD sollte sich nicht mehr an der Nase herumführen lassen. Nahles ist jetzt zwar nicht das Optimum... Aber kommt Zeit kommt Rat.
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