Reaktionen auf Kramp-Karrenbauers Wahl Kritische Töne von FDP und AfD

Spitzenpolitiker anderer Parteien und die Wirtschaft gratulieren der neuen CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer. FDP-Chef Lindner setzt eine Spitze, AfD-Chef Gauland sieht jetzt noch bessere Chancen für seine Partei.

Annegret Kramp-Karrenbauer
CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

Annegret Kramp-Karrenbauer


"Sie tritt in große Fußstapfen": SPD-Chefin Andrea Nahles hat der neuen CDU-Vorsitzenden AnnegreKrampmp-Karrenbauer "viel Erfolg" gewünscht. Jetzt gehe es darum, Probleme zu lösen, betonte Nahles und zählte auf: "Die Zukunft der Renten sichern, den Wert der Arbeit anerkennen, den Zusammenhalt in Europa stärken und vieles mehr." Sie biete in der Koalition "gute Zusammenarbeit" an.

Kramp-Karrenbauer hatte sich auf dem CDU-Parteitag in Hamburg in einer Stichwahl knapp gegen den früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz durchgesetzt.

Auch der designierte CSU-Chef Markus Söder schickte Glückwünsche. Er sprach sich für eine engere Kooperation von CDU und CSU aus. "Herzlichen Glückwunsch aus Bayern", schrieb Söder auf Twitter. "Viel Erfolg im neuen Amt. Freue mich auf eine zukünftige Zusammenarbeit."

Söder soll auf einem CSU-Sonderparteitag am 19. Januar in München zum neuen CSU-Vorsitzenden gewählt werden - als Nachfolger von Horst Seehofer, der an diesem Tag vom Parteivorsitz zurücktreten will.

FDP-Chef Christian Lindner sagte, er freue sich auf einen "fairen Wettbewerb und gute Zusammenarbeit" mit Kramp-Karrenbauer. "Eine Mehrheit des Parteitags sprach sich für eine andere Strategie aus", twitterte Lindner am Freitag mit Blick auf den ersten Wahlgang, in dem Kramp-Karrenbauers Mitbewerber Jens Spahn und Friedrich Merz zusammen mehr als die Hälfte der Stimmen erhielten. Dann habe der Parteitag "aber eher Kontinuität gewählt". Lindner gratulierte Kramp-Karrenbauer und schrieb: "Es ist nun die Aufgabe, die CDU zu einen."

Glückwünsche kamen auch von der Grünen-Spitze: "Wir freuen uns auf einen spannenden politischen Wettbewerb und die anstehenden inhaltlichen Debatten um die besten Ideen für unser Land und Europa", erklärten die Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck. "Die Herausforderungen unserer Zeit sind enorm: das Eindämmen der Klimakrise, der soziale Zusammenhalt im Land, die Einhegung der Digital- und Finanzwirtschaft, die Bewältigung von Krisen. Wir wünschen der neuen Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer, dass es ihr gelingt, sich kraftvoll mit der Partei diesen Aufgaben zu stellen."

"Don't mess with Merkel!" twitterte Grünen-Politiker Jürgen Trittin.

Ganz anders die AfD: Parteichef Alexander Gauland reagiert erleichtert. "Frau Kramp-Karrenbauer ist die Fortsetzung von Merkel mit anderen Mitteln. Sie hat die Flüchtlingspolitik mitgetragen und wird sie nicht korrigieren", sagte Gauland dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Das Ergebnis überrascht ihn nicht: "Dass es knapp werden würde, haben alle vorher gesagt. Auch ein knapper Sieg von Merz wäre möglich gewesen."

Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hält Kramp-Karrenbauer gegenüber Merz für das kleinere Übel. "Zwar ist gut, dass die CDU nicht Blackrock-Merz als Parteichef gewählt hat", twitterte sie. "Aber AKK steht für ein Weiter-so. Eine soziale Wende ist mit einer CDU auch unter AKK nicht zu machen." Die SPD dürfe sich nicht mit der CDU zu Tode regieren.

Der Industrieverband BDI forderte Kramp-Karrenbauer zu einer "klugen Wirtschaftspolitik" auf und bekräftigte die Forderung nach einer Steuerreform. "Von der neuen CDU-Vorsitzenden müssen frische Impulse und Ideen zum Beispiel in der Steuer- und Finanzpolitik ausgehen", sagte BDI-Präsident Dieter Kempf. Die deutsche Industrie stehe angesichts weltweiter Risiken und sich eintrübender Konjunkturerwartungen unter Druck. Kramp-Karrenbauer hatte sich für eine Steuerreform ausgesprochen.

Ver.di-Chef Frank Bsirske zeigte sich zufrieden: "Ich habe Annette Kramp-Karrenbauer als eine Persönlichkeit kennengelernt, die auch in herausgehobener Verantwortung die Bodenhaftung nicht verloren hat." Und er fügte hinzu: "Sie hat ein Ohr auch für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land. Und das ist gut." In ihrer Rede habe sie "aktuelle sozialpolitische Themen benannt. Die wollen wir gerne mit ihr vorantreiben".

Wahl zum CDU-Parteivorsitz
Ergebnis der Stichwahl
999 gültige Stimmen
Annegret Kramp-Karrenbauer
51,75 %
Friedrich Merz
48,52 %

als/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
finternational 07.12.2018
1. Herr Gauland...
AKK hat an der Saar auch Abschiebungen durchgesetzt. Die AFD findet auch heute wieder nur ein Thema, wie immer, deshalb braucht Sie kein Mensch, im Gegensatz zur Union.
Thomas_3477 07.12.2018
2. Chance vertan
Eine Erneuerung der CDU wird es so nicht geben. 1001 Delegierte haben es noch nicht einmal in einer geheimen Abstimmung fertig gebracht, sich von er Merkelschen Bevormundung zu lösen. Als vor ca. 1 Woche laut Umfrage Merz Gewinnchancen eingeräumt wurden, stiegen bei der Sonntagsfrage die Werte für die CDU leicht an. Ich befürchte für die CDU, dass es ab jetzt wieder bergab gehen wird. Für die AFD mag es etwas besser werden, aber was nutzt uns das? Es geht letztlich nicht um Parteien, sondern darum, dass für Deutschland die richtigen Entscheidungen gefällt und durchgesetzt werden.
elwoodblues1969 07.12.2018
3. Afd
Es wurde die Chance vertan um die Afd auf 5% Niveau zurück zu stutzen. Die CDU wird es ähnlich gehen wie der SPD. Selbst schuld!
lupo44 07.12.2018
4. die Entscheidung ist nun endlich gefallen....
knapp aber immerhin eine Entscheidung.Frau Merkel war es förmlich an zu sehen das Sie mit diesen Wahlausgang sehr zufrieden ist. Ihre Macht ist für die nächsten 3 Jahre gesichert. Es war knapp aber nun wird AKK zeigen müssen das Sie alle diese Themen in ihrer Bewerbungsrede Auch angehen wird.Für uns als Volk wäre es ja sehr schön.
ziehenimbein 07.12.2018
5. Statt Merz hätte man auch Lindner wählen können!
Fakt ist doch, dass Merz eigentlich gar nicht mehr in die CDU passt, in der FDP wäre er weit besser aufgehoben! Insoweit geht die Wahl von AKK schon in Ordnung. Merz hätte gnadenlos aufgeräumt uns wäre innerhalb von ein paar Monaten Kanzler geworden. Dass er einen Plan hatte, kann man auch nciht sagen. Es ging eigentlich immer nur darum, wie man der AFD Stimmen abnehmen kann, dabei hat die CDU weitaus mehr Stimmen an die Grünen verloren!
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