Anschläge in Norwegen: Bundesinnenminister rät zu erhöhter Wachsamkeit

Touristen sollen die Innenstadt Oslos meiden: Die Bundesregierung empfiehlt nach dem Doppelanschlag in Norwegen Vorsicht, Innenminister Friedrich rät zu erhöhter Wachsamkeit. Konkrete Hinweise auf geplante Attentate in Deutschland gibt es nicht.

Berlin/Oslo - Nach dem Bombenanschlag in der norwegischen Hauptstadt Oslo und dem Angriff auf ein Jugendcamp auf der Insel Utøya rät Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich zu erhöhter Wachsamkeit in Deutschland. "Dennoch ergibt sich daraus für Deutschland derzeit keine neue Lage", sagte der CSU-Politiker der "Passauer Neuen Presse".

Das Auswärtige Amt rief Touristen zu umsichtigem Verhalten auf. Die Innenstadt Oslos sollte gemieden und den Anweisungen der Sicherheitsbehörden Folge geleistet werden, teilte die Behörde in einem Sicherheitshinweis auf ihrer Website mit. Reisende sollten zudem die Medienberichterstattung zu den Ereignissen im Land aufmerksam verfolgen.

Die Nachrichtenagentur dapd zitierte am Freitagabend einen Sicherheitsexperten mit den Worten, "wir beobachten die Situation in Oslo genau". Noch ist unklar, wer hinter dem Doppelanschlag in Norwegen steckt. Doch falls sich der Bombenangriff und die Schüsse im Jugendcamp tatsächlich als islamistische Terrorakte herausstellen sollten, wäre es das erste gewaltsame Vorgehen gegen den Westen nach der Tötung von Qaida-Chef Osama Bin Laden durch US-Soldaten in Pakistan im Mai.

Die Gewerkschaft der Polizei rief die Bevölkerung in Deutschland zu erhöhter Wachsamkeit auf. Wenn der Bombenanschlag von islamistischen Terroristen verübt worden sei, sei nicht ausgeschlossen, "dass auch deutsche Großstädte in Gefahr sind", sagte Gewerkschaftschef Bernhard Witthaut.

"Wir sind dem einfach ausgeliefert"

Es sei außerdem nicht ausgeschlossen, dass die Terrororganisation al-Qaida den zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA zum Anlass nehme, sich in die Aufmerksamkeit Europas "zurückzubomben". Nach Angaben des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden liegen allerdings konkrete Hinweise auf mögliche Anschläge in Deutschland nicht vor.

Islamisten haben schon mehrfach mit Anschlägen auf Gebäude und Orte in Deutschland gedroht. Darunter war auch der Reichstag in Berlin. "Solche Ankündigungen nehmen wir natürlich stets sehr ernst. Aber nach Ankündigungen tut sich eigentlich nichts. Die Terroristen wissen genau, dass wir sehr hohe Sicherheitsstandards haben", sagte ein Sicherheitsfachmann. Die wirkliche Gefahr drohe von Anschlägen "aus dem Nichts". Dagegen könne man so gut wie nichts machen. "Wir sind dem einfach ausgeliefert."

Die deutschen Sicherheitsdienste fürchten besonders die "stillen Beobachter" unter den Islamisten in der Bundesrepublik. Sie könnten die deutschen Sicherheitslücken ausspähen und ausnutzen. Es gibt nach Angaben von Sicherheitskreisen gegenwärtig neben den üblichen Befürchtungen vor Anschlägen von Terrorgruppen aus Trainingscamps aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, die sich schon in der Bundesrepublik aufhalten, eine besondere Gefahr von "fanatisierten Einzeltätern" aus der islamistischen Szene.

Unter ihnen sollen sich nach jüngsten Erkenntnissen auch Selbstmordattentäter befinden. "Dagegen sind wir völlig machtlos", sagten die Experten. Diese Männer könnten sich unbemerkt unter Passanten in Bahnhöfen, Flughäfen oder auch in Kaufhäusern mischen. "Das macht uns gewaltige Sorgen", erklärten die Sicherheitsbehörden.

ulz/dapd/AFP

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Fläche: 323.787 km²

Bevölkerung: 4,920 Mio.

Hauptstadt: Oslo

Staatsoberhaupt:
König Harald V.

Regierungschef:
Erna Solberg

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