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Anschlag auf Homosexuellen-Mahnmal: Politiker fordern Konsequenzen

Empörung in Berlin: Unbekannte haben ein Mahnmal für homosexuelle Opfer aus der NS-Zeit zerstört. Politiker aller Parteien sehen darin einen Beleg für eine steigende Gewaltbereitschaft gegen Homosexuelle und sind entsetzt.

Berlin - Nur wenige Monate hat das Denkmal für homosexuelle Opfer unbeschadet überstanden: Am Wochenende wurde das Berliner Mahnmal von unbekannten Tätern beschädigt. Der Anschlag sorgt für große Empörung unter zahlreichen Politikern.

Unter anderem wurde das Sichtfenster des Berliner Mahnmals eingeschlagen, hinter dem ein Video in Endlosschleife zwei sich küssende Männer zeigt. Außerdem wurde ein Bauzaun umgeworfen. Das Denkmal unweit des Brandenburger Tors war erst im Mai eingeweiht worden.

Die beschädigte Stelle des Mahnmals für verfolgte Homosexuelle: "Die Politik muss mehr tun"
DPA

Die beschädigte Stelle des Mahnmals für verfolgte Homosexuelle: "Die Politik muss mehr tun"

Grünen-Politiker Volker Beck verlangt nun, die Politik müsse mehr gegen Homophobie tun. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag sagte, die Verurteilung von Gewalt gegen Homosexuelle müsse genauso selbstverständlich sein wie die Verurteilung rassistischer oder antisemitischer Gewaltakte.

Projekte zur Bekämpfung von Schwulenhass bei Zuwanderern, wie das vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD) und dem Türkischen Bund Berlin, sollten gefördert und unterstützt werden. Zudem müssen nach Becks Auffassung sogenannte Hassmusik gegen Homosexuelle von Musiksendern und Veranstaltern geächtet werden.

Inzwischen hat der Staatsschutz die Ermittlungen zum Anschlag auf von der Kriminalpolizei übernommen. Ein politischer Hintergrund der Tat werde nicht ausgeschlossen, sagte ein Polizeisprecher. Zum Stand der Ermittlungen machte er jedoch keine Angaben. Für Montagabend hatte der LSVD zu einer Kundgebung aus Protest gegen den Anschlag aufgerufen.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) habe sein Teilnahme an der Demonstration angekündigt. Wowereit sprach von einem "Akt von Intoleranz und Homophobie". Er gehe davon aus, dass die Polizei alles tun werde, "um die Täter dingfest zu machen".

Auch auf Bundesebene wurde der Anschlag mit Empörung aufgenommen. Eine solche Tat sei Ausdruck von großer Intoleranz und Menschenverachtung, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Über die strafrechtliche Verfolgung und die mögliche Verbesserung von Sicherheitsmaßnahmen hinaus sei die Gesellschaft aufgerufen, sich "für mehr Toleranz und Respekt vor der Würde des Anderen" zu engagieren.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Jörg van Essen, nannte die Tat "Ausdruck einer weit verbreiteten hohen Gewaltbereitschaft". Dies gelte insbesondere für den Bereich von "männlichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund". Der Anschlag müsse zum Anlass genommen werden, gegen jede politisch, sexistisch oder rassistisch motivierte Gewalt vorzugehen.

Die Schändung des Mahnmals zeige, dass die Homophobie in der Gesellschaft stärker bekämpft werden müsse, sagte die Sprecherin für gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Linke-Fraktion im Bundestag, Barbara Höll. Es stelle sich die Frage: "In welcher Gesellschaft leben wir, dass zwei küssende Männer in der Öffentlichkeit Gewalt hervorrufen?"

fat/ddp/dpa/AFP

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