Anschlag auf Oktoberfest 1980 Täter war in Neonazi-Szene verstrickt

Hat er wirklich allein die Bombe gelegt? Nach Auswertung bislang geheimer Akten durch den SPIEGEL hatte Gundolf Köhler, der beim Oktoberfest 1980 13 Menschen tötete, enge Kontakte zu militanten Neonazis. Mit dem Anschlag sollte wohl außerdem Franz Josef Strauß im Wahlkampf gestärkt werden.

Attentäter Gundolf Köhler: Bei dem Anschlag tötete er sich selbst.
AP

Attentäter Gundolf Köhler: Bei dem Anschlag tötete er sich selbst.


Nach dem Terroranschlag auf das Münchner Oktoberfest 1980 hatten die Ermittlungsbehörden wesentlich mehr Kenntnisse über den Täter und dessen organisierten rechtsextremistischen Hintergrund als bisher bekannt. Wie der SPIEGEL nach Auswertung von 46.000 Blatt bislang unter Verschluss gehaltener Akten berichtet, war der bisher als "Alleintäter" bezeichnete Gundolf Köhler vor allem in seinem Studienort Tübingen in einem Milieu militanter Neonazis verwurzelt, die ihrerseits teils intensive Kontakte zu CSU-Funktionären pflegten. Bei dem Anschlag waren 13 Menschen getötet worden, darunter Köhler selbst, 211 wurden zum Teil schwer verletzt.

Die Akten belegen zudem ein rechtsterroristisches Motiv des Täters: Er wollte offenbar dem damaligen Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß kurz vor der Bundestagswahl zur Macht verhelfen. Köhler hatte sich vor dem Anschlag über die bevorstehende Bundestagswahl geäußert, man könne doch einen Bombenanschlag in Bonn, Hamburg oder München verüben. Nach dem Anschlag "könnte man es den Linken in die Schuhe schieben, dann wird der Strauß gewählt".

In Tübingen hatte Köhler enge Kontakte zum Hochschulring Tübinger Studenten. Dessen Anführer, den Köhler aus dem Wehrsportmilieu kannte, war eine treibende Kraft der CSU-nahen Initiative "Vierte Partei", die eine bundesweite Ausdehnung der Christsozialen zum Ziel hatte.



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