Anschlag in Berlin BKA zeigt sich "hochalarmiert"

Die Sicherheitsbehörden gehen von einem Anschlag mit terroristischem Hintergrund in Berlin aus. Noch ist unklar, ob einer oder mehrere Täter gehandelt haben. Das Bundeskriminalamt ist "hochalarmiert".

Polizei Berlin

Nach dem Angriff auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin spricht die Bundesanwaltschaft von einem Anschlag "mit terroristischem Hintergrund". Dafür spricht laut Generalbundesanwalt Peter Frank die Ähnlichkeit mit dem Angriff von Nizza, wo ein Mann im Juli mit einem Lastwagen auf der Promenade viele Menschen getötet hatte.

Die Vorgehensweise von Berlin lässt laut Frank auch in der deutschen Hauptstadt einen islamistischen Hintergrund vermuten. Gegen 20 Uhr war am Montagabend ein dunkler Lastwagen auf einer Strecke von 60 bis 80 Metern über den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz vor der berühmten Gedächtniskirche gerast. Zwölf Menschen wurden getötet und 48 verletzt, 18 davon schwer.

Man habe aber derzeit kein Bekennervideo zu der Tat von Berlin, so der Generalbundesanwalt bei einer Pressekonferenz der Sicherheitsbehörden. Videoaufzeichnungen würden ausgewertet.


Zudem ist noch unklar, wer für den Angriff verantwortlich ist. "Wir wissen derzeit nicht abschließend, ob es einen oder mehrere Täter gibt, ob er oder sie Unterstützung hat", sagte Frank. Es sei aber "nicht zwingend notwendig", dass mehr als eine Person beteiligt war an dem Anschlag, so Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt. Die Tat sei logistisch "nicht so anspruchsvoll" gewesen.

Es gebe zwar einen Verdächtigen, erklärte Generalbundesanwalt Frank. "Wir müssen uns aber mit dem Gedanken vertraut machen, dass er nicht der Täter ist."

In der Nacht zu Dienstag war ein Verdächtiger festgenommen worden. Berichten zufolge gelang das durch den Einsatz eines Augenzeugen, der den Mann verfolgte und den Notruf wählte. Gegen Dienstagmittag aber äußerte die Berliner Polizei Zweifel, ob der Festgenommene tatsächlich der Täter sei - nun wird weiter geprüft, ob der Mann vielleicht zu unrecht in Verdacht geraten sein könnte.

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Auf Nachfrage von Journalisten sagte Holger Münch, Chef des BKA: "Wir wissen nicht, ob es nur einen Täter gibt, die Tatwaffe ist nicht gefunden. Deshalb sind wir hochalarmiert."

Unter den zwölf Toten vom Montagabend ist auch ein Opfer, das erschossen wurde. Es handelt sich um einen polnischen Kraftfahrer, der in der Fahrerkabine gefunden wurde. Unklar ist, wann genau er getötet wurde.

BKA-Chef Münch warnte zudem vor möglichen Folgeanschlägen. In zeitlicher Nähe zu einem solchen Anschlag sei mit "erheblichem weiteren Attentats-Risiko" zu rechnen. Die Weihnachtsmärkte in Berlin bleiben am Dienstag geschlossen, zahlreiche andere Städte verstärken ihre Sicherheitsvorkehrungen, wie etwa Dresden und Hamburg.

Kanzlerin Angela Merkel hält sich zurzeit am Breitscheidplatz auf. Sie und Außenminister Frank-Walter Steinmeier legten zwischen dem alten und neuen Gebäude der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Blumen nieder. Im Anschluss an eine Schweigeminute ließen sich Merkel und Steinmeier den Tatort zeigen und von Vertretern der Sicherheitskräfte über das Geschehen informieren.

Die Kanzlerin hatte in einer kurzen Ansprache zuvor den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl ausgesprochen und die Menschen im Land aufgerufen, auch in schweren Zeiten zusammenzustehen und sich nicht entmutigen zu lassen: "Wir wollen nicht damit leben, dass uns die Angst vor dem Bösen lähmt."

Anschlag in Berlin: Was bisher geschah im Video-Überblick

kgp



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