Attentat in Berlin Gauck traf sich mit Angehörigen der Anschlagsopfer

Das scheidende Staatsoberhaupt Joachim Gauck ist am Freitag mit Angehörigen der Opfer des Anschlags von Berlin zusammengekommen. Das erfuhr der SPIEGEL aus dem Bundespräsidialamt.

Tatort Breitscheidplatz in Berlin
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Tatort Breitscheidplatz in Berlin

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Bundespräsident Joachim Gauck hat sich am Freitag mit rund 50 Angehörigen der Opfer des Anschlags vom Breitscheidplatz in Berlin getroffen. An der Zusammenkunft im Schloss Bellevue nahm auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) teil. Das erfuhr der SPIEGEL aus dem Bundespräsidialamt in Berlin.

Gauck hatte die Angehörigen - unter anderem auch Staatsangehörige aus Israel, Italien und Polen - im Januar nach Berlin eingeladen, nachdem zuvor in der Öffentlichkeit Kritik an der Art des Gedenkens geäußert worden war. Die Angehörige eines Schwerverletzten hatte im "Tagesspiegel" den raschen Übergang zur Normalität, auch durch Vertreter der Politik, kritisiert. Kurz nach dem Attentat hatten allerdings Kanzlerin Merkel und weitere hohe Repräsentanten des Staates, darunter Gauck, in einem Gottesdienst in Berlin der Opfer gedacht.

Nach der anhaltenden Kritik und einer Debatte über das angemessene Gedenken hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) im Januar reagiert und eine Gedenkveranstaltung im Parlament angesetzt, zu der auch Gauck erschienen war.

Der Bundespräsident selbst hatte wiederum entschieden, die Angehörigen zu einem Gespräch und gemeinsamen Trauern in seinen Amtssitz einzuladen. Wie es am Freitag aus dem Bundespräsidialamt weiter hieß, hatten sich die Angehörigen bereits am Donnerstag in Berlin getroffen und sich so kennengelernt. Über die Gespräche, die Gauck und der Bundesinnenminister mit ihnen führte, wurde Vertraulichkeit vereinbart.

Bei dem Attentat am 19. Dezember vergangenen Jahres durch den Tunesier Anis Amri auf einen Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche waren elf Menschen getötet und weitere 55 zum Teil schwer verletzt worden. Das zwölfte Todesopfer war der polnische Fahrer des Lastwagens, den Amri gekapert und auf den Platz gesteuert hatte. Den Fahrer hatte er zuvor getötet. Amri wurde kurz vor Heiligabend bei einer Kontrolle durch zwei italienische Polizisten in Mailand getötet.

Bundespräsident Gauck übergibt sein Amt am 18. März an seinen Nachfolger Frank-Walter Steinmeier. Der SPD-Politiker und frühere Außenminister war am 12. Februar durch die Bundesversammlung zum neuen Staatsoberhaupt der Bundesrepublik gewählt worden.

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