Anschlag in Berlin Polizei fahndet nach verdächtigem Tunesier

Die Ermittler haben nach SPIEGEL-Informationen im Lkw von Berlin ein Ausweisdokument gefunden. Es ist auf einen Tunesier ausgestellt. Die Polizei fahndet bundesweit nach dem Mann.

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Die Polizei verfolgt nach Informationen von SPIEGEL und SPIEGEL TV eine neue Spur zum Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin. Unter dem Fahrersitz im Tatfahrzeug fanden die Ermittler ein Ausweisdokument, offenbar eine Duldungsbescheinigung. Das Dokument ist auf einen tunesischen Staatsbürger namens Anis Amri ausgestellt, 1992 in der Stadt Tataouine geboren.

Wann Amri. nach Deutschland einreiste, ist unklar. Dazu finden sich mehrere Angaben in den Datenbanken. Seit einiger Zeit stand der Verdächtige im Visier der Behörden. In einem Eintrag zur verdeckten Fahndung vom 5. Februar steht: "Mutmaßlicher Bezug zum IS" und "Intensive Kontrolle der Person". Im Frühjahr wurde Amri als sogenannter Gefährder eingestuft, eine polizeiliche Kategorie von Personen, denen man jederzeit einen Anschlag zutraut. Derzeit stufen die Sicherheitsbehörden nach Angaben des Bundesinnenministeriums bundesweit 549 Menschen als Gefährder ein. Sie werden regelmäßig überprüft.

Sofern man sie denn findet.

Denn gemeldet war Amri zwar in einer Asylunterkunft in Emmerich am Niederrhein. Doch wechselte der 23-Jährige offenbar häufig seinen Aufenthaltsort - und seine Identität. In Berlin erfasste man ihn als Ahmad Z. oder als Mohamed H. aus Ägypten. Ein anderes Mal gab er an, aus dem Libanon zu stammen.

Am 30. Juli wurde Amri in Friedrichshafen in einem Fernbus kontrolliert. Die Polizisten stellten fest, dass der Tunesier abgeschoben werden sollte. Nach einem Beschluss des Amtsgerichts Ravensburg wurde Amri in Abschiebehaft in die örtliche Justizvollzugsanstalt gebracht. Zwei Tage später wurde der Mann dann aber entlassen, die Abschiebung wurde nicht durchgeführt.

Die Abschiebung sei wegen fehlender Passersatzdokumente aus Tunesien gescheitert, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger. "Die tunesischen Behörden haben diese heute überstellt", sagte der SPD-Politiker und ergänzte: "Ich will diesen Umstand nicht weiter kommentieren."

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Anschlag in Berlin: So reagiert Deutschland

Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", WDR und NDR soll die Polizei die Telekommunikation des Verdächtigen überwacht haben. Unklar ist, wie Amri aus dem Blickfeld der Sicherheitsbehörden geraten konnte.

Die Ermittler haben beim Generalbundesanwalt eine Öffentlichkeitsfahndung beantragt, die Vorbereitungen dafür laufen.

Die Berliner Polizei hat nach eigenen Angaben mehr als 500 Hinweise zu dem Anschlag erhalten und fahndete nach einem möglicherweise bewaffneten Täter. Einen zunächst festgenommenen Verdächtigen hatten die Ermittler am Dienstag wieder freigelassen, nachdem sich gegen ihn kein dringender Tatverdacht ergeben hatte.

Zum Tathergang gibt es nach wie vor viele offene Fragen. Der polnische Lkw-Fahrer hat offenbar bis zum Attentat noch gelebt. Das habe die Obduktion ergeben, heißt es aus Ermittlerkreisen. Er soll erst nach dem Eintreffen der Feuerwehr an den Folgen einer Schussverletzung gestorben sein.

Mitarbeit: Christoph Sydow

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