Anschlag in Berlin Polizei zweifelt an Täterschaft des Festgenommenen

War Naved B. der Attentäter in Berlin? Bei den Ermittlern kommen Zweifel auf. Der Polizeipräsident sagte, es sei "unsicher", ob der Festgenommene tatsächlich der Täter sei.

Trauernde an der Gedächtniskirche
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Trauernde an der Gedächtniskirche


Der in Berlin festgenommene Terrorverdächtige hat den Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz möglicherweise nicht begangen. "Es ist in der Tat unsicher, dass es der Fahrer war", sagte Polizeipräsident Klaus Kandt am Dienstag.

Zuvor hatte die "Welt" berichtet, die Berliner Polizei habe Zweifel an der Täterschäft des festgenommenen Naved B. "Wir haben den falschen Mann" zitierte die Zeitung ranghohe Sicherheitskreise. Man habe damit eine "neue Lage" - der "wahre Täter" sei noch "bewaffnet auf freiem Fuß und kann neuen Schaden anrichten."

So eine deutliche Warnung sprach der Polizeipräsident allerdings öffentlich nicht aus. "Wir werden jetzt mit allen Kräften klären, inwieweit sich der Tatverdacht erhärtet", sagte Kandt weiter. Falls sich herausstelle, dass der Verdächtige nicht der Täter sei, werde natürlich weiter ermittelt. Die Berliner Polizei mahnte über die sozialen Netzwerke zu allgemeiner Vorsicht (verfolgen Sie alle Entwicklungen im Newsblog).

Keine Hinweise auf einen Kampf, keine Schmauchspuren

Nach SPIEGEL-Informationen gibt es im Fall des Lkw-Attentats auf einen Berliner Weihnachtsmarkt zumindest Ungereimtheiten. Denn die Polizei geht davon aus, dass der polnische Mann, der im Führerhaus des Lkw gefunden wurde, erschossen wurde.

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Bei dem festgenommenen Tatverdächtigen sollen sich jedoch kaum Spuren gefunden haben, die auf einen Kampf hindeuten. Zudem fand man keine typischen Schmauchspuren an seinem Körper, die auf eine Schussabgabe schließen lassen. Das erfuhr der SPIEGEL aus hochrangigen Ermittlerkreisen.

Gegen den Mann, der gestern Abend festgenommen wurde, war bis zum Nachmittag kein Haftbefehl erlassen worden. Er soll sich nicht in Karlsruhe, sondern in Berlin in Polizeigewahrsam befinden. Der Mann bestreitet die Tat.

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Der Verdächtige war noch in der Nacht von Montag auf Dienstag festgenommen worden. Berichten zufolge gelang das durch den Einsatz eines Augenzeugen, der den Mann verfolgte und den Notruf wählte.

Nun wird weiter geprüft, ob der Mann vielleicht zu unrecht in Verdacht geraten sein könnte. Es würden unter anderem DNA-Proben mit Spuren in dem Sattelschlepper abgeglichen, teilte die Berliner Polizei mit.

Am Montagabend war ein Lastwagen vorsätzlich in die Menschenmenge auf dem Breitscheidplatz vor der berühmten Berliner Gedächtniskirche gesteuert worden. Zwölf Menschen wurden getötet und 48 verletzt, 18 davon schwer. Die Hintergründe des Anschlags sind bislang unklar. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich entsetzt und mahnte zu Zusammenhalt.

amz/röb/dpa



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