Anschlag auf Weihnachtsmarkt Ermittler erwarten schnellen Fahndungserfolg

Die Suche nach dem Berlin-Attentäter dauert an. Der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter ist "relativ zuversichtlich", dass es bald einen Fahndungserfolg gibt - der Polizei liegen mehr als 500 Hinweise vor.

Polizist am Brandenburger Tor
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Polizist am Brandenburger Tor


Einen Tag nach dem Anschlag in Berlin hat Moderatorin Maybrit Illner das Thema zum Anlass für eine Spezialsendung genommen. Einer ihrer Gäste war CDU-Vize Armin Laschet - und der kritisierte den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer für seine politischen Schlussfolgerungen nach dem Anschlag. Es sei nicht die "normale Herangehensweise an Politik", schon vor Ermittlung der Fakten durch die Polizei Schlüsse zu ziehen.

Seehofer hatte etwa 14 Stunden nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gesagt: "Wir sind es den Opfern, den Betroffenen und der gesamten Bevölkerung schuldig, dass wir unsere gesamte Zuwanderungs- und Sicherheitspolitik überdenken und neu justieren."

Laschet argumentierte nun, Seehofers Forderung ergebe keinen Sinn, solange man nicht eindeutig wisse, wer der Täter sei. "Was ist denn, wenn der Täter aus dem Inland oder aus einem Nachbarland kommt, wie bei den Anschlägen von Nizza oder Brüssel?", fragte Laschet. Nach Konsequenzen rufen könne man "erst, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte sich bereits am Dienstag zu Seehofers Kommentar geäußert: "Heute ist nicht der Tag, um über Konsequenzen zu sprechen." (Hier lesen Sie mehr über die Auswirkungen des Anschlags auf die deutsche Politik.)

Zum Zeitpunkt der Seehofer-Aussage gab es Zweifel, ob ein als Verdächtiger in Berlin festgenommener Flüchtling wirklich der Täter war. Wenige Stunden später kam der Mann frei (hier lesen Sie mehr zu den Hintergründen der Freilassung). Der tatsächliche Angreifer ist noch nicht gefasst. Der "Islamische Staat" reklamiert die Tat für sich.

"Gute Hinweise", "sehr viele Ansatzpunkte"

In der Sendung von Maybrit Illner war auch der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) zu Gast. "Ich bin relativ zuversichtlich, dass wir vielleicht schon morgen oder in naher Zukunft einen neuen Tatverdächtigen präsentieren können", sagte André Schulz. Vieles könne derzeit nicht verraten werden, aber es gebe "gute Hinweise" und "sehr viele Ansatzpunkte".

Die Berliner Polizei hat nach eigenen Angaben mehr als 500 Hinweise zu dem Attentat am Montagabend an der Gedächtniskirche erhalten. Neben Zeugenaussagen werten die Ermittler laut BDK-Chef Schulz DNA-Spuren und Fingerabdrücke aus. Mit GPS-Daten vom Tatabend werde nach dem Handy des Täters gesucht. Auf dieser Basis könne ein Bewegungsbild erstellt werden. "Wir haben viele Möglichkeiten, um die Person auch zu finden", sagte Schulz.

Auch de Maizière hatte sich nach der Freilassung des ersten Verdächtigen optimistisch gezeigt. Es gebe Fahndungsansätze, weshalb er zuversichtlich sei, dass es Fortschritte in den Ermittlungen geben werde, sagte er im ZDF.

Video-Chronik zum Anschlag in Berlin

"Wir befinden uns nicht im Krieg"

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff warnte davor, sich Ängsten hinzugeben. "Ich hoffe, wir behalten in Deutschland die Nerven", sagte der CDU-Politiker der "Mitteldeutschen Zeitung". "Das Thema wird aber sehr stark instrumentalisierbar sein, gerade angesichts der Wahlkämpfe im kommenden Jahr, wie wir in den sozialen Medien erleben können."

Die Strategie der Terroristen sei es, solche Ängste zu schüren und die Gesellschaft zu destabilisieren. "Das dürfen wir nicht zulassen. Wir befinden uns nicht im Krieg, das ist etwas vollkommen anderes, und wir lassen uns den Krieg auch nicht von Salafisten in unser Land tragen."

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Der derzeitige Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Klaus Bouillon (CDU), hatte nach dem Anschlag erklärt, jetzt befinde sich auch Deutschland im "Kriegszustand". Etwas später korrigierte er seine Wortwahl: Den Begriff Krieg werde er zukünftig vermeiden. Im Gespräch mit der "Rheinischen Post" forderte er jedoch Gesetzesänderungen in verschiedenen Bereichen. "Es gibt bundesweit zahlreiche Flüchtlinge, von denen wir nicht wissen, wo sie herkommen und wie sie heißen - da ist ein Unsicherheitspotenzial drin", sagte der saarländische Innenminister.

Die Identität sei oft gefälscht, die Pässe seien verschwunden und einige Asylbewerber weigerten sich, an der Überprüfung mitzuwirken. "Wer hier einen Asylantrag stellt und an seiner Identitätsfeststellung nicht mitwirkt, muss seinen Anspruch auf Asyl verlieren", forderte Bouillon. Dazu werde er im Januar Vorschläge unterbreiten.

aar/dpa/AFP

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