Anschlag in Straßburg Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Chérif Chekatt

Wo befindet sich Chérif Chekatt? Noch haben die Ermittler keine Hinweise auf den Aufenthaltsort des mutmaßlichen Angreifers von Straßburg. Nun hat sich auch eine deutsche Behörde in den Fall eingeschaltet.

Polizist in Straßburg
DPA

Polizist in Straßburg


Die Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Straßburger Attentäter Chérif Chekatt aufgenommen. Angesichts der besonderen Bedeutung des Falls sei ein Verfahren gegen ihn wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet worden, sagte ein Behördensprecher dem SPIEGEL.

Die Bundesanwaltschaft habe die Ermittlungen aufgenommen, weil von dem Anschlag auch deutsche Staatsbürger betroffen seien, hieß es. Dafür kann es ausreichen, wenn jemand Ziel des Anschlags ist, eine körperliche Verletzung ist nicht nötig. Deutsche sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht unter den Opfern, hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Von dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt seien sechs Personen aus Deutschland traumatisiert, hieß es im "Tagesspiegel", der zuerst über die Ermittlungen berichtete. Die Federführung der Ermittlungen liegt aber weiterhin bei den französischen Behörden.

Fahndungsaufruf bisher ohne Erfolg

Der Verdächtige war am Donnerstag weiter auf der Flucht. Auch in Deutschland wird nach ihm gefahndet. Chekatt hatte am Dienstagabend mitten in der Weihnachtssaison das Feuer in der Straßburger Innenstadt eröffnet. Zwei Menschen wurden getötet, darunter ein 45 Jahre alter Tourist aus Thailand. Ein drittes Opfer erlag laut dem Büro der Staatsanwaltschaft nun seinen Verletzungen, ein viertes Opfer sei hirntot. Elf weitere Menschen wurden verletzt.

Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft wegen der von dem Anschlag betroffenen Deutschen kommen derweil wohl nur dann zum Tragen, wenn es in Frankreich nicht zu einer Anklage kommen sollte. Die Anklagebehörde stützt sich auf Regelungen im Strafgesetzbuch für im Ausland gegen Deutsche begangene Straftaten.

Die französischen Behörden gehen von einem islamistischen Terroranschlag aus. Die Polizei veröffentlichte am Mittwochabend ein Fahndungsfoto des Attentäters samt Täterbeschreibung. Auch süddeutsche Bundespolizei-Stationen, das Bundeskriminalamt und die Schweizer Bundespolizei verbreiteten auf Twitter den Aufruf der Police Nationale. Die Polizei sucht Zeugen.

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Frankreich: Tödliche Schüsse in Straßburg

In dem Aufruf heißt es: "Der Mann ist gefährlich, bitte nicht selbst eingreifen." Der Gesuchte sei 29 Jahre alt, 1,80 Meter groß, habe kurze Haare, sei vielleicht Bartträger und habe eine Narbe auf der Stirn. Der mehrfach vorbestrafte Angreifer soll sich im Gefängnis radikalisiert haben. Der gebürtige Straßburger mit nordafrikanischen Wurzeln saß wegen schweren Diebstahls auch in Deutschland in Haft.

Das Innenministerium in Paris schloss am Mittwochmorgen nicht aus, dass der Täter nach Deutschland geflüchtet sein könnte. Unklar ist, ob der Angreifer sich noch in der Elsass-Metropole aufhält. Gesucht werde auch der Bruder des Attentäters. Die Schweizer Bundespolizei schrieb per Twitter, die nördliche Grenze werde stärker kontrolliert.

Zahl der Soldaten wird aufgestockt

Die französische Regierung rief nach dem Anschlag die höchste Terrorwarnstufe aus: Sie gibt den Behörden außerordentliche Befugnisse: Diese reichen von landesweiten Ausgangssperren bis zu Demonstrationsverboten. Präsident Emmanuel Macron ordnete im Zuge dessen mehr Soldaten für die Antiterrormission "Sentinelle" (Wachposten) an. Ab Donnerstag soll die Zahl der Kräfte um 1800 auf 8800 aufgestockt werden.

mho/apr/dpa/AFP



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