Anschlag von Berlin Bordcomputer stoppte Lkw

Ein automatisches Unfallwarnsystem im Lkw hat nach SPIEGEL-Informationen offenbar verhindert, dass bei dem Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt noch mehr Menschen starben.

Der Lkw nach dem Anschlag in Berlin
DPA

Der Lkw nach dem Anschlag in Berlin

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Nach Informationen des SPIEGEL löste der Bordcomputer des Lkw, mit dem der mutmaßliche Attentäter Anis Amri über den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz raste, eine Vollbremsung aus. So konnte das Fahrzeug nicht noch mehr Menschen überrollen.

Der Lastwagen ist mit einem System ausgestattet, das mithilfe einer Kamera und Radar Hindernisse erkennt und bremst, wenn der Fahrer auf ein Warnsignal nicht binnen einer Sekunde reagiert.

Bei dem Anschlag starben elf Menschen, den eigentlichen Fahrer des polnischen Lasters tötete Amri offenbar vorher mit einer Pistole. Dutzende weitere Menschen wurden teils schwer verletzt.

Der Tunesier wurde in den frühen Morgenstunden des 23. Dezember an einem Bahnhof im Norden Mailands bei einer Polizeikontrolle getötet. Er hatte eine Pistole gezogen und auf die Beamten geschossen, die das Feuer erwiderten.

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Amri verschickte kurz vor der Tat ein Foto

Über den Messengerdienst "Telegram" verschickte Amri um 19.41 Uhr, also nur wenige Minuten vor dem Anschlag, aus der Führerkabine des Lastwagens eine Botschaft an einen Vertrauten. "Mein Bruder, alles ist in Ordnung, so Gott will, mein Bruder, alles ist in Ordnung. Ich bin jetzt im Auto. Hast du mich verstanden? Bete für mich, Bruder, bete für mich!"

Kurz darauf postete der Attentäter noch ein Foto: Es zeigt die Führerkabine des gestohlenen Lkw, ein Stück Lenkrad und Kabel, die zum Zigarettenanzünder führen. Auf dem Armaturenbrett ist eine Küchenrolle zu erkennen.

21 Minuten später, um 20.02 Uhr, steuerte Amri den tonnenschweren Sattelschlepper in die Menschenmenge. Wer die Adressaten der Nachrichten waren, ist nach wie vor Gegenstand der Ermittlungen.

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Ch. Demian 28.12.2016
1. ...und das Bundesverdienstkreuz geht an das ABS und TomTom
Vielleicht kommen die ganzen Übererregten jetzt mal runter. Ich bedauere das erste Opfer des Irren Amri (bin selbst in Polen geboren, nicht dass mir gleich einer Polenfeindlichkeit vorhält), aber das übererregte Kreisen der Bewegten nervt. Wiewohl es grenzwertig unwahrscheinlich war, dass der bedauernswerte Lukasz L. irgendwas Heldenhaftes zum Geschehen beitrug, fanden sich Zehntausende die ihn ehren wollten? Es wird eine arge Enttäuschung sein, wenn TomTom das Bundesverdienstkreuz beansprucht, weil Heldentaten beinahe nur in Märchen und den Köpfen der "Postfaktischen" stattfinden.
Heinrich_Hoert 28.12.2016
2. Wenn dies stimmt
dann sollte man die Herrsteller dieser Software und die LKW Produzenten für diese Leistung auszeichnen. Dann war es nicht ein beherzt eingreifender Nebensitzer, sondern dann waren es Ingenieure und dann sollten solche Systeme für alle zugelassenen LKW mit einem System Zwangsweise nachgerüstet werden. Falls es ein Patent von Scania gibt, so muss sichergestellt werden das alle anderen Produzenten gegen Patentzahlungen zur Nachrüstung verpflichtet werden. Meinetwegen unter Zahlung von Geldern aus Bundes- oder Landesmitteln. Natürlich ist das kein Trost für die hinterbliebenen der Opfer, aber wenn es hilft künftige Opfer zu verhindern ist das ein Weg. Das ganze müsste Europa weit zur Pflicht werden.
michael1971 28.12.2016
3. Dies wäre der Ansatz für eine Idee, gesetzlich ein Unfallvermeidungssystem vorzuschreiben..
Abseits von Terror sind Auffahrunfälle von LKW, die auf ein Stauende (Müdigkeit, Unachsamkeit) rasen und verheerende Unfälle verursachen ein enstzunehmendes Problem. Automatische Bremsung, wenn das System ein Hindernis voraus erkennt und technisch der Auschluss das zu umgehen. Vielleicht für alles über 5 Tonnen, auch Busse. Ich bin zwar sonst eher kritisch, was technische Neuerungen angeht, hier könnte man aber sinnvoll ansetzen. Bei einer gesetzlichen Verpflichtung, so ein System einzubauen gibt es evtl. mehr Investitionen in die Weiterentwicklung, die vermeidet, dass überhaupt jemand zu schaden kommen kann.
peteftw 28.12.2016
4.
Zitat von Heinrich_Hoertdann sollte man die Herrsteller dieser Software und die LKW Produzenten für diese Leistung auszeichnen. Dann war es nicht ein beherzt eingreifender Nebensitzer, sondern dann waren es Ingenieure und dann sollten solche Systeme für alle zugelassenen LKW mit einem System Zwangsweise nachgerüstet werden. Falls es ein Patent von Scania gibt, so muss sichergestellt werden das alle anderen Produzenten gegen Patentzahlungen zur Nachrüstung verpflichtet werden. Meinetwegen unter Zahlung von Geldern aus Bundes- oder Landesmitteln. Natürlich ist das kein Trost für die hinterbliebenen der Opfer, aber wenn es hilft künftige Opfer zu verhindern ist das ein Weg. Das ganze müsste Europa weit zur Pflicht werden.
Ist das Ihr Ernst? Erstens sind Crash Prevention Systeme nichts neues, das haben Mercedes und Co auch schon längst an Bord (teils optional bestellbar). Zweitens werden dann künftig eben wieder alte LKWs (wie in Nizza) gehijackt oder gemietet oder gekauft. Und drittens können Sie ja gerne Ihre Steuern für die Nachrüstung von Millionen von Fahrzeugen verwenden, aber lassen Sie andere bitte außen vor. Eigentlich wundere ich mich dass das System so spät reagiert hat: Hier ein Demo Video von Scania wie es funktionieren kann: https://www.youtube.com/watch?v=S1EbyBo9dMY
nyc2017 28.12.2016
5. Toll
Bin Serviceberater im Nutzfahrzeugsektor und genau dies hättet Ihr besser nicht kommuniziert...jetzt weiß endlich jeder,das auch Nutzfahrzeuge,über einen Aktive Brake Assist verfügen und weshalb der keinen noch größeren Schaden anrichten konnte.Diese Information wäre besser im Verborgenen geblieben.
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