Anschlagspläne Bewährungsstrafen für Münchner Neonazis

Fünf Rechtsextremisten um den Neonazi Martin Wiese sind heute wegen eines geplanten Bombenanschlags auf das neue Münchner Jüdische Zentrum verurteilt worden. Das Gericht verhängte gegen die Angeklagten der "Kameradschaft Süd" Bewährungsstrafen zwischen einem Jahr und vier Monaten sowie einem Jahr und zehn Monaten.


München - Das Urteil wurde heute vom Bayerischen Obersten Landesgericht nach sechsmonatigem Prozess in München verkündet. Die drei Frauen und zwei Männer im Alter von 18 bis 38 Jahren haben sich nach Überzeugung des Gerichts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung beziehungsweise deren Unterstützung schuldig gemacht. Einer der Angeklagten wurde wegen illegaler Beschaffung von Sprengstoff und Waffenbesitzes verurteilt.

Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft gehörten vier von ihnen dem inneren Führungszirkel der von Wiese geleiteten "Kameradschaft Süd" an, der fünfte Angeklagte aus Brandenburg unterstützte die Gruppe. Ziel des inneren Zirkels war laut Bundesanwaltschaft ein Regime nach nationalsozialistischem Vorbild. Die so genannte Schutzgruppe operierte konspirativ mit Decknamen und Codes. Der Angeklagte Andreas J. wurde wegen illegaler Beschaffung von Sprengstoff und Waffenbesitzes verurteilt.

Bei dem Prozess ging es um einen geplanten Bombenanschlag auf die Grundsteinlegung für das Jüdische Zentrum am 9. November 2003. Der Prozess hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden, weil drei der fünf Angeklagten zwischen 18 und 38 Jahren zur Tatzeit noch minderjährig waren. Die Beschuldigten hatten vor Gericht die Anschlagspläne eingeräumt, aber den Terrorvorwurf zurückgewiesen. Die 23-jährige Jessica F. hatte umfassende Angaben über Struktur und Vorgehensweise der Neonazi-Gruppe gemacht.

Die Bewährungsstrafen im Einzelnen:

- Monika S., Auszubildende, 18 Jahre: 18 Monate

- Ramona Sch., Schülerin, 20 Jahre: 22 Monate

- Jessica F., Auszubildende, 23 Jahre: 18 Monate

- Thomas S., Schüler, 19 Jahre: 16 Monate

- Andreas J., arbeitsloser Forstarbeiter, 38 Jahre: 18 Monate

Gegen den mutmaßlichen Rädelsführer Martin Wiese und drei enge Vertraute läuft ein Parallelverfahren. Wann das Urteil gegen ihn gesprochen wird, ist noch offen. Der 29-jährige Neonazi war laut Anklage Anführer der "Kameradschaft Süd", die sich ein Regime nach NS-Vorbild zum Ziel gesetzt habe. Am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, wollten die Neonazis bei der Grundsteinlegung in der Münchner Innenstadt eine Bombe hochgehen lassen. Dabei sollen sie den Tod von Menschen in Kauf genommen haben. Die Polizei konnte den Anschlag verhindern.



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