Anschlagsplan Kofferbomber wollten mit Speisestärke Leiden verstärken

Die Bundesanwaltschaft darf den im Libanon inhaftierten mutmaßlichen Kofferbomber Dschihad Hamad nach SPIEGEL-Informationen nun doch selbst verhören. Er und seine Kompagnons wollten ihren Sprengsätzen Speisestärke beimischen - um die Verbrennungen bei den Opfern zu verstärken.


Hamburg/Berlin – Schon am vergangenen Donnerstag traf ein Bundesanwalt in Beirut ein, der Hamad Anfang der Woche gemeinsam mit einem libanesischen Untersuchungsrichter befragen soll. Bislang durften die Deutschen nur einmal 45 Minuten lang bei einer Vernehmung zuhören, wie der SPIEGEL erfuhr.

Mutmaßlicher Kofferbomber Hamad: Glühender Ölfilm
AP

Mutmaßlicher Kofferbomber Hamad: Glühender Ölfilm

Hamads Angaben kommt entscheidende Bedeutung bei der Aufklärung der gescheiterten Anschläge zu: Auf seine Aussagen stützt sich hauptsächlich der Haftbefehl gegen den mutmaßlichen "dritten Mann", den Syrer Fadi al-S. In der Vernehmung hatte Hamad ausgesagt, Fadi al-S. habe "Ahnung von Computern" und den zweiten mutmaßlichen Kofferbomber Youssef al-Hajdib "in Computerangelegenheiten unterstützt".

Bei gemeinsamen Internet-Recherchen seien "insbesondere Anleitungen zum Bau von Bomben von Interesse gewesen". Den Koffer habe ein Marokkaner aus Düsseldorf besorgt. Libanesischen Angaben zufolge hatte Hajdibs Vater eine führende Rolle bei den Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen gespielt, er sei bei einer gewalttätigen Demonstration gegen das Beiruter Uno-Büro aufgefallen.

Am Rande der Innenministerkonferenz am vergangenen Montag erklärten hochrangige Ermittler weitere Details der geplanten Anschläge auf zwei Regionalzüge: So sei den Brandsätzen Speisestärke beigelegt gewesen, um die Verletzungen der Opfer verstärken. Die beiden Sprengstoffkoffer waren am 31. Juli in zwei Regionalzügen in Nordrhein-Westfalen deponiert worden, jedoch wegen technischer Fehler nicht explodiert.

Die Attentäter recherchierten vorher im Internet, welche Wirkung das Pulver bei einer Explosion hat. Nach der Zündung der Bombe hätte sich ein Benzin-Luftgemisch mit dem feinen Staub der Stärke vermischt. Wie ein glühender Ölfilm hätte die Mischung die Reisenden überzogen und wäre tief in die Hautschichten eingezogen.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach mahnte in der Berliner Zeitung "B.Z. am Sonntag" bessere Kontrollen bei der Visa-Erteilung an: "Der Staat muss sich die Menschen, die aus Problemstaaten zu uns kommen, viel genauer ansehen als bisher."

Das gelte für die Visa- Antragsteller selbst, aber auch für Einlader und Bürgen in Deutschland, die ihnen bei der Einreise helfen."Zumindest einer der tatverdächtigen Kofferbomber hätte bei Überprüfung seines deutschen Bürgen kein Visum bekommen dürfen." Darüber hinaus sollte geprüft werden, vor Erteilung eines Visums an Antragsteller aus Problemstaaten zur besseren Identifizierung Fingerabdrücke zu nehmen.

itz/dpa/AP/Reuters/AFP



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