Anti-Atom-Demo Tausende bilden Menschenkette durch Münchens Innenstadt

Zehntausende Kernkraftgegner haben in München mit Trillerpfeifen und Plakaten ihren Unmut über die Laufzeitverlängerung der deutschen Meiler zum Ausdruck gebracht. Sie bildeten eine zehn Kilometer lange Kette durch die bayerische Landeshauptstadt. Laut Polizei lief die Veranstaltung friedlich ab. 

Odeonsplatz in München: Zehntausende Atom-Gegner bildeten Menschenkette
dpa

Odeonsplatz in München: Zehntausende Atom-Gegner bildeten Menschenkette


München - Friedlicher Protest in München: Mehrere zehntausend Menschen haben gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung protestiert. Höhepunkt der Demonstration gegen verlängerte Laufzeiten der Atomkraftwerke war eine rund zehn Kilometer lange Menschenkette durch die Münchner Innenstadt. Nach Angaben der Organisatoren nahmen daran etwa 50.000 Menschen teil, die Polizei sprach hingegen nur von rund 25.000. Erst Mitte September waren in Berlin rund 100.000 Menschen gegen die Atompolitik von Union und FDP auf die Straße gegangen.

"Das ist ein Riesenerfolg für uns. Es ist das angekündigte und erwartete Erdbeben", sagte Marcus Greineder, Cheforganisator des Bündnisses "KettenreAktion Bayern". Aus Berlin erklärte SPD-Chef Sigmar Gabriel zu der Münchner Protestaktion: "Das zeigt einmal mehr, dass die Bevölkerung die Lobbypolitik der Bundesregierung für die vier Atomkonzerne nicht einfach hinnimmt."

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sagte bei der Abschlusskundgebung am Odeonsplatz, mit der gesetzlichen Regelung eines Atomausstieges habe es bereits einen gesellschaftlichen Konsens gegeben. "Dass man wieder auf die Straße gehen muss, ist dem Wortbruch der Atomindustrie und der schwarz-gelben Regierung zu verdanken", kritisierte er.

Münchner Menschenkette größte Anti-Atom-Demo in Bayern seit 1985

Ude warf der Koalition eine verantwortungslose Politik vor. "Wörter wie Nachhaltigkeitdarf darf eine solche Regierung nicht mehr in den Mund nehmen", sagte er. Die Zukunft müsse den erneuerbaren Energien gehören, es dürfe keinen Rückfall in das Atomzeitalter geben. Union und FDP hatten den zehn Jahre alten Atomausstieg von Rot-Grün im September aufgekündigt. Deshalb soll der letzte Atommeiler nun nicht vor dem Jahr 2036 vom Netz gehen.

Von der geplanten Laufzeit-Verlängerung sind auch fünf bayerische Atomkraftwerke betroffen - darunter der besonders umstrittene Meiler Isar 1, der bereits seit 1977 am Netz ist. Ein breites Bündnis aus mehreren Parteien und Bürgerinitiativen hatte zu der Demonstration aufgerufen. Das Bündnis fordert eine Wende, weg von der Kernkraft und hin zu erneuerbaren Energien.

Bayernweit war die Münchner Aktion die größte Anti-Atom-Demonstration seit der Kundgebung gegen die - damals noch geplante, später aber doch verworfene - atomare Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf im Jahr 1985. Damals hatten bis zu 50.000 Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt gegen die Nutzung der Atomenergie protestiert.

luk/dpa/ddp



Forum - Energie - braucht es eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke?
insgesamt 5062 Beiträge
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Seite 1
kdshp 28.08.2010
1.
Zitat von sysopDie Atomenergie steht derzeit in der Diskussion wie seit langem nicht mehr. Regierung und Betreiber lassen die Muskeln spielen, es geht um Kosten, Nutzen, Risiken. Braucht es eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke?
Hallo, ich denke nicht und bezogen auf die gefahr wäre mit eine abschaltung so schnell wie möglich am liebesten.
rkinfo 28.08.2010
2.
Zitat von sysopDie Atomenergie steht derzeit in der Diskussion wie seit langem nicht mehr. Regierung und Betreiber lassen die Muskeln spielen, es geht um Kosten, Nutzen, Risiken. Braucht es eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke?
http://de.wikipedia.org/wiki/Energiemix Die großen Problembrocken liegen 2020-2040 bei der Kohle und dem Erdöl. Das Umweltministerium will bis 2040 rund -70% bei CO2 und damit Kohle und Erdöl. Greenpeace will bis 2040 die Kohle (Strom, Stahl) komplett auf Null setzen. Alles edle und machbare Ziele wenn wer uns anstrengen. Aber wir nicht gleichzeitig auch nur rabiat den CO2-freien Atomstrom kappen. Dazu kommt dass die Grenzkosten der AKWs bei Weiterbetrieb einfach extrem gering sind und wir per Stillegung an anderer Stelle Kosten verurachen bzw. mehr Kohle verbrennen müssen. Die ganze Ausstiegsdebatte ist eine rücksichtslose Politikshow ohne Betrachtung der Folgen für den Klimaschutz. Die Stromversorgung ist aber primär eine technisches bis sicherheitstechnisches Aufgabengebiet. Wenn die Bürger nicht ihre Glühbirnen abgeben wollen kann man sie für Kraftwerksplnung nicht mehr für zurechnungsfähig betrachten.
robr 28.08.2010
3. Braucht kein Mensch!
Zitat von sysopDie Atomenergie steht derzeit in der Diskussion wie seit langem nicht mehr. Regierung und Betreiber lassen die Muskeln spielen, es geht um Kosten, Nutzen, Risiken. Braucht es eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke?
Eine laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ist unsinnig. es ist ja beileibe nicht so, dass unter Rot-Grün die sofortige Abschaltung aller AKW stattfinden würde. Sonde zuerst nur die Uraltmeiler wie Biblis-A oder Krümmel. Die neueren AKW dann erst im laufe mehrerer Jahre. Nur die Stromkonzerne meinen ,sie haben die Erlaubnis zum Gelddrucken, denn für die Folgekosten und 100000 Jahre Lagerung müssen sie ja nicht aufkommen. Pacta sunt servanda, und das sollte auch für die Stromkonzerne gelten!
miken123 28.08.2010
4. Ich will auch
Zitat von rkinfohttp://de.wikipedia.org/wiki/Energiemix Die großen Problembrocken liegen 2020-2040 bei der Kohle und dem Erdöl. Das Umweltministerium will bis 2040 rund -70% bei CO2 und damit Kohle und Erdöl. Greenpeace will bis 2040 die Kohle (Strom, Stahl) komplett auf Null setzen. Alles edle und machbare Ziele wenn wer uns anstrengen. Aber wir nicht gleichzeitig auch nur rabiat den CO2-freien Atomstrom kappen. Dazu kommt dass die Grenzkosten der AKWs bei Weiterbetrieb einfach extrem gering sind und wir per Stillegung an anderer Stelle Kosten verurachen bzw. mehr Kohle verbrennen müssen. Die ganze Ausstiegsdebatte ist eine rücksichtslose Politikshow ohne Betrachtung der Folgen für den Klimaschutz. Die Stromversorgung ist aber primär eine technisches bis sicherheitstechnisches Aufgabengebiet. Wenn die Bürger nicht ihre Glühbirnen abgeben wollen kann man sie für Kraftwerksplnung nicht mehr für zurechnungsfähig betrachten.
Ich will bis morgen früh +100.000.000€ auf meinem Konto. Beides wird wohl ehr nix, außer die Bundesregierung verlängert die Laufzeiten der AKW und gibt mir einen Teil des Gwinns
merapi22 28.08.2010
5. Atomkraft? Nein Danke!
Zitat von sysopDie Atomenergie steht derzeit in der Diskussion wie seit langem nicht mehr. Regierung und Betreiber lassen die Muskeln spielen, es geht um Kosten, Nutzen, Risiken. Braucht es eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke?
Klares NEIN! Die AKWs gehören so bald wie möglich vom Netz, dank EE Förderung, kann man den Energiebedarf durch regenerative Energieerzeugung sichern. Eine Laufzeitverlängerung würde nur Geld in den Taschen der Atomlobbyisten spülen, der Strompreis für den Normalbürger würde steigen! Zudem sind die veralteten AKWs die reinsten Zeitbomben, die Gefahr eines GAU wird von der Atomwirtschaft und Politik heruntergespielt, im dicht-besiedelten Mitteleuropa wären Millionen davon betroffen!
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