Anti-Pegida-Konzerte in Dresden Mit Musik gegen den Muff

"Offen und bunt" hieß das Motto des Konzerts gegen Pegida in Dresden. Zehntausende demonstrierten gegen die fremdenfeindlichen Aufmärsche der Bewegung. Auch in anderen Städten gingen Menschen für mehr Weltoffenheit auf die Straßen.


Dresden - Mit einem Bürgerfest für Toleranz und Weltoffenheit hat Dresden ein Zeichen gegen die Wutbürger-Bewegung Pegida gesetzt. Unter dem Motto "Offen und bunt" demonstrierten Zehntausende Besucher vor der Frauenkirche gegen die fremdenfeindlichen Aufmärsche der vergangenen Wochen.

Unter den Künstlern waren Wolfgang Niedecken von BAP, Gentleman, Silly, Keimzeit und auch der Sänger Herbert Grönemeyer. Der Barde aus Bochum zeigte zwar Verständnis für Politikverdrossenheit, warnte aber davor, den Islam zum Feindbild zu erklären. "Das ist völlig undemokratisch", sagte der 58-jährige Grönemeyer.

Pegida hatte seine Anhänger zum Konzertbesuch ermuntert und die eigene Kundgebung auf den Sonntag vorverlegt. Zu dieser Veranstaltung kamen erstmals weniger Teilnehmer als zu den Kundgebungen davor. "Heute Abend schon was vor?", stand am Montag auf der Facebook-Seite der Pegida-Organisatoren - daneben ein zwinkernder Smiley. Pegida bringe Kultur nach Dresden - völlig kostenlos, so ein leicht zynischer Kommentar.

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Anti-Pegida: Dresdner feiern Bürgerfest für mehr Weltoffenheit
Wegen Überfüllung wurden einige Besucher auf den Theaterplatz vor der Semperoper umgeleitet, wo das Konzert auf einer Großleinwand übertragen wurde. "Liebe, Hoffnung, Humanismus, Nächstenliebe" - in bunten Farben wurden diese Worte von Lasern auf die Kuppel der Frauenkirche projiziert.

Zeitgleich demonstrierten auch in anderen Städten Menschen gegen Pegida. In Frankfurt verhinderten etwa 3000 Menschen einen Pegida-Schweigemarsch mit rund 70 Teilnehmern. In Bremen und Karlsruhe versammelten sich Tausende, um für eine offene und tolerante Stadt zu werben. In Berlin, Hannover und Braunschweig musste die Polizei ein Aufeinandertreffen der beiden Lager verhindern. Auch hier waren die Pegida-Gegner deutlich in der Überzahl.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) geriet wegen eines Treffens mit der Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel in die Kritik der Opposition. Die Landesregierung hatte sich eigentlich darauf geeinigt, keine Gespräche mit den Organisatoren zu führen.

Auch auf Bundesebene sorgt der Umgang mit Pegida für Kontroversen: SPD-Chef Sigmar Gabriel erhielt für seine Teilnahme an einer Diskussionsrunde mit Pegida-Teilnehmern Kritik aus der Opposition. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hingegen fand anerkennende Worte für Gabriels Dialog mit dem Bündnis.

kry/dpa

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