Anti-Piraten-Mission: Opposition lehnt neues Atalanta-Mandat ab
Verteidigungsminister de Maizière hat im Bundestag für das umstrittene neue Bundeswehr-Mandat für den Anti-Piraten-Einsatz geworben, aber die Opposition lehnt die geplante Ausweitung ab: Die Koalition provoziere neue Risiken, sagte SPD-Außenexperte Mützenich.
Berlin - Die Opposition lehnt das neue Bundeswehr-Mandat für den Anti-Piraten-Einsatz Atalanta ab, am Donnerstag half auch das Werben von Verteidigungsminister Thomas de Maizière nicht: "Es geht wieder darum, ein Stück Verantwortung zu übernehmen", sagte der CDU-Politiker in der ersten Beratung über den Antrag der Bundesregierung.
De Maizière wies die Darstellung zurück, durch die Möglichkeit zu Angriffen auch an Land erhalte der Einsatz eine neue Qualität. "Ob Sie ein Schiff im Wasser oder am Ufer bekämpfen, ich sehe da keinen Unterschied", sagte der Minister. Es gehe nur um "eine kleine zusätzliche militärische Option". "Es ist richtig, dass unsere Soldaten noch energischer gegen Piraten vorgehen können", sagte auch der FDP-Verteidigungsexperte Rainer Stinner.
Das geplante neue Mandat sieht vor, dass Bundeswehrsoldaten Piraten und deren Ausrüstung im Rahmen der EU-Mission Atalanta künftig auch am Strand bis hin zu einer Küstenentfernung von zwei Kilometern bekämpfen können. Mit dem neuen Mandat soll der Bundeswehr-Einsatz zugleich bis Ende Mai 2013 verlängert werden. Die Entscheidung im Bundestag ist für die zweite Maiwoche vorgesehen.
"Sie provozieren mit einem erweiterten Auftrag zusätzliche Risiken", warnte dagegen der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich. Er kündigte im Bundestag an, seine Fraktion werde dem neuen Mandat daher nicht zustimmen. Die bisherige Strategie der Abschreckung sei zunehmend erfolgreich. Inhaltlich gebe es daher aus Sicht der SPD keinen Grund, von dem "zunehmend erfolgreichen" Konzept der Abschreckung auf See auf eine "Angriffsoperation" umzustellen, ergänzte Mützenich am Rande der Debatte. Ein entschiedeneres Vorgehen gegen Hintermänner der Piraten verlangte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold.
"Die Bundesregierung macht aus einem guten Mandat ein schlechtes Mandat", kritisierte der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour. Er äußerte Zweifel daran, dass bei Angriffen auf Ziele an Land zivile Opfer vermieden werden könnten.
Grundsätzlich gegen die EU-Mission wandte sich erneut die Linke. Mit der nun vorgesehenen Änderung werde aber "ein falsches Mandat noch falscher", sagte der Verteidigungsexperte Jan van Aken. Er sprach von einer "Kriegserklärung an die somalische Küstenbevölkerung".
Das Seegebiet vor Somalia gilt als das gefährlichste der Welt; allein im vergangenen Jahr gab es dort rund 230 Piratenangriffe. Deutschland beteiligt sich derzeit mit 340 Soldaten an der Atalanta-Mission.
hen/dapd/Reuters
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- Donnerstag, 26.04.2012 – 18:00 Uhr
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Am gefährlichsten sind die Gewässer vor Afrika. Somalia, Nigeria und Tansania sind Schwerpunkte der Angriffe. Vor der Küste Somalias operieren Piraten oft von Mutterschiffen aus, von denen sie auf pfeilschnellen Booten mit Maschinenpistolen und Panzerfäusten bewaffnet zu Raubzügen aufbrechen. Die gekaperten Schiffe werden dann vor die Küste gebracht.
Gemessen an somalischen Verhältnissen galt die Region bisher als stabil, nach Selbstmordanschlägen auf Regierungsgebäude im Oktober wird aber befürchtet, islamistische Terroristen könnten auch im Puntland Fuß fassen. Inzwischen herrscht auch hier weitgehende Gesetzlosigkeit. Kriminelle Banden verdienten viel Geld mit dem Schmuggel von Flüchtlingen aus Somalia und Äthiopien auf die arabische Halbinsel. Dazu kommen Piratenüberfälle. Die Machthaber von Puntland wurden wiederholt beschuldigt, die Piraten zu unterstützen und einen Teil des Lösegeldes für Schiffe und Besatzungsmitglieder selbst zu kassieren.
Es sei "erschreckend", dass die Piraten mittlerweile 438 Besatzungsmitglieder und Passagiere sowie 20 Schiffe in ihrer Gewalt hätten, sagte der Uno-Untergeneralsekretär B. Lynn Pascoe. Es müsse mehr getan werden, um die Ursachen von Raubüberfälle und Entführungen zu beseitigen.
Doch noch ist von einer Lösung keine Spur, im Gegenteil: Die Angriffe werden brutaler. Am 7. November 2011 erschossen somalische Piraten einen Mann, der die von ihnen gekaperte Yacht nicht verlassen wollte. Die anderen Geiseln - darunter eine Frau und ein Junge - wurden Augenzeugen zufolge an Land gebracht. Bislang kam die Tötung von Geiseln selten vor.
Britische Reedereien und Versicherer haben die Idee einer Privatarmee erneut in die öffentliche Diskussion gebracht.
Laut EU-Beschluss lautet das Ziel der Mission: "die Abschreckung, Verhütung und Bekämpfung von seeräuberischen Handlungen und bewaffneten Raubüberfällen". Dazu gehört explizit auch der "Einsatz von Gewalt". Der bislang geltende Einsatz war bis zum 15. Dezember 2009 befristet.
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