Anti-Terror-Demo in Köln Islamverband Ditib will nicht mitdemonstrieren

Der türkische Islamverband Ditib will an einer Anti-Terror-Demo in Köln nicht teilnehmen. Begründung: Muslime hätten sich bereits unzählige Male distanziert, durch die Veranstaltung werde ihnen erneut Schuld zugewiesen.

Zentralmoschee der Türkisch-islamischen Union Ditib in Köln
DPA

Zentralmoschee der Türkisch-islamischen Union Ditib in Köln


Der größte Islam-Dachverband in Deutschland, die türkisch-islamische Union Ditib, wird sich nicht an dem in Köln geplanten Friedensmarsch von Muslimen gegen islamistischen Terror beteiligen.

"Forderungen nach 'muslimischen' Anti-Terror-Demos greifen zu kurz, stigmatisieren die Muslime und verengen den internationalen Terrorismus auf sie, ihre Gemeinden und Moscheen" heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung von Ditib. Diese Form der Schuldzuweisung spalte die Gesellschaft, heißt es weiter.

Unter dem Motto "Nicht mit uns" wollen am Samstag in Köln Muslime mit Unterstützung zahlreicher Verbände und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gegen islamistischen Terror und Gewalt demonstrieren. Zu dem Friedensmarsch werden zehntausend Teilnehmer erwartet, Initiatoren sind die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und der muslimische Friedensaktivist Tarek Mohamad.

Unterstützt wird die Demonstration unter anderem vom Zentralrat der Muslime in Deutschland und der Türkischen Gemeinde, aber auch von christlichen Gruppen und deutschen Parteien. Zu den zahlreichen Einzelunterzeichnern des Demonstrationsaufrufs zählen zudem führende Politiker von CDU, SPD, Grünen, Linken und FDP ebenso wie der Schriftsteller Navid Kermani und die Fernsehmoderatorin Nazan Eckes.

Für fastende Muslime sei Demo unzumutbar

Die Ditib erklärte, Muslime hätten sich schon unzählige Male in Form von gemeinsamen öffentlichen Stellungnahmen, öffentlichen Gebeten und öffentlichen Initiativen von Gewalttaten distanziert.

Es sei der Ditib zwar "ein wichtiges Anliegen, gemeinsame und starke Zeichen gegen den Terrorismus zu setzen". Erfahrungsgemäß dauere es aber nicht einmal Wochen, bis erneut Aufrufe an die Muslime laut würden, sich vom Terror zu distanzieren. "Wichtiger ist, dass die Gesellschaft von der kontinuierlichen und unverzichtbaren Basisarbeit insbesondere der organisierten Muslime in Deutschland erfährt, die dazu beitragen, dass wir in Deutschland ein friedfertiges und versöhnliches, tolerantes Islamverständnis leben."

Bei der geplanten Demonstration fehlten dem Verband zufolge zudem gemeinsame Absprachen im Vorfeld. Muslime seien "keine Verhandlungsmasse, die sich nach Belieben hierhin oder dorthin zitieren lässt".

Zudem sei der Zeitpunkt schlecht gewählt: Am 22. Tag des Ramadan, an dem in Köln von 3:47 Uhr bis 21:55 Uhr nicht getrunken und gegessen werde, sei es den fastenden Muslimen nicht zumutbar, stundenlang in der Mittagssonne zu demonstrieren, kritisierte die Ditib.

sun/dpa/AFP



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