Anti-Terror-Einsatz: Bundeswehr-Elitetruppe will Soldatinnen an die Front schicken

Umdenken bei der Bundeswehr: Zum ersten Mal will das Kommando Spezialkräfte Frauen für Auslandseinsätze trainieren. Der Mangel an Elitesoldaten soll außerdem durch schnellere Beförderungen und mehr Lohn behoben werden.

Berlin/Kabul - Im Anti-Terror-Kampf könnten bald auch Frauen an vorderster Front kämpfen. Neuerdings soll das Kommando Spezialkräfte (KSK) Soldatinnen direkt für Auslandseinsätze vorbereiten. Bisher konnten Frauen nur im Unterstützungsbereich des KSK mitwirken. Jetzt werde ihnen der komplette Zugang zu den Bereichen der Spezialeinheit ermöglicht, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Dienstag in Berlin.

KSK-Mitglieder beim Training in Calw: Frauen sind inzwischen unverzichtbar
DPA

KSK-Mitglieder beim Training in Calw: Frauen sind inzwischen unverzichtbar

Er bestätigte damit einen Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Demnach sollen die weiblichen Elitesoldaten zunächst in drei Unterstützungskompanien aufgenommen werden. Jedoch sei daran gedacht, sie mittelfristig auch an vorderster Front mit den Kommandosoldaten einzusetzen. Dazu sei eine bessere Ausbildung mit einem speziellen Trainingsprogramm für Frauen geplant.

"Auch beim KSK sind Frauen mittlerweile unverzichtbar", sagte Heeresinspekteur Hans-Otto Budde der Zeitung. "Insbesondere bei Auslandseinsätzen sind wir auf weibliche Soldaten dringend angewiesen." Das Verteidigungsministerium teilte mit, zunächst werde geklärt, wie die potentiell körperlich weniger leistungsfähigen Soldatinnen eingesetzt werden können. "Es geht nicht um eine Verringerung der hohen Anforderungen für die Kommandosoldaten", so der Ministeriumssprecher.

Über KSK-Einsätze verweigert das Verteidigungsministerium stets jede Auskunft. Die in Calw im Schwarzwald stationierte Eliteeinheit ist für geheime Einsätze im Ausland aufgestellt und ausgebildet worden. Sie soll Evakuierungen aus umkämpften Regionen ermöglichen, gefährdete Personen schützen, Terrorangriffe abwehren - und empfindliche Ziele auf feindbesetztem Gebiet zerstören. Derzeit sind KSK-Soldaten auch zum Schutz der deutschen Feldlager in Afghanistan im Einsatz.

Schnelle Beförderungen, mehr Geld

Weil der Dienst im KSK extrem hart ist und besondere Fitness erfordert, ist es dem Verband seit seiner Gründung Mitte der neunziger Jahre nie gelungen, die geplante Sollstärke von gut tausend Soldaten zu erreichen. Eine offizielle Stellungnahme des Ministeriums zu dieser Angabe war nicht zu erhalten.

Allerdings solle dem Personalmangel jetzt mit Hilfe rascherer Beförderungen und eines neuen Zulagensystems abgeholfen werden, heißt es in dem Zeitungsbericht. Entschieden ist laut Ministerium die Steigerung der monatlichen Zulage von 500 Euro auf 900 Euro. Offen sei noch die Entscheidung über höhere Prämien.

Wie gefährlich Auslandseinsätze in Krisengebieten sein können, hat sich erst kürzlich wieder gezeigt: Die Nato-Schutztruppe Isaf teilte am Dienstag mit, dass zwei Soldaten bei ihrem Einsatz in Südafghanistan ums Leben gekommen sind.

Ein Soldat sei bei einem Gefecht mit Aufständischen getötet worden, berichtete die Isaf in Kabul. Sie gab die Nationalität der getöteten Soldaten nicht an. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in London vom Montag wurde ein Brite bei einer Fußpatrouille in der Provinz Helmand getötet, als ein Sprengsatz am Straßenrand explodierte. Außerdem erschossen Unbekannte einen Polizeichef in der ebenfalls im Süden gelegenen Provinz Logar.

Im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban sind im Süden Afghanistans vor allem Isaf-Soldaten aus Kanada, den USA Großbritannien und den Niederlanden stationiert.

fat/dpa/ddp/AP

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