Anti-Terror-Kampf: Deutsch-Syrer Darkazanli empört über CIA-Mordpläne
Wochenlang stand der Hamburger Mamoun Darkazanli wegen Terrorverdachts im Visier der USA und sollte laut einem Bericht liquidiert werden - jetzt meldet sich der 51-Jährige zu Wort. Er habe geahnt, dass jemand hinter ihm her sei, doch Details habe er nicht gewusst: "Es macht mich sprachlos."
Hamburg - Erstmals hat sich Mamoun Darkazanli zu dem Bericht geäußert, wonach der Deutsch-Syrer aus Hamburg vom US-Geheimdienst CIA ermordet werden sollte: "Es ist kaum in Worte zu fassen, was ich durchmachen musste", sagte der Kaufmann den ARD-"Tagesthemen". Immer öfter seien ihm zuletzt Autos aufgefallen. "Es hat nicht aufgehört. Man wusste nicht, wer hinter mir ist", sagte er. "Es macht mich sprachlos, ehrlich gesagt. Das ist ein Mordauftrag."
Einem Artikel des US-Magazins "Vanity Fair" zufolge sollen Söldner im Auftrag der CIA nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington die Exekution Darkazanlis vorbereitet haben. Sie sollen sich vor einigen Jahren wochenlang in Hamburg aufgehalten, letztlich aber kein grünes Licht erhalten haben. Die geheime Operation wurde laut "Vanity Fair" ohne Wissen der Bundesregierung oder offizieller CIA-Stellen angeordnet.
Die Hamburger Staatsanwaltschaft kündigte an, den angeblichen Sachverhalt mit Blick auf eine mögliche Verabredung zu einem Mord zu prüfen.
Der Hamburger Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) forderte die Bundesregierung auf, die angebliche Mordpläne der CIA gegen Darkazanli aufzuklären. "Ich habe die Erwartung, dass die Bundesregierung an die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika herantritt und eine lückenlose Aufklärung des Sachverhaltes einfordert", sagte Ahlhaus. "Sollte es Anhaltspunkte dafür geben, dass amerikanische Organisationen in Deutschland ohne Wissen ihrer deutschen Partner in dieser Form operativ tätig waren, können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen."
Terrorermittlungen gegen Darkazanli 2006 eingestellt
Darkazanli war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den Verdacht geraten, ein Helfer des Terrornetzwerks al-Qaida zu sein. Er hatte nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft Kontakt zu einigen Mitgliedern der "Hamburger Zelle", die für die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon verantwortlich waren. Die Bundesanwaltschaft fand allerdings keine Hinweise auf eine Verwicklung des Geschäftsmanns in Terroraktionen. Sie stellte die Ermittlungen gegen ihn 2006 ein, ohne dass es zu einer Anklage kam.
Zudem war er in den neunziger Jahren als Vermittler von Handelsgeschäften in das Firmengeflecht von al-Qaida eingebunden und wurde von spanischen Behörden als mutmaßlicher Kontaktmann für eine spanischen Zelle der Organisation identifiziert. Ein Auslieferungsersuchen Spaniens lehnten die deutschen Behörden im Jahr 2007 auf Anweisung des Bundesjustizministeriums ab.
hen/ffr/AFP/dpa/AP
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